Die wichtigsten Finanzierungsmittel für Ihr Start-up
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Die wichtigsten Finanzierungsmittel für Ihr Start-up

Carolin Fischer
Am

Der Start in die Karriere als Selbständiger braucht nicht nur eine zündende Geschäftsidee, sondern auch Durchhaltevermögen und Kapital. Das gilt insbesondere für Start-ups. Eine solide finanzielle Grundlage sichert dem Gründer entscheidende Vorteile, denn unternehmerischer Erfolg ist darauf angewiesen, sich den Marktanforderungen anpassen zu können, um beispielsweise in effiziente Technologien, in den Erwerb von Patenten oder in die Modernisierung eines Betriebsgeländes zu investieren.

Wachstumspläne nach Gründung eines Start-ups erfordern Fingerspitzengefühl, gerade mit Blick auf die dafür notwendigen Finanzierungsmittel. Wer mit einem neuen Produkt oder einer Dienstleistung an den Start geht, hat noch keine Erfahrungswerte: der Markt ist neu, das Ziel, schwarze Zahlen zu schreiben, noch in weiter Ferne.

Start-ups – innovativ und wachstumsorientiert

Der Bundesverband Deutscher Start-ups e.V. definiert Start-ups wie folgt:

  • Es handelt sich um Unternehmen, die jünger sind als zehn Jahre sind.
  • Mithilfe neuer Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und Technologien streben sie ein schnelles Wachstum an.
  • Sie setzen dafür ein signifikantes Mitarbeiter- und Umsatzwachstum ein bzw. streben ein solches an

Heutige Start-ups gelten als die „Hidden Champions“ von morgen – mittelständische Unternehmen, die mit ihren innovativen Produkten oder Dienstleistungen auch auf internationalen Märkten führend sind. Deshalb sind Start-ups auf eine zuverlässige sowie geeignete Finanzierung angewiesen, damit Gründung, Wachstum und Internationalisierung gelingen können.

Oft benötigt ein Start-up sechs- bis siebenstelliges Basiskapital, das den wenigsten Gründern gleich zu Beginn zur Verfügung steht. In der Regel sichern unterschiedliche Finanzierungsquellen die Liquidität eines jungen Unternehmens. Zuschüsse, Darlehen, Beteiligungen und Bürgschaften sind neben dem fachlichen Know-how Grundlage dafür, dass aus vielversprechenden Ideen erfolgreiche Unternehmen werden.

Auch in Deutschland kennt die Gründerszene diverse Finanzierungsinstrumente, die konkret die Bedürfnisse von Start-ups im Fokus haben. So gibt es beispielsweise private Kapitalgeber wie Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften, aber auch kapitalkräftige Angebote durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), z. B. mithilfe des ERP-Sondervermögens. Auch die Bundesländer und ihre Bürgschaftsbanken unterstützen Start-ups in ihren unternehmerischen Entwicklungsphasen.

Finanzierung für Phasen

Nicht immer sind Bankdarlehen als klassische Gründungsförderung der geeignete Weg oder spielen eher eine untergeordnete Rolle. Das gilt vor allem für die „Pre-Seed- und für die Seed-Phase“ von Start-ups, gemeint sind die Phasen vor und während der Unternehmensgründung. Denn Banken und Sparkassen können neue Geschäftsmodelle und deren Marktpotenzial oft nur schwer einschätzen.

Dazu kommt, dass dem hohen Kapitalbedarf mancher Gründer meist fehlende Sicherheiten entgegenstehen. Und nicht zuletzt können, besonders bei Start-ups der Life-Science- oder Technologie-Ausrichtung, Jahre vergehen, bis das Verfahren oder das Produkt marktreif ist und das Start-up schwarze Zahlen schreibt.

Deshalb stellt beispielsweise auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie spezielle Förderdarlehen und Bürgschaften für technologieorientierte Gründer zur Verfügung. So werden innovative Start-ups unterstützt:

  • in der Ausarbeitung von Businessplänen
  • in relevanten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zum Produkt
  • in der Entwicklung von Produkten bis zur Marktreife
  • in der Finanzierung von Investitionen für die technische Ausstattung
  • in den Bereichen Marketing und Vertriebsaufbau
  • in der Vorbereitung des internationalen Markteintritts

Neben öffentlichen Fördermitteln und klassischen Bank- oder Sparkassendarlehen sollten Gründer das Wissen und das Kapital von beispielsweise Business Angels nutzen. Ergänzend kommt auch Crowdfunding infrage. Denn besonders in der Zeit nach Gründung des Start-ups fallen teilweise hohe Kosten für Beratungsleistungen sowie Aufwände für die Weiterentwicklung der Geschäftsidee oder des Produkts an. Die angehenden Unternehmer müsssen dann z.B. auch ein geeignetes Marketingkonzept ausarbeiten und finanzieren.

Start-up-Teams sollten sich gut vorbereiten, bevor sie beispielsweise mit Vertretern von Business Angels sprechen. Sie müssen vermitteln, womit sie künftig Geld verdienen möchten, wie die Kompetenzen im Team verteilt sind, aber auch, was sie sich von ihrem Investor erwarten.

Instrumente nach Maß

Für künftige Jungunternehmer ist es deshalb wesentlich, erst einmal unverbindlich das Gespräch mit Bankvertretern und alternativen Anbietern von Fördermitteln zu suchen. Mit ihrer Hilfe können sie herausfinden, welche Finanzierungsinstrumente Sinn für ihr konkretes Vorhaben machen.

Oft machen angehende Jungunternehmer den Fehler, standardisierte Mailings über ihre Geschäftsidee an private Investoren zu schicken. Erfolgversprechender ist es jedoch, dass sie sich potentiellen Kapitalgebern persönlich nähern. So können Start-ups auch langfristig von deren Wissen und Erfahrung profitieren.

Bevor ein Gründer irgendwann ein konkretes Förderprogramm bzw. ein Finanzierungsmodell in Betracht zieht, sollte er daher die Basics hinterfragen:

  • Wie hoch ist der Kapitalbedarf und über welchen Zeitraum kann er gedeckt werden?
  • Welche Voraussetzungen muss das künftige Unternehmen erfüllen?
  • Ab wann muss das Geld dem Start-up spätestens zur Verfügung stehen?
  • Sind alle nötigen Kompetenzen für die Bereiche Marketing, Controlling und Vertrieb im Start-up-Team vertreten?

Damit Start-ups nach der Vorbereitungsphase nicht in eine Finanzierungslücke geraten, müssen sie auch die Möglichkeit einer Anschlussfinanzierung klären. Ein Start-up-Team sollte deshalb mit mindestens sechs bis acht Monaten rechnen, bis ein nachhaltiges Finanzierungskonzept steht.

Genaue Zahlen sind in der Frühphase vor Gründung zwar nicht zu ermitteln, aber die Verantwortlichen des Start-ups sollten eine Vorstellung davon haben, wie der Kapitalbedarf aussieht, um Investitionen und laufende Kosten für einen definierten Zeitraum abzufangen.

Nur so lässt sich Umsatz, Kapitalbedarf, Liquidität und Rentabilität des Unternehmens mittelfristig prognostizieren. Das Zeitfenster sollte nicht zu eng gefasst werden. Gespräche, Verträge und Marketing bedürfen schließlich Zeit, die finanziell überbrückt werden muss.

Zum Angebot an Finanzierungsinstrumenten gehören:

  • die drei FFF – Family, Friends und Fools
  • Crowdfunding und -investing
  • Beteiligungskapital- sowie Darlehensgeber aller Art
  • Manchmal kann die Beteiligung mehrerer Kapitalgeber an einem Start-up sinnvoll sein: Interessant für Gründer sind deshalb Beteiligungsprogramme bundesweiter oder europäischer Förderinstitutionen

Vielfalt an Förderangeboten für Start-ups

Auch eine Kombination öffentlicher Fördergelder mit Kapital aus Venture-Capital-Gesellschaften und Business Angels macht für junge Gründer häufig Sinn. Denn der Investitionsbedarf in der letzten Phase nach Gründung eines Start-ups – der Growth-Phase – benötigt nochmals einen teilweise beachtlichen Liquiditätsfluss: das Unternehmen hat inzwischen Mitarbeiter eingestellt, einen Vertrieb aufgebaut und Zugang zu nationalen wie internationalen Märkten gewonnen. Das alles kostet.

Und obgleich die Umsätze steigen, werden noch keine Gewinne generiert. Jede Entwicklungsphase von Start-ups ist von unterschiedlicher Dauer und kann Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen.

Damit sich das Potenzial junger Unternehmen langfristig entfalten kann und sich ihre Gründer auf ihr unternehmerisches Kerngeschäft konzentrieren können, ist eine verlässliche Finanzierungssicherheit nötig. Sie alleine garantiert den Entscheidern auch die nötige Planungssicherheit.

Die Herausforderungen für Start-ups sind tatsächlich groß. Damit das unternehmerische Risiko eingedämmt wird, gibt es zahlreiche Förderangebote.

Finanzielle Unterstützung bieten:

  • Bürgschaften (privat oder ergänzend aus öffentlichen Mitteln)
  • Förderdarlehen
  • Beteiligungen
  • Nicht rückzahlbare Zuschüsse

Auch in Punkto Wissen können sich Jungunternehmer Hilfe holen:

  • Durch Beratung, z. B. Business Angels
  • Mithilfe von Wettbewerben und anderen Initiativen

Jedes Start-up beginnt mit einer guten Idee

Damit aus einer Idee ein erfolgsversprechendes Geschäftsmodell wird, braucht es neben einem fundierten Know-how ausreichend Kapital, nicht zuletzt um die Kosten für den eigenen Lebensunterhalt zu decken. Seriöse Förderprogramme helfen Existenzgründern dabei:

  • EXIST – unterstützt Gründer aus der Wissenschaft
  • Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen#High-Tech-Gründerfonds (HTGF) – eine Public-Private-Partnership von BMWi, KfW und anderen
  • Ko-Investitionsfonds „coparion“, aufgelegt mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens und der KfW
  • Förderprogramme der Landesförderinstitute
  • Beteiligungen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften in den Ländern

Im Grunde geht es immer um dasselbe Prinzip: ein oder mehrere Investoren beteiligen sich mit ihrem Kapital an einem Start-up. Der Vorteil davon ist, dass der Gründer anders als bei einem Bankdarlehen keine Sicherheiten nachweisen muss. Was alleine zählt sind die Idee, das Kompetenzteam und das Produkt bzw. Geschäftsmodell.

Außerdem gilt das Beteiligungskapital aus der Sicht einer Bilanz als Eigenkapital. Damit wird einem Start-up möglicherweise eine zusätzliche Darlehensaufnahme bei einer Bank erleichtert. Zieht sich ein Investor irgendwann wieder aus dem Unternehmen zurück, so erzielt er durch den Verkauf seiner Anteile einen Gewinn. Neben Business Angels, Venture-Capital-Gesellschaften beteiligen sich deshalb auch mittelständische Beteiligungsgesellschaften und öffentlich geförderte Wagniskapitalfonds an jungen Unternehmen.

Investoren beraten und motivieren

Nicht immer ist der Kapitalbedarf eines Start-ups hoch und erfordert Millionen von Euro. Es gibt in der Gründerszene viele, z. B. App-Entwickler oder Social-Start-ups, die mit einem geringen Startkapital auskommen. Für sie kann z. B. eine stille Beteiligung von bis zu 50.000 Euro durch eine Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) Sinn machen.

Die MBG leistet als stiller Gesellschafter eine Einlage in das Betriebsvermögen, erhält aber keine Anteile. Vorteil: die Geschäftsführung bleibt in der Hand der Gründer. Durch jene Einlage können sie ihre Kreditwürdigkeit bei ihrer Hausbank verbessern, aber auch anstehende Investitionen finanzieren.

Im Vergleich dazu investiert beispielsweise der HTGF – High Tech Gründerfonds – in Technologieunternehmen, die nicht älter als drei Jahre sind, bis zu eine Million Euro. Anschlussfinanzierungen sind möglich. Insgesamt kann der HTGF bis zu drei Millionen Euro pro Start-up investieren. Daneben bietet diese Institution jungen Unternehmern eine intensive Betreuung. Start-up-Teams, die sich für eine Förderung durch den HTGF interessieren, müssen Zeit einplanen: vom Erstkontakt bis zur Zusage können bis zu vier Monate vergehen.

Auch das Programm der Deutschen Börse bringt junge und wachstumsstarke Unternehmen mit internationalen Geldgebern zusammen. So wird den Start-up-Teams eine effektive Finanzierung ihres Wachstums möglich gemacht. Sie können nicht nur ein umfassendes Netzwerk aufbauen, sondern auch an einer nicht-öffentlichen Online-Plattform sowie an diversen Trainings- und Networking-Veranstaltungen teilnehmen.

Zuschüsse für Wagniskapital

Hilfe erhalten Jungunternehmer auch vom Bundeswirtschaftsministerium. Dieses will Investoren dazu motivieren, sich mit ihrem Kapital an Start-ups zu beteiligen. Öffentliche Förderinstrumente richten sich direkt an Kapitalgeber. So wurde beispielsweise für Business Angels und andere Privatinvestoren das Programm INVEST – Zuschuss für Wagniskapital – aufgelegt.

Wenn sich ein Business Angel für mindestens drei Jahre mit mindestens 10 000 Euro an einem Start-up beteiligt, erhält der einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent seines Investments. Außerdem kann er die Steuer, die auf einen späteren Veräußerungsgewinn entfällt, pauschal mit einem Exit-Zuschuss ausgleichen. Pro Unternehmen können Anteile im Wert von bis zu drei Millionen Euro pro Jahr bezuschusst werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Datenbank angelegt, in der sich INVEST-förderfähige Unternehmen mit ihren Daten eintragen können. Diese Start-ups erhalten damit die Möglichkeit, sich vorzustellen und Investoren auf sich aufmerksam zu machen.

Foto/Thumbnail: ©Depositphotos.com

Über den Autor

Carolin Fischer

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal", "Mittelstand" und "Karriere". Zuvor hat sie u.a. mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet.
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