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Warum der Schutz von Vorständen für Unternehmen immer wichtiger wird
Wirtschaftsschutz

Warum der Schutz von Vorständen für Unternehmen immer wichtiger wird

Porträtfoto von Markus Weidenauer, Geschäftsführer der SecCon Group
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Werkschutz, Zugangskontrollen und IT-Sicherheit – so sahen die Schutzkonzepte deutscher Unternehmen lange aus. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Sicherheitslage grundlegend verändert. Neben den Organisationen selbst sind zunehmend auch Menschen in verantwortlichen Positionen gefährdet. Entsprechend rücken heute zunehmend Konzepte in den Fokus, die auf hybride Bedrohungen ausgerichtet sind und Vorstände sowie Geschäftsführer zum Teil der Risikobetrachtung von Unternehmen machen.

Am 18.03.2026 veröffentlichte das Bundesministerium des Innern im Rahmen der 19. Sicherheitstagung des Bundesamts für Verfassungsschutz und des Bundesverbandes für Sicherheit in der Wirtschaft eine neue nationale Wirtschaftsschutzstrategie.

Erstmals wurde dabei der Begriff „Wirtschaftsschutz“ auf Bundesebene klar definiert als die „staatlich unterstützte Stärkung der Fähigkeit deutscher Unternehmen, die Resilienz ihrer Wertschöpfungs- und Lieferketten sowie den Schutz von Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsaktivitäten gegenüber sicherheitsbezogenen physischen, digitalen und hybriden Bedrohungen wirksam zu erhöhen, insbesondere vor Wirtschaftsspionage und Wirtschaftssabotage“.¹

Hintergrund dessen ist eine wachsende sicherheitspolitische Sorge über gezielte Attacken auf hiesige Unternehmen. Als besonders betroffen gelten Unternehmen aus Branchen wie Verteidigung und Industrie sowie international sichtbare Konzerne. Für sie ist das 17-seitige Papier nicht nur eine auffällig ausdrückliche Warnung von einer staatlichen Stelle vor physischen, digitalen und hybriden Bedrohungen. Die Bundesregierung betont zugleich die Eigenverantwortung der Wirtschaft. Das gilt vor allem auch für den Schutz exponierter Personen.

Staatliche Hilfe hat Grenzen

In der Praxis zeigt sich, dass bei vielen Unternehmen die fälschliche Ansicht vorherrscht, dass sie sich im Notfall auf den Staat verlassen können. Zwar bauen die Sicherheitsbehörden ihre Fähigkeiten im Bereich Wirtschaftsschutz kontinuierlich aus, jedoch sind sie strukturell nicht darauf ausgerichtet, jede Gefährdungslage im Unternehmensumfeld unmittelbar abzusichern.

Der Staat erwartet von Unternehmen sogar, dass sie eigene Resilienzstrukturen aufbauen und Risiken frühzeitig erkennen.² Dazu muss Sicherheit als Managementaufgabe endlich ganzheitlich gedacht werden und einen All-Gefahren-Ansatz verfolgen, der Infrastruktur, Prozesse und Menschen gleichermaßen berücksichtigt.

Führungskräfte als Risikofaktor

Bisher werden exponierte Führungskräfte zwar vereinzelt in Sicherheitsfragen geschult, in der Corporate Security werden sie aber längst nicht überall als eigenständiger Risikofaktor mit spezifischen Bedrohungsprofilen betrachtet.

Hinzu kommt, dass in vielen Unternehmen Verantwortung für Sicherheit fragmentiert ist. Diese Fragmentierung für Sicherheit sind folgendermaßen aus:

  • IT-Security schützt Systeme,
  • Corporate Security sichert Standorte,
  • HR verantwortet Schulungen,
  • Compliance prüft Prozesse.

So entsteht eine strukturelle Lücke, die in der Praxis genauso oft unterschätzt wird wie die Verschmelzung von privater und beruflicher Sphäre.

Heimnetzwerke, private Geräte, Cloud-Accounts, Reisegewohnheiten oder Familienangehörige werden aber mittlerweile gezielt in Angriffsszenarien integriert. Hier braucht es einen Paradigmenwechsel. Die Frage darf nicht mehr lauten, ob Personen mit wirtschaftlicher Verantwortung in der Organisation Ziel von Bedrohungen werden können, sondern wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind. Sicherheit wird damit immer mehr zum Teil strategischer Unternehmensführung.

Fazit: Ganzheitliche Schutzkonzepte


Neben dem beruflichen Alltag erhöhen Geschäftsreisen in politisch instabile Regionen sowie die öffentliche Sichtbarkeit von Führungskräften oder die Einbindung in sicherheitsrelevante Lieferketten die Anforderungen an moderne Schutzkonzepte erheblich. Deshalb gilt: Die klassische Trennung von Unternehmenssicherheit, Krisenmanagement und persönlicher Sicherheit von Führungskräften verliert weiter an Bedeutung.

Gefragt sind ganzheitliche Konzepte, die alle Risikobereiche zusammenführen. Denn die Bedrohungen der Gegenwart und der Zukunft richten sich nicht nur gegen Unternehmen. Sie richten sich vermehrt gegen die Menschen, die sie führen.

¹ Nationale Wirtschaftsschutzstrategie der Bundesregierung. Niedersächsisches Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung  – Verfassungsschutz.
² „Abwehrbereit. Deutschlands Wirtschaft in Zeiten hybrider Angriffe“. Bundesamt für Verfassungsschutz. 19.03.2026.

Bildnachweis: Depositphotos.com/IgorVetushko

Über den Autor

Porträtfoto von Markus Weidenauer, Geschäftsführer der SecCon Group

Markus Weidenauer Markus Weidenauer ist Geschäftsführer der SecCon Group GmbH mit Sitz in Unterschleißheim und ist seit fast 30 Jahren in der Sicherheitsbranche tätig. Das Unternehmen bietet operative, spezialisierte Leistungen für hochsensible Infrastrukturen und exponierte Personen. Zum Leistungsspektrum gehören zudem Risiko- und Schwachstellenanalysen, Sicherheitskonzepte und die Implementierung sicherheitsrelevanter Maßnahmen – auch in Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Akteuren. Das auf KRITIS-Schutzkonzepte spezialisierte Unternehmen ist zudem Mitglied im Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI). www.seccon-group.de/de/
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