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Timo Specht: „Local SEO ist keine einzelne Aufgabe, sondern ein Gesamtpaket”

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Onpulson im Gespräch mit Timo Specht, Inhaber der Online-Marketing-Agentur SEOfolgreich. Wir sprechen mit ihm über die Besonderheiten der lokalen Suchmaschinenoptimierung und seinen Erfahrungen bei der Unterstützung kleinerer und mittelständischer Unternehmen durch SEO-Strategien mit lokalem Fokus. Außerdem erklärt er die Rankingfaktoren bei der lokalen Suchmaschinenoptimierung.

Onpulson: Herr Specht, Sie sind Inhaber der in München und Ravensburg ansässigen Online-Agentur SEOfolgreich. Ihre Agentur unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen dabei, die Sichtbarkeit in den lokalen Suchmaschinenergebnissen zu optimieren. Stichwort: Local SEO sozusagen. Bitte erklären Sie unseren Lesern, was genau unter Local SEO zu verstehen ist?

Timo Specht: Der Grundgedanke bei Local SEO kommt daher, dass viele kleine, lokale Unternehmen überhaupt nicht das Bedürfnis haben, das gesamte Internet anzusprechen. Ihre Kunden liegen hauptsächlich in ihrer Umgebung und deshalb muss dort auch die höchste Wirksamkeit der Marketing-Strategien zu spüren sein. Das sind Kunden wie Dienstleistungsbetriebe, Ärzte oder Restaurants. Eine Person sucht hier in Suchmaschinen direkt nach „Hautarzt in München“. Das Local SEO zielt darauf ab, den Kunden in dieser Art von Suchanfragen ganz oben zu platzieren.

Die Strategien des Local SEO sind dann eine Mischung aus dem klassischen SEO und dem Maps SEO, das sich gezielt auf die Auffindbarkeit von Betrieben bei Suchanfragen „in der Nähe“, in Kombination mit Standort-Diensten und Services von Google Maps, konzentriert.

Onpulson: Seit wann spielt Local SEO überhaupt eine Rolle in Sachen Suchmaschinenoptimierung?

Timo Specht: Eigentlich hat es nie keine Rolle gespielt. Seit das Internet die Telefonbücher mehr und mehr abgelöst hat, müssen Dienstleister ja woanders zu finden sein. Auch hier haben sie Konkurrenten, gegen die sie sich mit besserem Marketing durchsetzen müssen. Das ist natürlich mit der Zeit immer wichtiger geworden. Inzwischen baut Google bei Suchergebnissen die Maps-Anzeigen direkt mit ein und sortiert immer stärker aus, was sie anzeigen. Früher mal waren es fast 10 Ergebnisse in einem Suchergebnis, heute zeigt Google bei vielen Suchanfragen nur noch seine Top 3.

Um dort hinzukommen, muss man dem Google Algorithmus gefallen. Da kommen das SEO und die Rankingfaktoren von Google und Co. ins Spiel.

Onpulson: Welche Rankingfaktoren gibt es bei der lokalen Suchmaschinenoptimierung?

Timo Specht: Methoden von organischer Suchmaschinenoptimierung sind natürlich immer noch wichtig. Wir teilen sie ein in das Onpage und Offpage SEO. Da geht es dann darum, die Inhalte auf einer Webseite so zu gestalten, dass sie von Google als eine gute Antwort auf die Suchanfrage interpretiert werden. Es gibt viele Ansätze, die zusammenarbeiten. So müssen zum Beispiel die richtigen Schlagworte genutzt werden, die Kunden in Suchmaschinen auch tatsächlich benutzen. Auch der technische Aufbau einer Seite ist nicht unwichtig. Die Struktur, die Links, die auf der Seite sind, die Stellen, an denen im Internet auf die Seite verlinkt wird und vieles Mehr.

Insgesamt sind es Dinge, die Google sagen: Diese Seite ist topaktuell, sie hat wertvolle Inhalte, sie bietet den Service, nach dem Kunden suchen und sie ist vertrauenswürdig. Für den „Local“-Teil kommt dann die sogenannte Google My Business Optimierung dazu. Google My Business ist das Internet-Äquivalent eines Branchenbuchs. Als Unternehmer trägt man dort selbst die Informationen zu seinem Geschäft ein.

Sie kennen das sicher: als Suchenden wird uns das als kleiner Kasten angezeigt, mit einem Bild, Google-Maps-Verlinkung, den Öffnungszeiten, den Kontaktdaten und so weiter. Das klingt vielleicht unkompliziert, aber es gibt Wege sich durch die richtigen Einträge und Verknüpfungen besser zu positionieren. Sowieso sind alle der Strategien miteinander verknüpft und wirken sich aufeinander aus. Wenn man es richtig machen will, braucht man das Gesamtpaket.

Onpulson: Und welche dieser Faktoren spielen bei Local SEO eine besonders wichtige Rolle?

Timo Specht: Für die lokale Vermarktung ist der Google My Business Faktor besonders effektiv. Die wenigsten Suchanfragen für Dienstleister in der Umgebung besuchen noch mehrere Webseiten, um die richtige Lösung zu finden, wenn Google doch alle wichtigen Infos schon in den Suchergebnissen auflistet.

Ganz wichtig ist hierbei die Einheitlichkeit. Die Informationen, die an verschiedenen Stellen wie digitalen Branchenbüchern zu finden sind, müssen überall miteinander übereinstimmen. Genauso muss aber auch der Linkaufbau einer Seite nachvollziehbar sein. Damit gibt man Google das Signal, dass man das eigene Business bewirbt und es vertrauenswürdig ist.

Onpulson: Wie sieht es mit den herkömmlichen SEO-Rankingfaktoren wie z. B. der Verweildauer oder einer mobil optimierten Website aus? Spielen diese hierbei eine weniger wichtige Rolle?

Timo Specht: Wie gesagt, es geht um das Gesamtpaket. Man kann eigentlich keinen SEO-Faktor einfach so weglassen. Sie spielen in jeder SEO-Disziplin eine große Rolle. Eine Zahl, wie die Verweildauer von Besuchern auf einer Webseite, ist immer noch ein Teil der Beweise, die Google sagen, dass es auf der Seite gute Inhalte gibt und die Kunden dort vermutlich das gefunden haben, was sie wollten. Sonst hätten sie die Seite ja schnell wieder verlassen. Darauf sollte man nie verzichten.

Onpulson: Für welche Unternehmen und für welche Branchen eignet sich lokale SEO?

Timo Specht: Die Firmen in diesem Bereich sind die Art von Unternehmen, die zwar online wirbt, ihren Gewinn aber offline in ihrem eigenen Laden oder ihrer Praxis macht. Sie haben einen lokalen Servicebezug. Das sind Ärzte, Handwerker, Fitnessstudios oder Immobilienberater. Die Art von Service, für den man eine Google-Anfrage nach der Adresse und Öffnungszeiten stellen muss.

Onpulson: Wie gehe ich systematisch und strukturiert vor, wenn ich mein Unternehmen erfolgreich lokal in den Suchergebnissen positionieren möchte?

Timo Specht: Das ist in erster Linie erst einmal Fleißarbeit. Der Google My Business Eintrag sollte vollkommen ausgefüllt und optimiert werden. Danach muss man die Kontaktinformationen für sein Unternehmen so breit wie möglich streuen, sprich an allen Stellen, an denen Menschen eventuell neben Google nach lokalen Dienstleistungen suchen würden. Das sind Webseiten wie digitale Branchenbücher. Das kann man alles per Hand machen, oder dabei die Local Listings managen mit SEOfolgreich und unserem Local Listing Tool.

Onpulson: Kann ich mir den Aufwand nicht einfach sparen und mich besser direkt über Google Adwords in den vorderen Suchergebnissen einkaufen?

Timo Specht: SEA-Strategien, das heißt Werbung auf Google, sind immer eine gute Ergänzung zur Suchmaschinenoptimierung. Alleine würde ich aber nicht nur darauf setzen. Das ist auch einer dieser Faktoren, der in Kombination am besten funktioniert. Strategien von SEO bauen organisch Vertrauen und Aufmerksamkeit auf, das kann etwas dauern, ist aber unglaublich wirksam. Gleichzeitig kann man Google Ads nutzen, um direkt sicherzugehen, dass das Unternehmen interessierten Kunden gezeigt wird. Das ist eine gute Ergänzung, aber keine Einzellösung.

Onpulson: Sollte ein Unternehmen den Google My Business Eintrag über eine Agentur vornehmen oder die Tätigkeit eher inhouse ansiedeln? Wann eignet sich ein Outsourcing der Leistung?

Timo Specht: Das kommt darauf an, wie das Unternehmen aufgestellt ist. Kann es Mitarbeiter dafür zur Verfügung stellen? Haben diese SEO-Kenntnisse? Am Ende ist es nur wichtig, dass die Optimierung auch tatsächlich umgesetzt wird. Das Unternehmen, das Umsetzungsvermögen zeigt, wird davon auch profitieren. Wenn die personelle Kapazität fehlt, oder die Finanzen dafür vorhanden sind, sollte man auf externe Unterstützung zurückgreifen. Fachmänner und -frauen wissen am besten, welche Strategien wirken.

Onpulson: Gerade in wirtschaftlich weniger guten Zeiten ist das Marketing-Budget bei vielen Unternehmen begrenzt. Deshalb die Frage: Mit welchen Kosten müssen Unternehmen rechnen, wenn sie Local SEO betreiben möchten?

Timo Specht: Universale Aussagen gibt es dafür nicht. Auch das entscheidet sich durch die Kapazitäten und den Bedarf des Unternehmens. Wenn nicht viel Konkurrenz auf lokaler Ebene vorhanden ist, muss man weniger SEO-Stärke zeigen, um andere Suchergebnisse auszuschlagen. Wenn man externe Hilfe beauftragt, werden die Experten sich mit dem Inhaber zusammensetzen und den Plan besprechen, der zu den individuellen Umständen passt.

Wichtig ist auch zu wissen, dass das Local SEO selten eine einzelne Ausgabe ist. Die Suchmaschinenoptimierung baut sich kontinuierlich auf und funktioniert auch am besten, wenn man über eine längere Zeit betreut wird. So kann man auch auf Änderungen eingehen, und das Internet ist schnelllebig. Selbst die Rankingfaktoren von Google ändern sich.

Wenn man ein geringes Budget hat, kann man die Beratung durch ein Marketingunternehmen auch etwas grober streuen und sich in monatlichen Abständen treffen. Ich empfehle auf jeden Fall lieber fortlaufend dranzubleiben, statt nur sporadisch viel Geld für akute Maßnahmen auszugeben, die ihr Potenzial dann nicht voll entfalten können.

Onpulson: Sie haben mit Ihrer Agentur schon viele Websites in Sachen SEO analysiert. Was sind die typischen Fehler, die Ihnen bei einer solchen Analyse auffallen?

Timo Specht: Ich habe inzwischen mehrere hundert Webseiten bei dem Monitoring, dem Reporting und der Optimierung betreut und es gibt ein paar Fehler, die wirklich immer wieder auftauchen. Was ich häufig sehe, sind Dinge, die man eigentlich als Anfängerfehler bezeichnen würde, da wird die Onpage-Basis von SEO vernachlässigt. Es werden keine Überschriften zugeteilt oder Bildbeschreibungen fehlen. Offpage hakt es dafür an Dingen wie der korrekten Verlinkung, zum Beispiel aus den gängigsten Branchenbüchern.

Das sind wirklich simple Dinge, die man leicht beheben kann, wenn man denn weiß, worauf man achten muss. Aber dafür gibt es dann ja unsere Betreuung.

Foto/Thumbnail: ©Depositphotos.com

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