Deutschen Unternehmen fehlen Blockchain-Kenntnisse: 3 Schritte zum Aufbau von Basiswissen
Digitalisierung

Deutschen Unternehmen fehlen Blockchain-Kenntnisse: 3 Schritte zum Aufbau von Basiswissen

Von Andreas Rothkamp
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Die Popularität und die Einsatzmöglichkeiten für Blockchain-Technologie steigen ungebremst. Der Hauptgrund für die Popularität der Technologie ist, dass sie es unmöglich macht, Daten zu manipulieren, wenn sie einmal in eine Blockchain geschrieben wurden. Welches Grundlagenwissen sollten Firmenmitarbeiter sich aneignen?

Laut einem aktuellen LinkedIn-Bericht ist „Blockchain-Entwickler“ das Berufsfeld, das am schnellsten in den USA wächst. Allerdings gibt es sehr viel mehr Bedarf an Blockchain-Kompetenzen als geeignete Kandidaten. In Deutschland haben sich viele Unternehmen laut Bitkom noch nicht mit dem Thema Blockchain auseinandergesetzt.  Anbei die drei wichtigsten Schlüsselbereiche, in denen Unternehmen Wissen aufbauen sollten, um zukünftige  Blockchain-Projekte unterstützen bzw. ihr Potenzial bewerten zu können.

Definition und Grundlagen

Eine Blockchain ist, vereinfacht gesagt, eine auf vielen Rechnern verteilte Datenbank, die digitale Transaktionen sicher dokumentiert. Der Hauptgrund für die Popularität der Technologie ist, dass sie es unmöglich macht, Daten zu manipulieren, wenn sie einmal in eine Blockchain geschrieben wurden. Unternehmen können somit Blockchains nutzen, um Transaktionen aller Art sicher und transparent durchzuführen – ohne Vermittler oder Stellen, die einen Vorgang beglaubigen.

Diese Fähigkeit ist der Grund, warum sich diese Technologie perfekt eignet, um z. B. Transaktionen in Lieferketten sicher zu protokollieren, Finanztransaktionen abzuwickeln oder Stimmabgaben bei Wahlen aufzuzeichnen. Neben Fintech-, Logistik- und Lagerprozessen zeigen sich aber auch immer neue Felder für den Einsatz. Sei es zur fälschungssicheren Produktion von sensiblen Produkten wie Medikamenten, in e-Commerce Sharing-Plattformen oder für Buchhaltungsprozesse.

Neben dem erwähnten Sicherheitsaspekt der unveränderlichen Dokumentation von Prozessen, bieten Blockchains auch keinen zentralen Angriffspunkt für Cyberkriminelle und keinen Schwachpunkt, der durch technische Manipulationen lahmgelegt werden kann. Zudem helfen sie dabei, Transaktionskosten und Vermittlungsgebühren zu senken.

Problem: Mangelndes Wissen in den Unternehmen

Um die zahlreichen Vorteile und Einsatzmöglichkeiten zu nutzen, oder in einem ersten Schritt zumindest die Eignung der Technologie für die eigene Organisation zu prüfen, suchen Unternehmen nach Mitarbeitern mit den erforderlichen Kenntnissen. Es ist jedoch nicht so einfach, solche Experten zu finden. In den USA bleiben laut Analystenaussagen zahlreiche Stellen aus Fachkräftemangel unbesetzt.

Deutsche Unternehmen sehen laut Branchenverbänden zwar die potenziellen Vorteile von Blockchains, zögern aber aus Mangel an Expertise mit dem Einsatz. Laut einer aktuellen Bitkom-Erhebung fehlt es in der Industrie an Wissen und Ressourcen. Knapp jedes zweite deutsche Unternehmen (46 Prozent) ordnet den Standort Deutschland in Sachen Blockchain als „Nachzügler“ ein. Gleichzeitig plant jedoch die Hälfte der befragten Unternehmen (49 Prozent) bereits, sich in den kommenden Jahren über Implementierung und Einsatz dieser Technologie beraten zu lassen. Lediglich für 7 Prozent der Unternehmen sind derartige Beratungsleistungen noch gar kein Thema.

Um sich mit der Technologie vertraut, da Blockchain unsere Zukunft sein wird und um entsprechende Projekte durchzuführen oder intern zumindest Grundkenntnisse für den Dialog mit Experten aufzubauen zu können, ist es ratsam, sich entsprechendes Wissen zum Thema Blockchain in drei Schlüsselbereichen anzueignen:

1. Verwendete Algorithmen und Plattformen wie Ethereum

Die Möglichkeiten Blockchain-Technologie zu nutzen, wachsen rapide und es gibt ständig neue Anwendungsbeispiele. Um die beste Blockchain-Lösung für das eigene Unternehmen auszuwählen, sollte man jedoch zunächst die Grundlagen dieser Technologie verstehen. Dazu gehören Details wie die verwendeten Konsens-Algorithmen, mit denen sich alle an einem Blockchain-Netzwerk beteiligten Knoten auf den Status der Blockchain einigen können. Die Wahl eines solchen Algorithmus beinhaltet stets auch einen Kompromiss zwischen Skalierung und Sicherheit.

In den Ethereum- und Bitcoin-Netzwerken ist der Proof of Work (PoW) der verwendete Konsensus-Algorithmus. Er bildet das entscheidende Element im Mining-Prozess. Wenn in Berichten zu lesen ist, dass der Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks mit dem eines kleinen Landes vergleichbar ist, dann erschließt die Funktionsweise des PoW-Algorithmus, warum dies der Fall ist.

Die für ein zukünftiges Blockchain-Projekt oder die Bewertung einer Blockchain-Beratung verantwortlichen Mitarbeiter, sollten daher die Funktionsweise von Ethereum oder einer anderen der meistverwendeten Technologie-Plattformen kennenlernen.

2. Informatik-Konzepte in Blockchains

Es gibt verschiedene Informatik-Konzepte, die in einem Blockchain-Netzwerk zusammenkommen – vom kryptografischen „Hashing“ über digitale Signaturen bis hin zu speziellen baumähnlichen Datenstrukturen, auf denen Daten aufgezeichnet werden. Wie diese funktionieren und wo derartige Methoden in Blockchain-Netzwerken angewendet werden, sollte Teil einer Grundlagen-Schulung sein.

Ein wichtiges Merkmal von Blockchains ist, dass die Strukturen nicht statisch sind, da ständig neue Daten hinzugefügt werden. Es gibt auch immer mehrere Kopien, die in einem Netzwerk gespeichert sind. Um eine solche Struktur möglichst effizient abzusichern, reicht es nicht aus, die gesamte Blockchain direkt zu verschlüsseln. Im Rahmen einer Grundlagenschulung sollten die Mitarbeiter daher auch lernen, wie die Daten in einer Blockchain strukturiert sind und auf welcher Ebene Hashing angewendet wird.

Die Ermittlung der Identität aller an Transaktionen Beteiligten ist ebenfalls ein entscheidender Faktor für den Aufbau eines vertrauenswürdigen Systems. Die Verwendung digitaler Signaturen in Blockchains sollten sich Mitarbeiter daher als Wissen aneignen.

3. Smart Contracts

Zwar gibt es eine Vielzahl von Anwendungsfällen für die Blockchain-Technologie. Auf der grundlegendsten Ebene wird sie jedoch verwendet, um Transaktionen auf sichere und dezentrale Weise aufzuzeichnen. Diese Transaktionen können von Überweisungen, Immobilienverkäufen oder politischen Abstimmungen bis hin zur Ausstellung von Hochschulabschlüssen reichen.

Um solche Transaktionen aufzusetzen, muss der Initiator zunächst einen intelligenten Vertrag erstellen. Sogenannte „Smart Contracts“ sind digitale Verträge, die eine Programmiersprache verwenden, um Vorgänge festzulegen. Was sie von klassischen, nicht digitalen Verträgen unterscheidet, ist, dass sie als sich selbst durchsetzende Normen eingerichtet werden können. Infolgedessen ist es für die meisten Interaktionen daher nicht erforderlich, einen vertrauenswürdigen Dritten, wie eine Aufsichtsbehörde oder eine Strafverfolgungsbehörde, einzubeziehen.

Grundlagen solcher intelligenten digitalen Verträge sowie die Programmiersprache, in der sie z.B. im Ethereum-Netzwerk definiert sind (Solidity), sollten deshalb auch angeeignet werden.

Über den Autor

Porträtfoto von Andreas Rothkamp, Sales Director EMEA Global Accounts von Skillsoft

Andreas Rothkamp Andreas Rothkamp ist Vice President der DACH bei Skillsoft, einem weltweit agierenden Digitaltechnologie-Unternehmen. Mit seiner rund 20-jährigen Vertriebserfahrung im eLearning-Umfeld kennt der studierte Diplom-Kaufmann die Anforderung mittelständischer und großer Unternehmen im Bereich Corporate Learning und Mitarbeiterentwicklung sehr gut und ist offen für aktuelle Entwicklungen. www.skillsoft.com/de/
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