Niedrige Zinsen halten immer mehr Unternehmen künstlich am Leben
Zombieunternehmen

Niedrige Zinsen halten immer mehr Unternehmen künstlich am Leben

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Seit letztem Jahr sind in Deutschland die Halbtoten los - und das wortwörtlich! Denn die Anzahl jener Zombieunternehmen, die sich durch Kredite künstlich am Leben erhalten, ist im Corona-Jahr deutlich gestiegen. Vor allem haben derzeit immer mehr Kleinunternehmen mit dem Überleben zu kämpfen.

Laut der Definition von Adalet McGowan werden Firmen als Zombies bezeichnet, die drei Jahre in Folge nicht dazu in der Lage sind, die Zinslast für Fremdkapital durch den eigenen Gewinn abdecken zu können. Die weltweit meistgenutzte Wirtschaftsauskunftei Creditsafe Deutschland hat sich den jüngsten Entwicklungen im Grusel-Business gewidmet und aktuellste Zahlen ausgewertet. Das Fazit: Ein weiterhin bestehender Niedrigzins befeuert den Marsch der Halbtoten und erweckt Neu-“Zombies“ zum Leben.

Die weiterhin bestehende Niedrigzins-Politik gilt als Nährboden für das Bestehen von Zombiefirmen. Eine organische Marktbereinigung wird somit ausgebremst. Dadurch konnte bereits vor dem Corona-Jahr ein Trend hin zu einer ganzen Zombie-Wirtschaft beobachtet werden. Trotzdem glich kein Anstieg bisher dem jetzigen des Jahres 2020. Innerhalb eines Jahres ist die Quote von 9,8 Prozent auf 11,3 Prozent gestiegen und das, obwohl noch längst nicht alle Jahresabschlüsse vorliegen (rund 1/5 wurden bisher eingereicht). Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Quote bei Vollständigkeit verändern wird.

Hoher Anstieg von Zombieunternehmen bei Freiberuflern und im Verkehr

Obwohl das Pandemie-Jahr die gesamte Wirtschaft hart getroffen hat, litten einzelne Branchen mehr als andere. In Anbetracht der Quote an Zombieunternehmen in den einzelnen Bereichen zeichnen sich deutliche Unterschiede ab. Ein besonders hoher Wert ist, wie auch im Vorjahr, beim Finanz- & Versicherungsdienstleistungssektor (37,0 Prozent) zu erkennen. Dieser kann jedoch auf Bilanzierungsbesonderheiten zurückgeführt werden. An zweiter und dritter Stelle stehen Verkehr & Logistik (18,7 Prozent), sowie Freiberufler & wissenschaftliche und technische Dienstleitungen (26,1 Prozent). Hier zeichnet sich im Vergleich zum Vorjahr außerdem der größte Anstieg ab.

Quelle: ©creditsafe

Es gilt zu erwähnen, dass sich die Analyse von Creditsafe ausschließlich auf größere Branchen bezieht, da in diesen zum aktuellen Zeitpunkt mehr Jahresabschlüsse aus dem vergangenen Jahr vorliegen. Dadurch können aussagekräftigere Werte ermittelt werden.

Plötzlich „Zombie“: Kleine Unternehmen leiden wie nie zuvor

Obwohl noch viele Jahresabschlüsse zur ganzheitlichen Analyse des Jahres 2020 fehlen, geht aus der Auswertung von Creditsafe ein auffälliger Anstieg hervor: Während Großunternehmen weiterhin die Spitze der stark Verschuldeten anführen, erreichen Kleinunternehmen erstmalig fast die gleiche Quote an Zombieunternehmen wie die Großen. Bei Großunternehmen ist dieser hohe Wert nicht ungewöhnlich, da es für sie generell leichter ist, die hohe Zinslast zu tragen und sie in der steuerlichen Betrachtung zu berücksichtigen. Die Rücklagen sind größer, das
Geschäft meist etablierter.

Kleinunternehmen haben härter mit dem Überleben in diesen Jahren zu kämpfen. Ein Anstieg der kleinen „Untoten“ um fast 3 Prozent lässt sich hier vermutlich auf ausbleibende Gewinne sowie dem weiterhin bestehendem Niedrigzins zurückführen. Ein Effekt auf mittelgroße Unternehmen kann bisher noch nicht beobachtet werden. Hier ist die Quote sogar minimal gesunken.

Potenzielle Geschäftspartner sollten sich vorweg genau erkundigen, wie es um ihre Gegenüber steht. Die Schuldenlast der Firmen kann, insbesondere bei steigenden Zinsen, existenzbedrohlich werden und wirkt sich negativ auf ihre Bonität aus. Zombies weisen hier demnach geringe Werte auf. Unternehmen sollte das mit ihren Geschäftspartnern verbundene Risiko bekannt sein, damit der halbtote Taumel sich nicht auf die eigenen Geschäfte niederschlägt.

Foto/Thumbnail: ©Pixabay.com

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