Unternehmenskrisen meistern – 7 Tipps für einen Richtungswechsel
Praxistipps

Unternehmenskrisen meistern – 7 Tipps für einen Richtungswechsel

Carolin Fischer
Am

Ob Umsatzverluste durch eine Pandemie, Fehler bei der Produktvermarktung oder Verschuldung – Gründe für betriebliche Krisen gibt es reichlich. Um die Abwärtsspirale zu stoppen, braucht es wirkungsvolle Maßnahmen und agiles Umdenken. Folgende Tipps können wieder auf Erfolgskurs bringen.

1. Kosten senken

Finanzielle Engpässe sind in Unternehmen keine Seltenheit und können immer wieder auftreten. Entscheidend ist, dass die Finanzlage unter stetiger Beobachtung steht, um bei Bedarf rechtzeitig zu reagieren. Können Betriebe ihre Verbindlichkeiten nicht mehr pünktlich zurückzahlen, drohen ansonsten zusätzliche Verzugszinsen, Mahngebühren und gerichtliche Mahnverfahren. Spitzt sich die finanzielle Schieflage zu, werden Betriebe mit einer Überschuldung konfrontiert. Auf der Kostenseite gibt es diverse Stellschrauben, die eine Zahlungsunfähigkeit bei sinnvoller Regulierung verhindern können:

Werbung

Werbung ist wichtig zur Neukundengewinnung und Imageprägung. In Krisenzeiten muss das Budget jedoch kritisch begutachtet werden. Wer nicht auf Neukunden angewiesen ist, kann Werbemaßnahmen vorübergehend pausieren und die Ausgaben unmittelbar senken. Kann aufgrund des Neukundenbedarfs nicht auf Marketing verzichtet werden, sollten zumindest günstige Alternativen Anwendung finden. Statt aufwändiger und teurer Kampagnen lässt sich unter anderem mit der Verteilung von Flyern, den kostenlosen Optionen von Google My Business sowie Social Media Marketing günstig werben.

Personal

Fachkräfte sind rar, kosten Unternehmen aber eine Menge Geld. Insbesondere, wenn krisenbedingt nicht genug Arbeit vorhanden ist. Wird das Geld zunehmend knapp, ist auch hier ein Umdenken zur Überwindung der Krise erforderlich. Um Talente zu sichern, ist Kurzarbeitergeld eine attraktive Lösung. Damit bleiben kostbare Arbeitskräfte erhalten, während die Entgeltkosten sinken. Details dazu hat die Bundesagentur für Arbeit online arrangiert.

Fortbildung

Die kontinuierliche Weiterbildung der Belegschaft ist elementar, um am Markt Schritt halten zu können. Während einer Unternehmenskrise geht es aber schnell ums Überleben des Unternehmens und zu dessen Sicherung muss die Fortbildung warten. Je nach Anzahl der Mitarbeitenden und dem Umfang der üblichen Bildungsmaßnahmen sind erhebliche Einsparungen möglich.

2. Umsätze steigern

Während die Ausgaben sinken, sollte gleichzeitig am Ausbau der Einnahmen gearbeitet werden. Das Erschließen neuer Märkte ist eine Variante. Das kann mit neuen Vertriebskanälen und regionaler Expansion gelingen, aber auch durch die Angebotsausweitung auf den globalen Markt sowie der Ansprache einer neuen Zielgruppe. Die Erschließung neuer Märkte hat nicht nur den Vorteil der potenziellen Umsatzsteigerung, sondern auch die Risikominimierung: Durch die Verteilung der betrieblichen Ressourcen lässt sich die Abhängigkeit des Stammmarktes senken und ein Ausgleich des Risikos schaffen.

Eine weitere Möglichkeit zur Umsatzsteigerung besteht in der Entwicklung bestehender und neuer Produkte. Womöglich liegen bereits kreative Ideen vor, müssen jedoch geschärft werden. Eine Krise bietet die Chance, neue Wege einzuschlagen. Teilweise genügen kleine Veränderungen am Angebot, um die Produktattraktivität und damit die Nachfrage zu steigern.

3. Fokussierung auf wertsteigernde Tätigkeiten

Der Betriebsalltag trägt leider vielerorts dazu bei, dass sich Teams nicht mit wertschöpfenden Aufgaben beschäftigen. Stattdessen benötigen sie viel Zeit für Routineaufgaben, die kaum oder sogar keinen Einfluss auf den Erfolg haben. Eine Krise rüttelt wach und zeigt die Schwächen der Beschäftigung auf. In schwierigen Zeiten ist es umso wichtiger, dass der Fokus auf wertsteigernde Tätigkeiten gerichtet wird. Vereinfacht ausgedrückt, sind Aufgaben gemeint, die durch Kundschaft bezahlt werden. Alles, was keinen Wertzuwachs bringt oder gar Kosten verursacht, sollte wann immer möglich durch Wertsteigerungsmaßnahmen ersetzt werden.

4. Externe Unterstützung suchen

Pauschale Lösungen gibt es für Unternehmenskrisen nicht. Bleiben die angewandten Gegenmaßnahmen wirkungslos, sollten Betriebe nicht zögern und umgehend externe Hilfe in Anspruch nehmen. Neben der klassischen Unternehmensberatung kann eine Schuldnerberatung Wege aus der Krise aufzeigen. Im Rahmen dieser Beratung erhalten Unternehmen sinnvolle Hilfestellungen zur Stabilisierung der Finanzlage. Die Umsatzsituation wird gleichermaßen thematisiert wie die Verbindlichkeiten, Gläubiger und potenzielle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Rentabilität. Die Unterstützung kann die finanzielle Lage wieder auf ein stabiles Niveau bringen.

Bei der Auswahl einer entsprechenden Beratungsstelle muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Beratungskompetenz stimmt. Der Großteil der kostenlosen Schuldnerberatungsstellen ist beispielsweise nicht auf die besonderen Ansprüche von Gewerbetreibenden eingestellt, sondern auf die Belange von Privatpersonen. Generell kann man sagen, dass jedes dritte Unternehmen sich bei einer gleichbleibenden Wirtschaftslage nach einer Zeit von maximal drei Jahren von den Schulden befreien kann. Damit dies – im Idealfall auch noch viel schneller – gelingt, sollten Sie sich ausschließlich an Experten für Betriebe wenden, die Kenntnisse zu Schuldentilgung, Insolvenzrecht und betriebswirtschaftliches sowie kaufmännisches Know-how vereinen.

Im Idealfall warten Entscheider nicht, bis die Schulden überhandnehmen und das Vermögen verpufft, sondern reagieren bereits dann, wenn sich eine Zahlungsunfähigkeit ankündigt. Trotz der hohen Anforderungen an die Qualifikation von Schuldnerberatern für Betriebe, können Betroffene in vielen Teilen Deutschlands zumindest eine kostenfreie Erstberatung in Anspruch nehmen. Auch die kann bereits Wirkung zeigen. Unternehmer sollten sich nicht scheuen, bei den Ansprechpartnern vor Ort anzufragen und die Angebote zu klären.

5. Vorhandene Ressourcen optimal nutzen

Ressourcen sind vielfältig und reichen von Energie über Betriebsmittel (z. B. Maschinen, Fuhrpark) bis hin zur Arbeitszeit des Personals. Selbst Büromaterialien wie Druckerpapier oder Kugelschreiber sind eine Ressource. Auf den ersten Blick wirkt vieles unwichtig, doch in der Summe kann ein verschwenderischer Umgang fatale Folgen haben. Nicht wenige Betriebe landen genau deshalb in einer Krise. Spätestens, wenn unruhige Zeiten aufkommen, ist ein Umdenken in Richtung Sparsamkeit und Effizienz unumgänglich.

Um möglichst schnell einen positiven Effekt zu erzielen, sollten zunächst kostenintensive Posten wie beispielsweise die Kapazität der Mitarbeitenden unter die Lupe genommen werden. Hier gilt es zu klären, wie die wertvolle Arbeitszeit möglichst wertsteigernd eingesetzt werden kann. Am Beispiel Energie könnten Maßnahmen zur Senkung des Stromverbrauchs umgesetzt werden. Auch ein Wechsel zu einem günstigeren Energielieferanten wäre denkbar. Je größer der Energiebedarf, desto stärker kann sich eine Reduzierung von Grund- und Arbeitspreis bemerkbar machen.

6. Suchen Sie neue Chancen und Möglichkeiten

Die Bewältigung von Krisen ist Teil des unternehmerischen Daseins. Diejenigen, die sich trotz eines Tiefs ihre Agilität bewahren und Krisen als Chancen für Veränderungen betrachten, steigern ihre Erfolgsaussichten allein durch diese Einstellung. Selbst in der Corona-Pandemie, die 2020 zum massivsten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts seit 1970 geführt hat, haben viele Betriebe Einfallsreichtum bewiesen und aus der Not neue Geschäftsmodelle entwickelt.

In einem Interview des Kompetenzzentrums Kommunikation der BSP Business School Berlin berichtet Dr. Diethard Buhler über Methoden und Techniken, die eine krisensichere Aufstellung erleichtern. Dabei sollten Unternehmer drei Aspekte berücksichtigen: Die Ausrichtung zu Kundinnen und Kunden hin, die interne Produktivität und das Geschäftsmodell als solches.

7. Bleiben Sie hartnäckig und verlieren Sie nicht den Glauben an sich

Das unternehmerische Risiko kann eine enorme Belastung für Entscheider sein. Insbesondere in Unternehmenskrisen zeigt sich, welche Unternehmen sich ihrem Potenzial bewusst sind und es aktiv ausschöpfen. Entscheidend zur Krisenbewältigung ist, dass der Glaube an das eigene Können bewahrt und Ängste überwunden werden. Generell gilt: Machen, ist besser als denken. Viele verstricken sich in Krisen in einem gefährlichen Gedankenkarussell – statt zu handeln, wird die Zeit mit Grübeln verschwendet. Die weitaus bessere Strategie besteht darin, beherzt gegenzusteuern und an den richtigen Stellschrauben für einen erfolgreichen Richtungswechsel zu drehen.

Foto/Thumbnail: ©istock.com/VTT Studio

Über den Autor

Carolin Fischer

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal", "Mittelstand" und "Karriere". Zuvor hat sie mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet und ist heute noch u.a. im PR-Bereich tätig.
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