Karriere

Wie Sie mit Hilfe Ihrer inneren Stimme bessere Entscheidungen fällen

Dienstagnachmittag, 14.15 Uhr. Sie sitzen im Büro. Seit Wochen schieben Sie diesen Projektbericht vor sich her, den Sie für Ihren Chef schreiben sollen. Ihre innere Stimmen meldet sich: „Ran an die Tasten! Am Freitag ist Abgabetermin!“, kommt von der einen Seite. Sofort wird die Gegenseite laut: „Ach, bis Freitag ist noch Zeit. Lass uns lieber erst mal die Kundenakten sortieren.“ Situationen wie diese gibt es im Berufsleben viele. Wir stehen in ständigem Austausch mit unseren kleinen Engelchen und Teufelchen: „Morgen kann ich den Kunden auch noch anrufen, so eilig kann das mit dem Ersatzteil jetzt auch nicht sein“, „Noch sechzig Mails zu bearbeiten, das kann ich morgen auch noch machen“. Wer kennt das nicht? Diese innere Stimme erklingt nicht nur im Arbeitsleben. Auch im Privaten ist sie überall hörbar. Joggen – oder doch lieber fernsehen auf der Couch?: „Der Tag war so anstrengend, gönn Dir mal etwas Ruhe!“ Mal was Neues wagen und umziehen – oder doch lieber bequem da wohnen bleiben, wo man schon immer war?: „Hier weißt Du wenigstens, was Du hast.“ Dem lärmenden Nachbar endlich mal die Meinung sagen – oder doch lieber nur nett grüßen und dem Konflikt aus dem Weg gehen?: „Wenn er nächstes Mal laut ist, können wir ja immer noch hinüber gehen.“

Die innere Stimme besteht aus mehreren Stimmen

Unsere innere Stimmen ist immer dabei, ob wir es wollen oder nicht. Sie ist das Abbild unseres Innenlebens, mit all seinen Eigenheiten und Widersprüchen. Bei genauerem Hinschauen erkennt man mehrere Stimmen: Es gibt den Aufschieber und den Anpacker, den Tachelesredner und den Schönreder, den Egoisten und den Selbstlosen: Sie alle sind Teil von uns und erheben ihre Stimme mal mehr, mal weniger laut. Sie sagen, dass wir uns uns mehr anstrengen oder beeilen sollen, dass wir zu viel essen, zu wenig Sport treiben oder überarbeitet aussehen. Sie erklären, warum wir etwas aufschieben oder besser sein lassen sollten, locken uns zur Schublade mit den Süßigkeiten, machen uns Angst, nörgeln an uns herum. Oder aber sie versuchen, uns zu beruhigen und Mut zu machen.

Das klingt erst mal komisch. Tatsächlich aber bilden die verschiedenen Stimmen unsere Persönlichkeitsteile ab, die oft unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie lassen unser Inneres deutlich chaotischer aussehen, als man es von außen vermuten würde. Insbesondere beim Grübeln über Entscheidungen hören wir Stimmen wie: „Mach es jetzt einfach mal. Wer weiß, wann es wieder so eine Gelegenheit gibt!“ oder „Ach nein, lass es lieber! Das ist zu riskant!“.

Die innere Stimme nicht zum Grübeln nutzen

Wenn wir solche gegensätzlichen Meinungen hören, passiert es leicht, dass wir darüber grübeln, welcher der Stimmen wir Recht geben sollen. Dann sitzen wir da und wälzen unsere Gedanken hin- und her, anstatt zu handeln. Und das hilft meistens gar nichts. Menschen, die viel grübeln, messen gerade Kleinigkeiten eine große Bedeutung bei. Sie richten ihren Fokus zu oft auf Problemsignale, anstatt über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken. Und das stresst, führt zu Anspannungen und negativen Emotionen im Alltag.

Natürlich ist es an sich keine schlechte Sache, Situationen und Möglichkeiten sorgfältig abzuwägen. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Denken und dem Grübeln. Beim Grübeln drehen wir uns mit unseren Gedanken im Kreis, anstatt Lösungen zu entwickeln und haben auch oft die Negativ-Brille auf. Grübelei gleicht einem Gedankenkorsett, das einem die Luft nimmt und die gedankliche Bewegungsfreiheit stark einengt. Beim Denken hingegen suchen wir konstruktiv und gezielt nach verschiedenen Lösungen, die zu einer Handlung führen.

Mit der inneren Stimme Lösungen finden

Und dennoch gilt auch für das Denken: Es bringt nichts, ewig über den Ist-Zustand nachzudenken, ihn zu drehen und zu wenden, von allen Seiten zu durchleuchten und über seine Problembeladenheit nachzudenken. Es ist viel besser, darüber nachzudenken, was man ANDERS machen könnte, damit der IST-Zustand sich verändert. Die wichtige Frage ist nicht, weshalb man sich fühlt, wie man sich fühlt. Die Frage ist: Was kann ich tun, damit ich mich anders fühle und Lösungen für meine Probleme und Sorgen finde? Wer so denkt, entkommt seiner Grübelfalle und lässt das Problem zugunsten einer neuen Lösung hinter sich. Wer der Grübelfalle entkommen möchte, muss zu einem bewussten und wertschätzenden Umgang mit seiner inneren Stimme finden. Sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Persönlichkeit. Wenn wir es schaffen, zwischen den widerstreitenden inneren Meinungen zu moderieren, bieten sich die besten Lösungen für die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags.

Die innere Stimme beinhaltet verschiedene Meinungen

Deshalb ist ein wacher Umgang mit den vielen unterschiedlichen Meinungen wichtig. Denn zumeist hat jede Wortmeldung ihre Berechtigung. Der Faulenzer sorgt dafür, dass wir uns nicht total auspowern. Der Antreiber gibt den manchmal notwendigen Motivationskick. Der Beschwichtiger hält uns aus unnötigen Konflikten heraus. Und der Streitlustige versorgt uns mit dem nötigen Adrenalin, wenn es drauf ankommt. Jede der inneren Meinungen hat ihren Wert und deshalb ist es nur berechtigt, diese inneren Meinungen zuzulassen. Denn wenn wir sie mit Nichtbeachtung strafen oder gar bekämpfen, lassen wir einen Teil von uns links liegen. Und das rächt sich in aller Regel nach einiger Zeit. Deshalb gilt: Hören Sie auf sich selbst. Identifizieren Sie Ihre inneren Meinungen oder Stimmen. Geben Sie ihnen Namen, erkennen Sie, welches innere Bedürfnis hinter dem jeweiligen Antreiber steckt. Welche gute Absicht verfolgt die jeweilige Stimme? Was will sie für Sie sicherstellen, wovor will sie Sie beschützen? Wägen Sie ab – und dann entscheiden Sie sich. Denn nur wer entscheidet, bewegt sich!

Leben bedeutet verändern, sortieren, hinzufügen und loslassen. Mit Hilfe Ihrer verschiedenen inneren Persönlichkeitsteile können Sie entscheiden, wie Sie auf die unterschiedlichen Situationen und Herausforderungen in Ihrem Leben reagieren. Sie haben die Wahl: Auf welche der Meinungen hören Sie und welche von ihnen hilft Ihnen weiter? Befreien Sie sich aus der Grübelfalle!

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Nicola Fritze

Über den Autor Nicola Fritze

Nicola Fritze ist Deutschlands Motivationsfrau. In ihrem neuen Buch „Raus aus der Grübelfalle. Wie Sie Ihre Denkgewohnheiten ändern und Ihre Persönlichkeit gezielt weiter entwickeln“ wirft die 5 Sterne Rednerin einen amüsanten Blick auf unser vielstimmiges Innenleben. Mehr über Nicola Fritze erfahren Sie unter www.nicola-fritze.info

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