PR-Branche setzt auf Sponsored Content und beklagt geringes Vertrauen in die eigene Profession
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PR-Branche setzt auf Sponsored Content und beklagt geringes Vertrauen in die eigene Profession

Von Onpulson Redaktion
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Sponsored Content gewinnt in der PR-Branche immer mehr an Beliebtheit. Dennoch: die Öffentlichkeit und auch die eigenen Auftraggeber sind der PR-Profession gegenüber eher skeptisch, so die befragten Kommunikatoren. Die konkrete Zusammenarbeit auf der persönliche Ebene ist dagegen - auch bei Journalisten, Influencern und Bloggern - mehrheitlich von großem Vertrauen gekennzeichnet.

Diese Ergebnisse beruhen auf dem European Communication Monitor 2019, der weltweit größten Studie zum Status Quo der Kommunikations- und PR-Branche. „In Deutschland spielt Paid Media, also bezahlte Kommunikation, immer noch eine größere Rolle als in den meisten Nachbarländern. Die Multiplikatorenarbeit im Sinne von Earned Media hat in Frankreich, Großbritannien und Spanien, um nur einige Länder zu nennen, in den letzten drei Jahren stärker an Bedeutung gewonnen“, sagt Thomas Leitner zu Sponsored Content. Er ist Vice President Cision D/A/CH, die die Studie als Partner unterstützt haben. „Was im Einzelfall der richtige Weg ist, lässt sich nur sagen, wenn man die Resonanz mit einheitlichen Kennzahlen und durchgängigen Methoden evaluiert. Dafür brauchen wir neue Softwarelösungen, die Kommunikation integriert und medienübergreifend erfassen.“

„Erstaunlich ist, dass es beim Thema Künstliche Intelligenz unerwartete Unterschiede zwischen jungen und älteren Kommunikationsverantwortlichen gibt“, so Michael Grupe, Vorstand von Fink & Fuchs aus Wiesbaden, die Digitalpartner der Studie sind. „Die unter 30-jährigen sehen signifikant mehr Risiken als Kollegen mit mehr Erfahrung. Sie fürchten Jobverlust, sinkende Einkommen und auch, dass die PR-Profession ihre Kernkompetenzen verliert. Insgesamt mangelt es überall an persönlicher Erfahrung; nur 13 Prozent aller Kommunikatoren nutzen bereits intelligente Assistenten auf ihrem Smartphone und intelligente Geräte im Büro oder zu Hause.“

Wie steht es um das Vertrauen in PR und professionelle Kommunikation?

In vielen Ländern nimmt das Vertrauen in die Massenmedien und den Journalismus ab. Dieser Vertrauensverlust könnte sich auch auf PR-Fachleute ausweiten, die für Unternehmen und Organisationen kommunizieren. Dabei sind Kommunikatoren in doppelter Weise auf Vertrauen angewiesen: sie benötigen die Akzeptanz von Führungskräften und Klienten, für die sie arbeiten, und das Vertrauen von Journalisten, Bloggern, Meinungsbildnern und der Öffentlichkeit als Multiplikatoren und Zielgruppen. Studienleiter Professor Ansgar Zerfaß erklärt: „Der ECM 2019 hat dieses Vertrauen erstmals für verschiedene Ebenen, Interessengruppen und Länder untersucht.“

Die Ergebnisse zeigen, dass Kommunikationsprofis derzeit nur ein geringes Vertrauen in ihre Arbeit spüren. Der PR-Profession vertrauen nach Meinung der Befragten nur zwei Drittel der Top-Führungskräfte (67 Prozent) und eine Minderheit von Influencern und Bloggern (47 Prozent), Journalisten (39 Prozent) sowie der Bevölkerung insgesamt (27 Prozent). Das wahrgenommene Vertrauen in die jeweilige Kommunikationsabteilung oder Agentur ist allerdings deutlich größer. 85 Prozent der Befragten berichten über eine positive Einstellung von Führungskräften oder Kunden ihnen gegenüber, gefolgt von 73 Prozent wahrgenommenem Vertrauen bei Journalisten, 70 Prozent bei der breiten Öffentlichkeit und 68 Prozent bei Influencern und Bloggern. Auf der persönlichen Ebene steigt der Zuspruch noch weiter. Eine überwältigende Mehrheit der befragten PR-Praktiker berichtet von einem großen Vertrauen ihrer Kollegen, Vorgesetzten und internen Kunden sowie bei externen Interessengruppen und Zielgruppen, mit denen man direkt zu tun hat.

Wer sind die besten Botschafter für ein Unternehmen?

Kommunikationsverantwortliche und PR-Profis sind nicht die einzigen, die im Namen von Organisationen sprechen. Vorstände, Geschäftsführer oder Marketing- und Vertriebsmitarbeiter und auch ganz normale Mitarbeiter sind genauso wichtig, unabhängig davon, ob sie kommunikativ gecoacht werden oder nicht. Externe Experten im jeweiligen Fachgebiet, Kunden, Unterstützer und sogar Aktivisten mit überlappenden Interessen können sich ebenfalls öffentlich äußern. Die sorgfältige Auswahl oder Motivation geeigneter Botschafter ist im Zeitalter sozialer Medien eine wichtige Aufgabe für die strategische Kommunikation.

Die befragten PR-Praktiker stufen andere Botschafter deutlich vertrauenswürdiger ein als sie selbst es sind. Ihrer Erfahrung nach sind für die Bevölkerung externe Experten am vertrauenswürdigsten (70 Prozent Zustimmung), gefolgt vom Top-Management der jeweiligen Organisation (66 Prozent) und externen Unterstützern wie Kunden, Klienten oder Fans (63 Prozent). Ganz normalen Mitarbeitern oder Mitgliedern wird ein ähnliches Maß an öffentlichem Vertrauen zugeschrieben wie Kommunikationsprofis 61 Prozent). Marketing- und Vertriebsmitarbeiter werden schlechter bewertet (43 Prozent). Das Vertrauen der Bevölkerung in externe Organisationen, wie z.B. Aktivisten, die als Fürsprecher für Organisationen auftreten, wird überraschend niedrig empfunden (31 Prozent).

Bemerkenswerte Unterschiede gibt es bei der Selbstwahrnehmung der PR-Praktiker in einzelnen Ländern: in Deutschland geht nur jeder zweite Befragte davon aus, dass normale Menschen bzw. die Bevölkerung den Kommunikations- und PR-Verantwortlichen der eigenen Organisation vertrauen (50 Prozent Zustimmung). In der Schweiz (63 Prozent) und Österreich (66 Prozent) sind es dagegen rund zwei Drittel. Das Vertrauen in Marketing- und Vertriebsmitarbeiter wird in Österreich (47 Prozent) deutlich höher eingeschätzt als in der Schweiz (40 Prozent) und in Deutschland (32 Prozent).

Können Unternehmen durch Kommunikation transparenter werden?

Das Vertrauen von Bezugsgruppen in Organisationen kann sich erhöhen, wenn diese offen und transparent sind. Transparente Kommunikation ist deshalb zum beliebten Schlagwort in der Branche geworden. Doch sie ist schwer zu erreiche. Die im ECM 2019 befragten PR-Praktiker berichten, dass Transparenz die größte Herausforderung der vertrauensbildenden Kommunikation ist.

Am schwierigsten ist es für die Befragten, transparent über die politische Haltung ihres Führungsteams (41 Prozent halten dies für schwierig) und über interne Prozesse und Arbeitsabläufe (35 Prozent) zu kommunizieren. Ein allgemeiner Transparenzindex, der sich auf zehn verschiedene Themen stützt, zeigt, dass Organisationen aus Skandinavien sowie Großbritannien und Irland es weniger schwierig finden, transparent zu sein als jene aus anderen Teilen Europas. Deutschland liegt dabei am unteren Ende.

Wie wird künstliche Intelligenz die strategische Kommunikation verändern?

Mit der Einführung der Künstlichen Intelligenz (KI) tritt die strategische Kommunikation in eine neue Phase. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die professionelle Kommunikation von Unternehmen, da Menschen durch Softwareagenten und intelligente Geräte ersetzt oder unterstützt werden können. Drei Viertel der Befragten (77 Prozent) sind der Meinung, dass die KI den Kommunikationsberuf als Ganzes verändern wird, aber ein Drittel (37 Prozent) denkt, dass dies die Art und Weise, wie man selbst arbeitet, kaum oder sehr gering beeinflussen wird. Bedenklich erscheint dabei, dass nur 15 Prozent der Praktiker mit Blick auf das abgefragte Wissen zum Thema als KI-Experten identifiziert werden konnten.

Fehlende Kompetenzen sind oftmals das Problem

Insgesamt 56 Prozent geben an, dass es für Kommunikationsabteilungen und Agenturen schwierig sein wird, die notwendigen Kompetenzen zur Nutzung von AI bei den Mitarbeitern aufzubauen. 54 Prozent glauben, dass große Hürden bei der Einführung bei strukturellen Aspekten der Organisationen liegt (Informationstechnologie, Budgets, Zuständigkeiten). Die Kompetenzfrage wird in Deutschland signifikant wichtiger eingeschätzt als in Österreich und der Schweiz. Noch deutlicher gilt dies bei der gesellschaftlichen Infrastruktur im Sinne von Highspeed-Internet oder gesetzlichen Regeln – die Lücken dort bremsen nach Ansicht der Kommunikationspraktiker die KI-Entwicklung in der deutschen Kommunikationsbranche.

Welche Rolle spielt Sponsored Content?

Seit langem sind Unternehmen, Non-Profits und andere Organisationen selbst zu Produzenten und Anbietern von Inhalten geworden und nicht mehr nur Ideengeber für Journalisten und Massenmedien. Das PESO-Konzept (Paid – Earned – Shared – Owned Media) beschreibt diesen Trend, indem es komplementäre Ansätze zur Verbreitung von Inhalten analysiert. 57 Prozent der im ECM 2019 befragten Kommunikationsverantwortlichen bestätigen die steigende Bedeutung von Earned Media. Dazu zählte in den letzten drei Jahren die Influencer-Kommunikation und Medienarbeit.

54 Prozent bestätigen das Gleiche für eigene Kanäle und Plattformen (Owned Media) und 77 Prozent für Inhalte, die von externen Unterstützern auf Social-Media-Plattformen veröffentlicht werden (Shared Media). Bei der Frage nach bezahlter Kommunikation (Paid Media) scheiden sich die Geister. 38 Prozent der Befragten berichten, dass Sponsored Content an Bedeutung gewonnen hat. 36 Prozent hingegen glauben, dass der Stellenwert gesunken ist und 26 Prozent keine Änderungen sehen.

Budgets fließen verstärkt in soziale Medien

Die Detailbetrachtung zeigt, dass Budgets insbesondere in soziale Medien fließen. Sponsored Content in Social Media, zum Beispiel bezahlte Posts auf Facebook und LinkedIn, wird europaweit von jeder zweiten Kommunikationsabteilung und Agentur genutzt (53 Prozent). In Deutschland ist Sponsored Content weniger verbreitet (45 Prozent) als in Österreich und der Schweiz (50 bzw. 51 Prozent). Anders sieht es bei bezahlten Inhalten auf den Websites von Massenmedien aus, beispielsweise auf den News-Portalen von Zeitungen. Nach Angaben der Befragten wird das in Österreich von jeder dritten Organisation genutzt (33 Prozent), während man in Deutschland (23 Prozent) und vor allem in der Schweiz (19 Prozent) an dieser Stelle deutlich zurückhaltender ist.

Know-How ist der Schlüssel zum Erfolg

Europaweit sind knapp 17 Prozent aller befragten Kommunikatoren als „Social-Media-Aktivisten“ unterwegs. Sie posten mindestens einmal täglich berufliche Inhalte unter ihrem eigenen Namen; zudem nutzen sie zwei oder mehr verschiedene Plattformen. Der Anteil ist in Kommunikationsabteilungen, die anhand verschiedener Benchmark-Kriterien in der Studie als besonders exzellent identifiziert wurden, signifikant höher. Das Gleiche gilt für die praktischen Erfahrungen der Mitarbeiter mit Künstlicher Intelligenz. Insgesamt zeigt sich, dass Wissen und Know-How der Schlüssel zum Erfolg in der sich schnell verändernden Kommunikationsbranche sind.

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Foto/Thumbnail: ©SergeyNivens/Depositphotos.com

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