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Die Gründe für die Störung globaler Transport- und Herstellungsketten
Stockende Globalisierung

Die Gründe für die Störung globaler Transport- und Herstellungsketten

Am

Ende März 2021 stellte sich eines der weltgrößten Containerschiffe im Suezkanal quer. Auf beiden Seiten einer der global wichtigsten Wasserstraßen bildete sich ein Stau, der zuletzt 422 Schiffe umfasste. Ungezählte weitere Wasserfahrzeuge nahmen gleich den längeren Weg um Afrika herum – die Weltwirtschaft kostete dies pro Tag geschätzt mehr als neun Milliarden Dollar. Das zeigt, wie störungsanfällig unsere globalen Transport- und Herstellungsketten sind. Doch was genau sorgt für diese Anfälligkeiten?

Die störungsanfälligsten Branchen

Selbst als Entscheider sind Sie natürlich ebenso ein Verbraucher. Als solcher haben Sie sich vielleicht in jüngster Vergangenheit gefragt, wie es in der heutigen Zeit in einem westlichen Land sein kann, dass ein so grundlegendes Lebensmittel wie Speiseöl in vielen Geschäften selbst gegen gutes Geld nicht zu bekommen ist.

Der Grund dafür ist direkt mit der Globalisierung verknüpft: Die Ukraine ist für Europa einer der wichtigsten Lieferanten für Sonnenblumen und Raps – und somit die Grundlage für die hier meistverwendeten Speiseöle. Durch den russischen Angriff kam es bei uns erst zu Hamsterkäufen, welche die Bestände reduzierten. Im weiteren Jahresverlauf wurde und wird dann die Produktion gestört. Raps und Sonnenblumen werden in der Ukraine ausgerechnet in den besonders stark umkämpften südlichen und östlichen Regionen angebaut – wobei die Lage bei Raps etwas weniger dramatisch ist.

An diesem Krieg und einem einzigen Handelsgut können sie bereits erkennen, wie leicht gleich mehrere Länder und Wirtschaftszweige merklich gestört werden können. In diesem Fall, weil die Rohstoffproduktion durch militärische Handlungen unmöglich wird. Allerdings sind Raps und Sonnenblumen – global betrachtet – keine wirklich störungsanfälligen Branchen. Deutlich herausfordernder sind andere Bereiche:

1. Metall und hier insbesondere Stahl

Die nötigen Rohstoffe (nicht nur die Grundmaterialien, sondern zudem Legierungsmaterialien) werden in nur wenigen Ländern gefördert. Gleichsam ist China der mit Abstand wichtigste Hersteller und versucht generell, ein Weltmonopol aufzubauen. Überdies existieren hier sehr stark aufgesplittete Lieferketten. Besonders während der Pandemie zeigte sich die Anfälligkeit dieser Branche in aller Deutlichkeit.

2. Silizium und somit Halbleiter

Ersteres ist unverzichtbar für die Halbleiterherstellung, letzteres ist der unverzichtbare Kern sämtlicher Elektronikbauteile. Jedoch hat erneut China bei der Förderung ein Quasi-Monopol gegenüber den wenigen anderen Quellenländern – selbst, wenn die eigentliche Halbleiterfertigung sich auf mehrere Nationen verteilt.

3. Fahrzeug- und Maschinenherstellung

Fahrzeuge und Maschinen bestehen aus verschiedensten Teilen, die oft aus buchstäblich globalen Quellen stammen. Wird nur eine davon gestört, liegt rasch die Fertigung still – so zu sehen etwa zu Beginn der Chipkrise.

4. Landwirtschaft

Sie vertraut nicht nur zu einem hohen Maß auf fossile Kraftstoffe, sondern benötigt im heutigen Ausmaß gigantische Mengen an Kunstdünger. Dieser wiederum wird in chemischen Verfahren zu einem erheblichen Teil aus Erdgas hergestellt. Dadurch ergibt sich wieder eine Abhängigkeit von einigen wenigen Ländern.

5. Lithium

Unverzichtbar für die Herstellung von Akkumulatoren, jedoch weltweit generell eher limitiert und zudem (aktuell) nur in wenigen Ländern verfügbar.

Zwar sind dies besonders anfällige Branchen. Prinzipiell allerdings hat die Globalisierung – so viele Vorteile sie auch hat – die Resilienz beinahe jeder Branche, jedes Produkts zu einem mehr oder weniger hohen Grad reduziert; zumindest verglichen mit prä-globalisierten Zeiten bis zirka zum Ende der 1980er.

Das Problem ist dabei inhärent: Wenn sich Förderungs-, Produktions-, Recycling- und Transportketten über den ganzen Globus spannen und zudem vieles nur in einigen wenigen Orten hergestellt wird, dann ist diese Kette automatisch weniger belastbar. Und das auf verschiedenste Weisen.

Gibt es eine Lösung hierfür? Wohl kaum. Solange Rohstoffe, Know-How, Ideologien oder selbst Löhne in den Staaten unterschiedlich verteilt sind, werden Branchen störungsanfällig bleiben.

Globalisierte Welt, regionale Politik

Warum werden gut und gerne 90 Prozent des globalen Warentransports über See abgewickelt? Ein wenig beachteter Grund ist die Unabhängigkeit von Grenzen. Es gibt nur wenige Binnenstaaten auf der Welt (= ohne Direktzugang zu Ozeanen). Rechnet man Wasserstraßen hinzu, die für größere Güterschiffe fahrbar sind, sind es noch weniger. Durch Seetransport ist es deshalb möglich, direkten Handel zwischen zwei Staaten zu betreiben.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise zeigt sich immer wieder, seit die Globalisierung Fahrt aufgenommen hat. Der Welthandel mag alle Länder umspannen. Es mag außerdem verschiedenste Bündnisse, Handelsorganisationen und Ähnliches geben. Dennoch existieren laut UNO 195 Staaten auf der Erde – und praktisch alle haben zu einem mehr oder weniger großen Grad kollidierende Interessen.

Je mehr Nationen am Weg einer Ware beteiligt sind, desto leichter können die Ketten gestört werden. Übrigens muss dies nicht nur mit handfesten politischen Krisen oder gar Kriegen zu begründen sein. Bereits das Klein-Klein zollrechtlicher Bestimmungen sorgt immer wieder für kleinere Störungen.

Hierbei schließt sich der Kreis zum Überseehandel: Dabei lässt sich wenigstens der direkte Weg zwischen zwei Staaten einschlagen. Bereits beim Flugverkehr mit seinen Überflugrechten kann dies erschwert werden, auf dem Landweg sowieso – mit den Post-Brexit-Querelen auf den britischen Inseln als europäisches Paradebeispiel.

Gibt es eine Lösung hierfür? Leider nein. Die Welt wird auf absehbare Zeit in viele unterschiedliche Staaten mit eigenen Interessen unterteilt bleiben. Zwar gibt es zahllose Bestrebungen, wenigstens Handels- und Produktionshürden abzubauen. Diese können jedoch bereits durch eine staatliche Handlung oder Unstimmigkeit wieder gehemmt werden – aktuell bei den mannigfaltigen Sanktionen gegen Russland zu sehen.

Das Prinzip Just-in-Time

Nicht nur Zeit ist Geld, sondern ebenso Lagerraum. Denn letztlich ist selbst jede einzelne eingelagerte Unterlegscheibe so lange totes Kapital, bis sie eingesetzt werden kann; von teureren Gütern völlig zu schweigen. Zwar ist Just-in-Time nicht gleichbedeutend mit Globalisierung. Wohl aber setzt ein ganz erheblicher Teil einer globalisierten Welt auf diese Philosophie.

In guten Zeiten ist dies fraglos eine völlig korrekte Entscheidung: Produkte werden erst gefertigt, wenn sie bestellt werden und treffen erst in dem Moment ein, in dem sie benötigt werden – sogar oft vom LKW direkt auf die Produktionsbänder verladen.

Das Problem hieran:

  1.  Besonders in einer globalisierten Welt gibt es für komplexe Produkte oft verschiedenste Lieferketten ihrer einzelnen Bestandteile. Das erhöht generell die Anfälligkeit.
  2. Es genügt bereits ein Stau, ein Hafenarbeiterstreik und ähnlich begrenzte lokale Störungen, um eine ganze Produktion lahmzulegen – teils auf der anderen Seite des Erdballes.

Der eingangs erwähnte Suezkanal-Stau zeigte dies in aller Deutlichkeit, da die meisten der Schiffe in irgendeiner Weise zeitkritische Güter geladen hatten. Die sowieso durch Corona durcheinandergewirbelte Wirtschaft (insbesondere in Europa) spürte die Nachwirkungen dieses anderthalbwöchigen Staus noch Monate später.

Gibt es eine Lösung hierfür? Teilweise. Durch umfassendere Kontrolle lassen sich Just-in-Time-Ketten zwar etwas resilienter machen. Insgesamt bleibt das System jedoch störungsanfällig:

Klimakrise, Wetter und andere Naturphänomene

Warum siedeln sich Unternehmen in Texas an? Neben der wirtschaftsfreundlichen Politik ist es vor allem das relativ gleichbleibende Klima, das viele Unternehmen hierhin zieht.

Sie können sich vielleicht den Schreck vorstellen, der im Februar 2021 die Betreiber solcher Unternehmen ergriff, als dieser klimatisch sicher geglaubte Staat von einer beinahe ungekannten Kältewelle heimgesucht wurde. Die Folge: Stromnetze zerbrachen, unter anderem gleich mehrere Halbleiterfabriken in Austin fielen nicht nur aus, sondern wurden unkontrolliert abgeschaltet. Dadurch wurden Anlagen beschädigt. Ein wichtiger Teilgrund für die Chipkrise.
Derartiges ist in Zeiten der Klimakrise leider keine Singularität mehr. Extremwetter – egal welcher Art – werden dadurch zunehmen und tun es bereits. Diese Tatsache fügt den globalen Ketten einen besonders schlecht abschätzbaren Risikofaktor hinzu: Länder oder Regionen, die besonders anfällig sind für Erdbeben oder Vulkanismus, lassen sich ebenso meiden wie hochwassergefährdete Gebiete.

Extremwetter hingegen können überall auftreten und lassen sich nicht mit letzter Sicherheit vorhersagen. Es ist lediglich möglich, den Kreis unsicherer Gebiete zu vergrößern, um beispielsweise nicht nur gegen herkömmliche Hochwasserpegel gewappnet zu sein, sondern solchen infolge eines „Jahrtausendhochwassers“.

Gibt es eine Lösung hierfür? Keine vollumfänglich befriedigende. Solange der Klimawandel nicht effektiv angehalten und umgekehrt wird, steigt die Gefahr von Extremwetterereignissen weiterhin. Schlimmer noch: Derartige Wetterphänomene können nicht nur für sich störend wirken, sondern sich auf viele andere Anfälligkeiten aus diesem Text verstärkend auswirken. Denken Sie an eine Hitzeperiode, die Straßen zerstört und Kraftwerke ohne genügend Wasser zurücklässt, wodurch fernab ebenfalls Störungen auftreten können.

Steigende Komplexität, steigende Anfälligkeit

Warum konnte die globale Chipkrise die Autofertigung so stark beeinflussen? Hauptsächlich deshalb, weil allein in heutigen PKW je nach Klasse zwischen 50 und 100 Halbleiterchips stecken, etwa in Sensoren und Steuergeräten. Frühere PKW bestanden aus deutlich weniger Teilen. Selbst unter komplett gleichen Vorzeichen hätte deshalb die Krise die Fahrzeugproduktion, beispielsweise in den 1990ern, deutlich weniger getroffen.

Der Grund für die Anfälligkeit ist hier eine „Verkettung unglücklicher Ereignisse“, wenn Sie es so nennen möchten:

  1. Die Hersteller vieler Produkte müssen beständig wachsen und Gewinne einfahren;
  2. dazu müssen sie ihre Waren immer wieder optimieren, sich neu erfinden;
  3. viele Produkte werden deshalb immer ausgefeilter, leistungsfähiger und vielfältiger;
  4. das sorgt zwar für ein ständig hohes Kundeninteresse, macht die Produkte aber automatisch ebenso komplexer und somit fehleranfälliger.

Wir haben Ihnen hier mit Absicht nur das Thema Waren/Produkte skizziert. Tatsächlich verhält es sich aber beinahe 1:1 ebenso mit den globalen Herstellungs- und Lieferketten. Bloß steht hier oft nicht so sehr die Produktoptimierung im Vordergrund als vielmehr eine Kostenoptimierung – es kommt jedoch auf das Gleiche hinaus: Wenn die Komplexität steigt, steigt automatisch die Anfälligkeit, da hierbei eine nichtlineare Verbindung zwischen den Elementen besteht.

Denken Sie hierbei an das bekannte Beispiel des Bäckers: Der Dorfbäcker, der nur wenige Sorten Brot anbietet und die Zutaten dafür lokal bezieht, ist automatisch weniger anfällig als ein Großbackbetrieb, der verschiedenste Produkte offeriert und entsprechend zahlreiche und unterschiedliche Zutaten benötigt.

Gibt es eine Lösung hierfür? Keine, die Unternehmen gänzlich allein kontrollieren könnten. Eine Lösung hierfür gäbe es nur, wenn sich Kundendenken und fundamentale marktwirtschaftliche Prinzipien wandeln würden. Davon ist jedoch in absehbarer Zeit nicht auszugehen.

Der Drang zu finanzieller Maximaloptimierung

Vor einigen Jahren berechneten gleich mehrere Untersuchungen, was ein komplett in den USA mit lokalen Komponenten und Rohstoffen gefertigtes iPhone kosten würde. Die Rechnung war äußerst ernüchternd: Kosteten die herkömmlich gefertigten Einzelteile damals 190 Dollar, wären es bei einem „All-American-iPhone“ zirka 600 gewesen. Der Verkaufspreis für das damalige iPhone 5 (real 650 bis 850 Dollar) wäre dementsprechend auf über 2.000 angestiegen.

Dieses Beispiel vermittelt eindrucksvoll, wie sehr jede einzelne Herstellungs- und Absatzkette heute auf eine deutlich betonte Form preislicher Optimierung ist – teilweise optimiert sein muss. Hier spielen zwischen Shareholder Value und Kundenwünschen verschiedenste Faktoren eine Rolle. Unterm Strich steht jedoch der Weg einer von manchen Experten als „extrem“ angesehenen Form der Gewinnoptimierung.

Letzten Endes war unter anderem der Wunsch nach verringerten Produktionskosten (und somit unter anderem höheren Gewinnmargen) einer der wichtigsten Triebmotoren hinter der entstehenden Globalisierung:

Gibt es eine Lösung hierfür? Erneut keine, die nicht an den Grundfesten einer liberalen Marktwirtschaft ohne größere staatliche Einmischungen rütteln würde. Gewinne zu erwirtschaften und zu wachsen sind zwei der wichtigsten fundamentalen Prinzipien eines jeden wirtschaftlich agierenden Unternehmens.

Allerdings müssen Sie hier durchaus unterscheiden. Vor allem in jüngerer Vergangenheit, seitdem das Thema „Grenzen des Wachstums“ stärker diskutiert wird, haben viele Unternehmen einen rein gewinnorientierten Weg verlassen. Zwar wird es zukünftig weiterhin um Gewinnoptimierung gehen, höchstwahrscheinlich jedoch nicht „um jeden Preis“ – ein Kernpunkt innerhalb einer insgesamt nachhaltigeren Unternehmensführung.

Eine äußerst ungleiche Rohstoffverteilung

Sie konnten es bereits im ersten Kapitel dieses Textes beim Thema Silizium lesen: China ist bei diesem für so zahlreiche Anwendungen wichtigen Rohstoff ein Quasi-Weltmonopolist. 2021 verteilten sich die globalen Produktionsmengen folgendermaßen:

  • China 6.000.000 Tonnen
  • Russland 580.000 Tonnen
  • Brasilien 390.000 Tonnen
  • Norwegen 350.000 Tonnen
  • USA 310.000 Tonnen

Von den weltweit produzierten 8,5 Millionen Tonnen entfielen somit auf China ungefähr 70,5 Prozent und somit mehr als bei allen anderen produzierenden Nationen zusammengenommen.

Was Rohstoffe anbelangt, haben wir es dabei allerdings ganz klar nicht mit einer singulär der Globalisierung geschuldeten Herausforderung zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein Phänomen, das den Menschen seit Anbeginn der Geschichte begleitet. Etwa Eisen. Vor über 5.000 Jahren hatten die Ägypter auf derartige Produkte ein „Weltmonopol“, weil es in ihrem Einflussbereich viele eisenhaltige Meteoritengesteine an der Erdoberfläche gab. Wohingegen Eisenoxid in anderen Weltregionen in für damalige Verhältnisse oft unerreichbaren Tiefen lag.

Der Planet Erde ist in sich ein äußerst heterogen aufgebauter Planet. Der Erdkern mag in Gänze aus geschmolzenem Eisen und Nickel bestehen. Was jedoch die für die Rohstoffförderung relevante, und nur 35 Kilometer mächtige, „obere Schicht“ der Erdkruste anbelangt, haben wir es mit gleich zwei hochdynamischen Herausforderungen zu tun:

  1. Generell ist der Anteil von Rohstoffen in den Erdregionen, vor allem durch die Plattentektonik, ungleich verteilt. Zusammen mit der Einteilung des Planeten in politische Gebilde entstehen hieraus verschiedene Konstellationen, in denen einige Nationen sehr viel, andere gar nichts haben.
  2. Es wird bei vielen Rohstoffen immer schwieriger, sie abzubauen, da vielfach alle leicht erreichbaren Reserven bereits abgebaut wurden. Denken Sie beispielsweise an Erdöl: Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprudelte es teilweise von selbst an die Erdoberfläche, wohingegen die heutige Förderung teils hochkomplexe technische Herangehensweisen erfordert. Diese Erschwernis verhindert je nach Rohstoff einen Abbau in Eigenregie durch die besitzenden Länder. Etwa, weil diese nicht weit genug entwickelt sind oder es Patente auf Spezialtechniken gibt. Das erzeugt neue politische Herausforderungen, da (teil)staatliche Koalitionen erforderlich sind.

Beide Positionen stellen eine enorme Schwierigkeit für die heutige und noch stärker zukünftige Wirtschaft dar. Denn sowohl im Interesse demokratischer Nationen als auch einer freien Marktwirtschaft wäre das Vermeiden von Monopolen. Dies steht jedoch dem Wunsch vieler Firmen und Staaten entgegen.

Gibt es eine Lösung hierfür? Was die grundsätzlich ungleiche Rohstoffverteilung der Erde anbelangt, keine in absehbarer Zeit. Erneut wird sich keine Lösung finden lassen, solange die Welt weiterhin in einzelne Nationen unterteilt ist.

Allerdings gibt es zumindest bei denjenigen Rohstoffen eine Lösung, die bereits gefördert wurden: Durch Recycling-Ketten können hier Nationen partizipieren, die selbst aus verschiedenen Gründen nicht selbst fördern können. Zwar ist dies keine Lösung für sämtliche Rohstoffe, zudem nur für hochtechnisierte Nationen beherrschbar.

Langfristig dürfte dies jedoch speziell bei raren und/oder starker Monopolbildung unterliegenden Rohstoffen eine bedeutende Alternative werden – der heutige Umgang mit vielen Metallen macht es bereits vor. Stahl etwa wird zu beinahe hundert Prozent recycelt.

Schönwetterdenken oder: Es wird nichts passieren, weil nichts passieren darf

Es mag zwar in vielerlei Hinsicht stark übertrieben sein, zu behaupten, moderne Unternehmen würden nur noch kurzfristig und auf Sicht agieren. Wohl aber lässt es sich kaum von der Hand weisen, dass in der Tat eine Reihe von Betrieben ihren gesamten Prozess zu sehr auf der Grundannahme ständig optimaler Bedingungen aufbauen.

Das heißt, derartige Firmen können nur dann optimal und vielfach sogar überhaupt kostendeckend arbeiten, wenn alle Umfeldfaktoren perfekt funktionieren. Eine einzige Störung in der Kette kann dieses empfindliche System bereits aus dem Takt bringen. Größere Zerwürfnisse bedeuten dann rasch den Untergang.

Der Grund dafür liegt häufig in einem zu starken Fokus auf kurzfristige Umsätze und Gewinne. Es werden keine ausreichenden und rasch verfügbaren Rücklagen gebildet. Alles wird sofort ausgeschüttet oder reinvestiert. Diesbezüglich war die Pandemie mit ihren weitreichenden Regularien tatsächlich ein überdeutlicher Filter. In Zeiten, in denen manche Betriebe gar nicht öffnen konnten, mit Problemen in Lieferketten zu kämpfen hatten, da zeigte sich vielerorts, wessen Unternehmen nicht nur für „sonnige Zeiten“ konzipiert war.

Gibt es eine Lösung hierfür? Absolut. Und zwar eine, die im Gegensatz zu den meisten anderen Punkten dieses Textes jedes Unternehmen weitgehend selbst in der Hand hat. Wenn Sie als Unternehmer etwas aus diesem Kapitel mitnehmen möchten, dann vor allem das: Gewinne und Investitionen für das Wachstum sind elementar wichtig, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Das sollte jedoch niemals zulasten einer langfristigen Sicherheit gehen.

Das bedeutet sicherlich nicht, sämtliche Gewinne für schlechte Zeiten wegzulegen. Wohl aber sollte es bedeuten, das Unternehmen mit genügend Reserven auszustatten, um selbst längerfristige Dürrephasen durchstehen zu können – selbst wenn es ein wenig zulasten des kurzfristigen Wachstums gehen mag.

Die Globalisierung hat aus verschiedenen Gründen das Wirtschaften insgesamt anfälliger für Störungen gemacht. Es wäre dementsprechend unternehmerisch geradezu töricht, wenigstens aber ignorant, sich nicht auf solche unvorhersagbaren Störungen ebenso vorzubereiten wie auf einen Pitch.

Zusammenfassung und Fazit

Egal, ob es eine Chipkrise ist, die schon seit Pandemiebeginn die Weltwirtschaft beutelt, ob es regionale Krisen sind oder internationale Streitigkeiten: So leistungsfähig die heutigen Produktions- und Lieferketten durch ihre globalisierte Natur sind, so wenig sind sie in der Lage, dieselbe Robustheit zu liefern, die noch bis zum Ende der 1980er Jahre auf der Welt gang und gäbe war. Längst nicht alles davon lässt sich durch Sie als Unternehmer justieren, da wir hier von deutlich größeren, geradezu globalen Maßstäben sprechen.

Wohl aber können Sie in Ihrem Haus optimieren, können Resilienz stärken und Anfälligkeiten ihrer Ketten minimieren. Allerdings benötigt dies zunächst Einsichtsprozesse, dass eine ständige Kostenoptimierung immer nur eine Abwärtsspirale sein kann – spätestens, wenn es durch äußere Umstände einmal nicht so optimal läuft.

Bildnachweis: ©Depositphotos.com

Über den Autor

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal", "Mittelstand" und "Karriere". Zuvor hat sie mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet und ist heute noch u.a. im PR-Bereich tätig.
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