Gründer des Start-ups Evy Solutions

Michael Vogel: „Eine Gründung wird fast immer teurer als geplant”

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Im Gespräch mit Michael Vogel, Gründer des Start-ups Evy Solutions. Die Kernkompetenz des Unternehmens ist das KI-basierte Analysieren von Dokumenten für eine intelligente Prozessautomatisierung. Die Lockdown-Monate hat das Start-up genutzt, ihre Kundenbereiche genau unter die Lupe zu nehmen und ihre KI-Lösung anzupassen, um ihre Zielgruppen noch besser anzusprechen.

Name: Michael Vogel

Position: Gründer und Geschäftsführer der Evy Solutions GmbH

Vita: Michael Vogel verfügt über langjährige Erfahrung im Venture Capital Bereich und beim Aufbau innovativer, vielversprechender Unternehmen. Er ist als Gutachter für Gründungswettbewerbe tätig und berät seit vielen Jahren Unternehmen in der Frühphase ihres Bestehens vollumfänglich in finanziellen, strategischen und personellen Fragen sowie bzgl. Patentangelegenheiten. Darüber hinaus führt Vogel im Auftrag der Unternehmen auch Gespräche mit Investoren und war als Aufsichtsratsvorsitzender verschiedener Aktiengesellschaften tätig und an erfolgreichen Unternehmensverkäufen sowie diversen Börsengängen beteiligt. 2017 gründete er zusammen mit Arian Storch Evy Solutions, einen Software- und Serviceanbieter für KI-gestützte Dokumentenverarbeitung und -analyse.

Lebensmotto: Et kütt wie et kütt und et hätt noch emmer joot jejange.

Über das Unternehmen

Evy Solutions GmbH
Waltherstraße 49-51
Gebäude 47
51069 Köln
Gründungsjahr: 2017
Telefon: +49221/95817641

Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Die Kernkompetenz unseres Unternehmens ist das KI-basierte Analysieren von Dokumenten für eine intelligente Prozessautomatisierung. Damit erreichen wir für unsere Kunden eine hohe Kosten- und Zeitersparnis bei der Klassifizierung, Verarbeitung und Archivierung von Bestellungen, Transportaufträgen, Rechnungen, Schadensmeldungen und vielem mehr. Unsere Software wird als Pay-Per-Use-Modell vertrieben. Das bedeutet, der Kunde bezahlt den Einsatz unserer Software nur für jeweils das Dokumentenvolumen, welches sie benötigen.

Der Workflow eines Transportauftrages. Quelle: Evy Solutions

Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

In die Postfächer von Unternehmen flattern täglich Unmengen an Dokumenten, deren manuelle Verarbeitung fehleranfällig ist und viel Zeit sowie Ressourcen bindet. Wir sind angetreten, die Dokumentenanalyse und -verarbeitung zu revolutionieren – mithilfe der intelligenten, KI-basierten Software Evy Xpact. Das Besondere unserer Lösung ist ihr textbasierter Ansatz, dank dem sich auch aus unstrukturierten Daten relevante Informationen herauslesen und klassifizieren lassen. Kunden profitieren von einem Automatisierungsgrad von nahezu 100 Prozent sowie von bis zu 80 Prozent an Kosten- und Zeitersparnis bei der Dokumentenverarbeitung.

Neben einer guten Idee spielt auch die Team-Zusammensetzung oft eine entscheidende Rolle. Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

Evy Solutions wird von Arian und mir als Gründungsmitglieder selbst geleitet. Unsere derzeit 16 Mitarbeiter verfügen nicht nur über die benötigten fachlichen Kompetenzen, sondern auch – und das ist unserer Ansicht nach für den langfristigen Erfolg mindestens genauso wichtig – über die gleichen Vorstellungen bzgl. ihrer Ziele im Berufsleben und der Entwicklung des Unternehmens wie wir.

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Das Angebot für Dokumenten-Analyse-Tools am Markt ist bereits groß. Aber es gibt außer uns keinen Anbieter, der die Analyse auch mit unstrukturierten Daten durchführen und die relevanten Informationen unabhängig vom Dokumentenaufbau herauslesen kann. Unserer Lösung ist es egal, an welcher Stelle im Text die relevanten Informationen stehen. Möglich macht diesen sogenannten textbasierten Ansatz die von Arian selbstentwickelte KI, die über ein natürliches Sprachverständnis verfügt und statt stereotyper Textpositionen inhaltliche Zusammenhänge erkennt. Ein schönes Beispiel hierfür ist das Auslesen und Klassifizieren von E-Mail-Textkörpern. Die meisten Lösungen können die Inhalte von E-Mails nicht auslesen, da diese in der Regel keiner bestimmten Form folgen.

Für Evy Xpact hingegen ist das kein Problem. Ihre eigene Spracherkennung optimiert die Software darüber hinaus beständig selbstlernend. Somit erreicht unsere Lösung bereits nach drei bis vier Wochen im Einsatz eine Zuverlässigkeit von 99 Prozent, der manuelle Bearbeitungsaufwand reduziert sich auf ein Prozent der Dokumente.

Unsere Lösung punktet mit hoher Lerngeschwindigkeit. Benötigt eine gewöhnliche KI beispielsweise rund 100.000 Dokumente, bis sie einen entsprechenden Kundefall „gelernt“ hat, so genügen Evy Solutions für den gleichen Fall 50 bis 100 Dokumente. Das sorgt dafür, dass unsere Kunden sehr schnell – binnen vier bis sechs Wochen – vollumfänglich mit Evy Xpact arbeiten können.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass Evy Xpact eine Vielzahl an Dokumententypen und -formaten verarbeiten kann. Je nach Anwendungsfall lässt sich das Produkt darüber hinaus aus den einzelnen Modulen flexibel aufbauen: Von der Klassifizierung, Sortierung und Ablage der Dokumente über die inhaltliche Trennung von Batch-Dokumenten, Auslesen von Informationen oder Überprüfung der extrahierten Inhalte und ggf. Anreicherung mit fehlenden Informationen bis hin zur semantischen Suche nach Inhalten und Zusammenhängen, deckt Evy Xpact alle Bereiche im Baukastensystem ab.

Was war Ihre Motivation Unternehmer zu werden?

Der wichtigste Aspekt für mich war, dass ich als Unternehmer wirklich etwas bewegen kann. Wer Arbeit als wichtigen Teil seines Lebens versteht, dem geht es darum, etwas zu erschaffen, das bleibt. Und wer seinen Beruf nicht nur als Nine-to-Five-Job versteht, der kommt sehr schnell zu dem Entschluss, dass man seine ganz persönliche Vision von einem Lebenswerk nur mit einem eigenen Unternehmen erfüllen kann.

Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten 3 Jahre?

Wir haben viel vor. Vor Kurzem konnten wir unseren ersten Kunden in den USA gewinnen, und in den nächsten fünf Jahren wollen wir unsere Lösungen im gesamteuropäischen Markt ausrollen. Dank der natürlichen Sprachverarbeitung der Künstlichen Intelligenz kann die Software nicht nur Deutsch, sondern z.B. auch Englisch, Spanisch oder Niederländisch problemlos verarbeiten. Die Software erkennt keine ganzen Wörter, sondern die Kombinationen der Buchstaben und ordnet diese zu. Das Ergebnis ist eine sprachunabhängige Verarbeitung. Dies gilt auch für Dokumente in Sprachen mit nicht lateinischer Schrift, wie Chinesisch oder Russisch – nachdem der KI die neue Sprache antrainiert wurde.

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Die größte Herausforderung war für uns sicherlich der Switch vom ursprünglich angedachten B2C-Produkt – der Dokumenten-App – zum jetzigen B2B-Produkt. Denn nach unserem ersten Produkt-Launch hat sich nicht so sehr unsere B2C-Komplettlösung etabliert, sondern wir haben Anfragen für einzelne Teilbereiche daraus erhalten – aus dem B2B-Bereich. Daher haben wir die App in ihre einzelnen Module zerlegt und diese weiterentwickelt: Unser heutiges Evy Xpact war geboren!

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus und wie wollen Sie diese meistern?

Während der Corona-Pandemie und der aufgezwungenen Messepause standen wir – wie viele Unternehmen – vor dem Problem, neue Wege bzw. Alternativen für Marketing und Vertrieb zu finden. Wir haben diese unfreiwillig ruhige Phase genutzt und während der Lockdown-Monate unsere Kundenbereiche genau unter die Lupe genommen. Als Ergebnis haben wir unsere Lösung in drei Produktvarianten unterteilt, die jetzt für die jeweiligen Zielgruppen noch besser greifbar und schneller einsatzbereit sind. Davon profitieren wir enorm.

Ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Wir sind über Eigenkapital sowie über Family & Friends finanziert.

Ist für Sie eine Partnerschaft mit Venture-Kapitalgebern eine Option?

Ja, das können wir uns vorstellen – vorausgesetzt natürlich, der Kapitalgeber passt bzgl. seiner Business-Ausrichtung und seinen Zielen zu unserer Unternehmensvision.

Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer gerne weitergeben?

Als erstes, dass eine ausreichende und detaillierte Finanz- und auch generelle Projektplanung zentral wichtig ist. Insbesondere deshalb, weil eine Gründung fast immer länger dauert und teurer wird als ursprünglich geplant. Darüber hinaus sollte man als Gründer nicht versuchen, alles allein durchzuziehen, sondern sich von Beginn an Partner mit ins Boot holen. Zu guter Letzt gilt es, auch die Awareness nicht zu unterschätzen. Speziell zum Unternehmensstart sind Marketing-Maßnahmen und die Teilnahme an Business-Wettbewerben ein sehr hilfreiches Tool, um Bekanntheit zu erlangen.

Ist Ihr Team bereits vollständig oder suchen Sie aktuell noch freie und/oder feste Mitarbeiter?

Wir wachsen und expandieren derzeit stark – das heißt, wir wollen unser Team kontinuierlich erweitern und suchen daher weiterhin Mitarbeiter, die mit uns gemeinsam Evy Solutions weiter ausbauen wollen. Aktuell suchen wir engagierte Experten für die Bereiche Marketing und Softwareentwicklung.

Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

Weil sie bei Evy Solutions die Chance haben, etwas Großartiges mit aufzubauen und selbst Teil der Digitalisierung zu werden. Wir arbeiten an digitalen Konzepten für die Zukunft und beschäftigen uns mit einer der spannendsten Technologien überhaupt – mit Künstlicher Intelligenz und ihrer Weiterentwicklung. Nicht zuletzt sind wir ein innovatives Start-up, das seine Mitarbeiter dazu ermutigt, sich selbst zu entfalten und ihnen Raum gibt für eigene Ideen.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminster. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Für Gründer würde ich mir einen einfacheren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten wünschen und generell mehr staatliche Unterstützung bzw. Anreize für Kooperationen zwischen dem etablierten Mittelstand und innovativen Start-ups – denn das ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Welche Person hat Sie in der Gründungs- und Wachstumsphase besonders unterstützt? Bei wem möchten Sie sich bedanken?

Besondere Dank gilt unseren Investoren. Denn ihnen haben wir nicht nur die nötigen finanziellen Mittel zu verdanken, ohne die Evy Solutions nicht zu dem geworden wäre, was wir heute sind, sondern die uns darüber hinaus auch jederzeit mit Rat, Tat und einem Netzwerk an guten Kontakten zur Seite stehen. Darüber hinaus ist es auch zentral wichtig, ein gutes Team an seiner Seite zu haben. Gerade im Gründungsprozess ist es besonders wichtig, dass alle am gleichen Strang ziehen. Das war und ist bei uns der Fall – deshalb auch ein großes Dankeschön an unsere Mitarbeiter.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Mit Jeff Bezos, weil er anderen stets einen Schritt voraus ist, weiterdenkt und innovative Ideen hat.

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