Der Nutzen des Belbin Teamrollen Modells für die Six Sigma Arbeit
Qualitätsmanagement

Der Nutzen des Belbin Teamrollen Modells für die Six Sigma Arbeit

Von Dr. Markus Maier
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Die Entwicklung des Belbin Teamrollen Modells, das in den 1970er Jahren entstand und stetig weiterentwickelt und verfeinert wurde, wird für die Six Sigma Arbeit eingesetzt. Das Teamrollen Modell beruht auf Verhaltensmuster, um ein Team in seiner Zusammenarbeit voranzubringen. Wie sieht das konket aus?

Dr. R. Meredith Belbin, ein britischer Professor der Psychologie stellte in den Raum, „dass jeder von uns ein Verhaltensmuster besitzt, welches das Verhalten einer Person in Beziehung zu einer anderen Person charakterisiert, um den Fortschritt eines Teams zu erleichtern.“ Auch in der Six Sigma Projektarbeit lassen sich die Erkenntnisse von Belbin anwenden, um die Stärken der einzelnen Teammitglieder zu erkennen und optimal auf die einzelnen Projektschritte abzustimmen. Dadurch können eine größtmögliche Effizienz und Effektivität erzielt werden.

Wie die Projektbeteiligten von der Belbin-Analyse profitieren

Jeder Teilnehmer hat seine ganz eigenen Stärken und Schwächen, die durch die Perspektiven der Teamrollen beschrieben werden können. Für die Projektarbeit verweist Belbin auf drei Gruppen mit je drei untergeordneten Teamrollen:

  • Denken – Intellektuelle Rollen: Neuerer-Erfinder / Beobachter / Spezialisten
  • Kommunikation – Soziale Rollen: Wegbereiter-Weichensteller / Koordinatoren / Teamarbeiter
  • Exekutive – Handelnde Rollen: Macher / Umsetzer / Perfektionisten

Durch ein entsprechendes Rollenprofil können die jeweiligen Stärken und Schwächen des Teammitarbeiters erkannt werden. Dabei wird besonderen Wert auf die Weiterentwicklung vorhandener Stärken gelegt, und nicht auf die Kompensation der Schwächen.

Jeder Mitarbeiter ist prinzipiell in der Lage, jede Rolle auszufüllen – wenn auch in unterschiedlicher Qualität. Z.B. ist jeder von uns in der Lage, bei einem Fußballspiel ins Tor zu stehen und diese Rolle auszuüben. Doch nicht jeder kann so gut wie Manuel Neuer sein!

In Kombination mit den Rollenprofilen der anderen Teammitglieder ergibt sich ein ganzheitliches Teamrollenprofil, in dem dann das Potenzial und das Defizit des Teams identifiziert werden. Fehlende oder schwach ausgeprägte Teamrollen werden in der Projektarbeit idealerweise durch Mitarbeiter von außerhalb des Teams ergänzt.

Six Sigma Projekte schneller zum Erfolg bringen

Six Sigma beruht auf bewährten Methoden in den Bereichen Projektmanagement und Prozessoptimierung, welche die Qualität und Effizienz eines Betriebes steigern und die Kosten zugleich senken. Da mit diesem Modell eine Null-Fehler-Strategie unterstütz wird, werden Kundenzufriedenheit und finanzielle Bereiche gleichzeitig optimiert. Bei Six Sigma sollen Fehler bereits entdeckt werden, bevor sie entstehen.

Die Stimme des Kunden (Auftraggebers, Prozesseigner, …) zu verstehen und die Problemursachen zu beseitigen, sind die beiden Hauptperspektiven von Six Sigma. Das geschieht mit der klaren Trennung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten, indem von jedem relevanten Prozessschritt Daten aufgefangen und analysiert werden. Projektziel ist es dabei, Lösungen auszuarbeiten, umzusetzen und nachhaltig abzusichern.

Das Six Sigma Modell unterteilt sich in mehrere Projektphasen (Define, Measure, Analyse, Improve, Control  DMAIC), in denen unterschiedliche Team-Rollen und Qualitäten gefordert sind. Beispielsweise erfordert die erste Phase eines Six Sigma Projekts Erfahrung, Weitsicht und hohes planerisches Knowhow, da hier die Projektziele festgelegt und das Projekt detailliert beschrieben, abgegrenzt und schließlich genehmigt wird. Persönlichkeiten, welche die intellektuellen Rollen nach dem Belbin Modell gut ausfüllen, sind in dieser Phase von großem Vorteil.

Six Sigma

Quelle: Six Sigma Akademie Deutschland®| Piktogramme Belbin.com

Das Team als Schlüssel zum Erfolg

Thema (Aufgabenstellung), Individuum (Persönlichkeit) und Team (Gemeinschaft) sind bei Six Sigma keine getrennten Elemente, sondern stark miteinander verknüpft. Die Teilnehmer unterstützen sich gemäß Ihrer Rollenqualitäten, was zu einem allgemein effizienteren Projektablauf führt. Auch gibt es nicht das ideale Six Sigma Team, sondern – in Bezug auf Problemanforderungen und Projektbeteiligte – das bestmögliche Team.

Die Rolle der Projektleitung in der Six Sigma Arbeit

Führen und führen lassen ist ein in der Natur verankertes Prinzip, das sich nicht wegdenken lässt. Ein guter Projektleiter sichert das gute Zusammenspiel der Gemeinschaft und somit das Gelingen des Projektes. Hat ein Projektleiter jedoch nicht das Vertrauen des Teams, kann der Erfolg des Projektes infrage gestellt werden. Und dies gilt auch für ein Six Sigma Projekt.

Für eine effiziente und effektive Six Sigma Arbeit ist es ebenso wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass es sich bei einem Team um ein dynamisches Gebilde handelt. Dies beeinflusst natürlich auch die Projektarbeit. Im Idealfall dient die Teamarbeit nicht nur der Erreichung der Projektziele, sondern auch der Weiterentwicklung des Einzelnen. Und ganz nebenbei wird auch die innere Qualität und die kollektive Kultur wachsen.

Gemäß dem Teamphasenmodell nach Tuckman gibt es vier verschiedene Teamentwicklungsphasen (Forming, Storming, Norming, Performing), die eine Gruppe durchlaufen muss, bevor sie zu einem Team wird. Jede dieser Phase hat ihren eigenen Führungsstil. Führungskräfte, die das Belbin Modell in Six Sigma Projekten auf diese Teamphasen übertragen, wissen genau, welche Rollen sie ausfüllen müssen, um ihr Team in jedem Teamentwicklungsabschnitt optimal zu führen.

Wird die Belbin Methode bei der Six Sigma Projektarbeit angewendet, so zeichnet sich das Team durch folgende Qualitäten aus:

  • Gemeinsame, verbindliche Ziele
  • Klarheit der Rollenverteilung
  • Gegenseitige Ergänzung
  • Offene Kommunikation
  • Hohe Konfliktkompetenz
  • Gegenseitiges Vertrauen

Sind diese „Zutaten“ gewährleistet, dann besteht eine hohe Erfolgschance für das jeweilige Projekt.

Das Belbin Teamrollen Modell in Six Sigma Projekten: eine Zusammenfassung

Vorhandene Ressourcen und verfügbare Ressourcen werden bei dem Belbin Modell so eingesetzt, dass das bestmögliche Team zusammengestellt werden kann, weil sich jeder Teamspieler mit seinen ganzen Talenten und Qualitäten einbringen kann. Ziehen erst einmal alle an einem Strang – und vor allem in die gleiche Richtung – dann können Berge versetzt werden. Dabei wird keine Energie auf mangelnde oder nicht vorhandene Qualitäten verschwendet, und das gesamte Team erhält einen positiven Ausblick auf die existierende Aufgabe. Kreativität, Agilität und Leistung werden dabei gefördert und Qualität kultiviert.

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Über den Autor

Porträtfoto Dr. Markus Maier, Leiter Six Sigma & LEAN Akademie Deutschland®

Dr. Markus Maier Dr. Markus Maier ist promovierter Physiker, Betriebswirt, Six Sigma Master Black Belt und akkreditierter Belbin® Team Trainer. Er unterstützt und arbeitet in der Prozessverbesserung mit den Schwerpunkten automotiv und Prozessindustrie. Als Dozent für Projektmanagement berät er Führungskräfte, Projektleiter und Teams in der Entfaltung der eigenen Potentiale. Er leitet die strategische Unternehmensführung der Six Sigma & LEAN Akademie Deutschland® und gründete die transfer-BAR®, die Planspiele und Trainingstools vertreibt.  www.sixsigma-akademie-deutschland.de/
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