Gründerportrait

Zhaopeng Chen, Gründer und Geschäftsführer der Agile Robots AG

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Zhaopeng Chen ist Gründer und Geschäftsführer der Agile Robots AG. Das Hightech-Startup mit Sitz in Gilching bei München und einem Standort in Peking ist eine Ausgründung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Das im Jahr 2018 gergründete Unternehmen verfolgt das Ziel, Roboterlösungen zu entwickeln, die die Arbeit von Menschen einfacher und sicherer machen.

Name: Zhaopeng Chen

Titel: Doktor

Geburtsjahr: 1983

Position: Gründer und Geschäftsführer der Agile Robots AG

Weitere Gründungen: Wessling Robotics

Vita:

  • 2005 B.S. in Mechanical Engineering und Automation (Harbin Institute of Technology, Harbin, China)
  • 2007 M.Sc. in Mechatronic Engineering (Harbin Institute of Technology, Harbin, China)
  • 2012 PhD in Mechatronic Engineering (Institut für Robotik und Mechatronik, DLR, Deutschland und Harbin Institute of Technology, Harbin, China)
  • seit 2010 stellvertretender Leiter des Modex-Labors beim DLR/RMC
  • seit 2013 CTO und Co-Gründer von Wessling Robotics GmbH
  • seit 2018 CEO und Gründer von Agile Robots AG

Lebensmotto: „Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen.” – Albert Einstein

Über das Unternehmen

Agile Robots AG
Friedrichshafener Str. 1
82205 Gilching
Gründungsjahr: 2018
Telefon: +498105/3980101

Was ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

Agile Robots AG wurde 2018 gegründet. Wir sind ein Hightech-Startup mit Sitz in Gilching bei München und einem Standort in Peking. Das Unternehmen ist eine offizielle Ausgründung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das DLR realisiert intelligente Roboterlösungen. Die Einsatzgebiete unserer Lösungen sind vielfältig. Dazu zählen unter anderem Einsatzgebiete in der Produktion von Automobil und Unterhaltungselektronik, Medizin, Dienstleistungssektor, Lebensmittelbranche, Bildungsbereich und Logistik.

Wir schließen die Lücke zwischen künstlicher Intelligenz und Robotik. Dafür entwickeln wir Systeme auf Basis modernster Kraft-Momenten-Sensorik und weltweit führender Bildverarbeitungstechnik. Diese innovative Kombination von Technologien ermöglicht die Realisierung von intelligenten, benutzerfreundlichen und erschwinglichen Roboterlösungen, die auf eine sichere Mensch-Roboter-Interaktion bauen. Außerdem bieten wir Software an, die auch mit Robotern anderer Anbieter kompatibel sind.

Erst kommt die Vision, dann die Gründung. Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gestoßen?

Das Kernteam von Agile Robots und ich stammen vom DLR. Dort waren wir auch an der bahnbrechenden Forschung beteiligt, die in der Luft- und Raumfahrt bereits erfolgreich genutzt wird. Die Technologien dahinter machen wir nun der breiten Öffentlichkeit und der Wirtschaft zugänglich, indem wir die Serienreife vorantreiben.

Neben einer guten Idee spielt auch die Team-Zusammensetzung oft eine entscheidende Rolle. Wie setzt sich das Team bei Ihnen zusammen?

Unser Team stammt aus verschiedenen Ländern. Viele arbeiteten davor beim DLR. Alle Mitarbeiter verbindet das Ziel, Roboterlösungen zu entwickeln, die die Arbeit von Menschen einfacher und sicherer machen. Daran arbeiten bei uns Ingenieure genauso wie Industriedesigner und Programmierer, denn wir wollen nicht nur leistungsstarke, sondern auch „intelligente“ Roboter bauen. Wir sehen Roboter nicht als Ersatz für menschliche Mitarbeiter, sondern als tatkräftige Unterstützung bei der Verrichtung von verschiedenen Arbeiten.

Ein Teil des Teams der Agile Robots AG bei der Arbeit.

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Unsere Roboterlösungen können schnell installiert werden und so rasch zum Einsatz kommen. Das ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale. Weitere Vorteile, die wir bieten: Unsere Software ist auch mit anderen Roboterlösungen kompatibel. Außerdem basieren unsere Lösungen auf Vision Intelligence, Deep Learning und Torque Sensors. Gerade die Verbindung von KI und moderner Robotertechnologie wird in naher Zukunft einen großen Entwicklungssprung für die Branche bringen. Dabei gehen wir voran.

Was war Ihre Motivation Unternehmer zu werden?

Ich forschte jahrelang am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Viele der Entdeckungen kamen und kommen fast ausschließlich in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz, obwohl diese ebenso ideal in anderen Umgebungen eingesetzt werden könnten – zum Beispiel in der Industrie. Ich entschied mich, Unternehmer zu werden und Technologien aus der Luft- und Raumfahrt wortwörtlich auf die Erde zurückzubringen. Natürlich reizte mich auch, mit anderen Menschen – das heißt mit Kollegen – diese Vision gemeinsam zu verwirklichen.

Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten 3 Jahre?

In drei Jahren möchten wir in der Zielgerade sein, Marktführer in den Bereichen der Service-, Medizin und Industrierobotik zu werden. Unsere Roboterlösungen sollen die Arbeitswelt nachhaltig verändern. Das heißt: Roboter werden bei gefährlichen und auch monotonen Arbeitsschritten zum Einsatz kommen.

Was waren die größten Herausforderungen in der Gründungsphase?

Die größte Herausforderung war es, passendes Personal zu finden. Auch in unserer Branche gibt es einen Fachkräftemangel. Das Personal muss aber nicht nur passend sein, sondern auch die nötige Neugier besitzen. Wir bewegen uns nämlich mit unserer Vision, die Lücke zwischen Robotik und KI zu schließen, in einem Terrain, das noch ziemlich unerforscht ist – ausgenommen in der Luft- und Raumfahrt.

Ein Unternehmen zu gründen und zu expandieren kostet Geld. Wie finanzieren Sie sich?

Wir hatten zwei Finanzierungsrunden, die uns das nötige Kapital liefern: Im Juli 2019 erhielten wir in der Pre-A-Finanzierungsrunde von unterschiedlichen Investoren Gelder. In diesem Jahr gewannen wir in unserer abgeschlossenen Finanzierungsrunde der A-Serie das Vertrauen weiterer Investoren. Wir erhielten dabei insgesamt Kapital in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe. Diese Gelder stecken wir nun in die Entwicklung unserer Roboter und den Ausbau unseres internationalen Teams.

Ist für Sie eine Partnerschaft mit Venture-Kapitalgebern eine Option?

Das meiste Kapital erhielten wir von Risikokapital-Beteiligungsgesellschaften. Darunter war Sequoia Capital. Diese Kapitalgesellschaft ist unter anderem für ihre Beteiligungen an Apple und Google bekannt. Ja, Partnerschaften mit Venture-Kapitalgebern sehen wir für uns auf jeden Fall als Option.

Welchen Tipp möchten Sie an andere Gründer gerne weiter geben?

1. Offen für Kritik zu sein, um seine Produkte und Dienstleistungen stetig zu verbessern. Nichts ist perfekt. 2. Ein offenes Ohr für alle Kollegen zu haben, denn diese sind das Herz eines jeden Unternehmens. 3. Rückschläge, Fehlschritte gehören dazu. Aus diesen lernen und dabei sein Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Ist Ihr Team bereits vollständig oder suchen Sie aktuell noch freie und/oder feste Mitarbeiter?

Wir sind stets auf der Suche nach neuen Mitarbeiten – seien es freie oder feste. Da wir aktuell den Ausbau unseres internationalen Teams fokussieren, suchen wir verstärkter nach neuem Personal.
Aktuell besteht unser Team aus rund 40 Mitarbeitern. Wir wollen wachsen. So sind derzeit verschiedene Stellen in unserem Engineering-Bereich und auch in der Administration unbesetzt – in unserem Hauptsitz in Gilching bei München und in unserer weiteren Niederlassung in Peking.

Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

Weil bei uns alle gemeinsam am Strang ziehen, um Technologien aus dem Weltraum auf die Erde zu bringen. Flache Hierarchiestufen ermöglichen es zudem, sich zu entfalten und neue Ideen zu entwickeln. Dabei steht stets der Teamgeist im Fokus.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen den Bundeswirtschaftsminster. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass es einen deutschen, wenn nicht sogar europäischen, Masterplan für Robotik gäbe. Deutschland, ganz Europa besitzen die Infrastruktur und genug engagierte, kreative Köpfe, die die Robotik auf eine neue Stufe heben könnten. Aber viele der Gesetze sind nicht mehr mit der modernen Welt kompatibel. Ich blicke da nur auf KI. Gesetzliche Rahmenbedingungen, in welchem Kontext KI arbeiten sollte, gibt es in Deutschland bis dato nicht. USA und China sind in diesem Bereich weiter.

Welche Person hat Sie in der Gründungs- und Wachstumsphase besonders unterstützt? Bei wem möchten Sie sich bedanken?

Das waren unterschiedliche Personen – allen voran Menschen, mit denen ich im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammengearbeitet hatte. Ich möchte namentlich niemanden erwähnen, sonst vergesse ich sicher den einen oder anderen. Bei allen, die mich unterstützt haben und weiterhin unterstützen, habe ich mich auf alle Fälle bedankt – wahrscheinlich schon mehrmals, da solche Menschen eine Rarität sind.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Ich würde gerne mit Elon Musk zum Dinner gehen. Nicht nur, weil er unter anderem Tesla und SpaceX gegründet hat – zwei innovative Unternehmen. Musk beschrieb sehr gut, wie ein visionäres Unternehmen aussehen soll: Es muss unter anderem Produkte und Dienstleistungen produzieren, die für Menschen sinnvoll sind. Mit unseren Robotern möchten wir dieses visionäre Ziel ebenso erreichen.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus und wie wollen Sie diese meistern?

Von Auswirkungen wegen der Pandemie blieben wir zum Glück verschont. Den Betrieb konnten wir gut aufrechterhalten. Unsere Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice. Kollegen, die dennoch ins Büro möchten, beachten dabei die Hygiene- sowie Abstandsregeln.

Wir sehen in der Corona-Krise die Chance, dass Roboterlösungen in möglichen zukünftigen Pandemien zum Einsatz kommen – unter anderem im medizinischen Bereich. Zum Beispiel: Ein Roboter macht Abstriche, die eine Infektion nachweisen. Das Ansteckungsrisiko für Mitarbeiter im Gesundheitsbereich wird dadurch minimiert.

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