Corona-Sparmaßnahmen wirken sich negativ auf Digitalisierung aus
Sinkende IT-Budgets

Corona-Sparmaßnahmen wirken sich negativ auf Digitalisierung aus

Porträtfoto von Oliver Henrich, Vice President Product Engineering Central Europe von Sage
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Die Corona-Krise hat die Digitalisierung zwar vorangetrieben, allerdings beschränken sich diese Fortschritte vorrangig auf Technologien für die Umstellung auf Home-Office und Videokonferenzen. Eine umfassende digitale Transformation findet in vielen Unternehmen aufgrund finanzieller Engpässe nicht statt. Sie wäre jedoch gerade jetzt notwendig, um steigenden Anforderungen seitens der Kunden und des Marktes gerecht zu werden und Firmen fit für die Zukunft zu machen.

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie gut Unternehmen die Digitalisierung umsetzen können, wenn es schnell gehen muss. Im Vergleich zum Vorjahr haben bestimmte digitale Projekte im deutschen Mittelstand 2020 erheblich an Tempo zugelegt. Laut dem Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021 der Deutschen Telekom ging es vor allem beim Einsatz mobiler Endgeräte und der Implementierung von Tools voran – besonders in den Bereichen Kommunikation und Kollaboration. Auch der Schutz und die Sicherheit von Daten wurden verbessert, da Tools in der Cloud, privates WLAN und ungesicherte Arbeitsräume im Home-Office in dieser Hinsicht neue Herausforderungen mit sich bringen.

Die Digitalisierungsbemühungen vieler Unternehmen beschränken sich damit vorrangig auf Technologien für die Umstellung auf Home-Office und die Verbesserung und Flexibilisierung von Arbeitsabläufen. Mithilfe moderner IT-Anwendungen und digitaler Prozesse konnten die Betriebe in der Pandemie ihre Geschäftsabläufe aus dem Home-Office heraus aufrechterhalten und so die Folgen der Corona-Krise zumindest teilweise abfedern.

Digitalisierungsschub bei Unternehmen nicht erkennbar

Der große Schub in Richtung digitale Transformation ist allerdings ausgeblieben. Laut der IHK-Digitalisierungsumfrage 2021 unter knapp 3.500 Firmen sind die meisten Betriebe in den vergangenen Jahren bei der Digitalisierung offenbar kaum vorangekommen. Demnach geben sie sich diesbezüglich nur die Schulnote 2,9. Das ist lediglich eine geringfügige Verbesserung gegenüber 2017 (Note 3,1). Als Hauptgründe nannten die Befragten die hohe Komplexität bei der Umstellung von Systemen und Prozessen (45 Prozent), hohe Kosten (40 Prozent) und fehlende zeitliche Ressourcen (38 Prozent).

Auch in der deutschen Bevölkerung werden die langsamen Fortschritte bei der Digitalisierung bemängelt, wie der Digitalreport 2021 des European Center for Digital Competitiveness zeigt. Schlechte Noten gibt es vor allem für den staatlichen Bereich: Nur 16 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die Digitalisierung und Vernetzung der Behörden in ausreichendem Maße vorangetrieben werden. 2019 hatten dies noch 25 Prozent angegeben. Auch im Gesundheitswesen sehen nur noch 26 Prozent der Befragten eine nennenswerte digitale Weiterentwicklung. 2019 waren es noch 38 Prozent.

IT-Budgets stagnieren vielerorts

Während die Corona-Krise den Einsatz digitaler Technologien in einigen Bereichen vorangetrieben hat, bremst sie ihn in anderen Bereichen unter anderem aufgrund finanzieller Engpässe aus. Der laut Statistischem Bundesamt stärkste Wirtschaftsrückgang seit der Finanzkrise 2008/2009 zwingt viele Firmen zu Sparmaßnahmen, die sich auch auf die IT-Budgets auswirken. In einer Studie des Branchenverbands Bitkom vom Herbst 2020 wurden neben den erhöhten Datensicherheitsanforderungen sowie dem anhaltenden Fachkräftemangel mit 43 Prozent deutlich häufiger fehlende finanzielle Mittel als Hürden der Digitalisierung genannt. Im April 2020 hatten diesen Grund noch 25 Prozent, 2019 sogar nur 20 Prozent angegeben.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die Studien „Cyber Security 2020″ und „Cloud ERP 2020“ der Verlagsgruppe IDG. Demnach hat jedes dritte Unternehmen sein IT-Budget seit Ausbruch der Pandemie nicht erhöht. Vier von zehn Befragten gaben sogar an, es gekürzt zu haben. Wie der eingangs erwähnte Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021 belegt, wurde die Investitionsbereitschaft unter anderem in den Bereichen Virtual/Augmented Reality, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik zurückgestellt – das heißt für Zukunftstechnologien, mit denen sich Unternehmen für künftige Anforderungen wappnen und Wettbewerbsvorteile sichern könnten.

Firmen brauchen moderne IT-Infrastrukturen und Zukunftstechnologien

Damit hat die Digitalisierung im deutschen Mittelstand nur auf den ersten Blick einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht. Der Schub, für den Corona ein Auslöser hätte sein können, ist ausgeblieben. Die allgemeine Unsicherheit und die wirtschaftlichen Einbußen in zahlreichen Branchen haben Investitionen in die IT-Infrastruktur und innovative Anwendungen vielerorts verhindert.

Diese Entwicklung ist nachvollziehbar, kann aber fatale Folgen für die Zukunft haben. Dass die Digitalisierung entscheidend zur Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beiträgt, dürfte inzwischen unbestritten sein. Wer das Thema jedoch wirklich ernst nimmt, muss dafür auch eine solide IT-Basis in Form einer offenen, intelligenten und anpassbaren IT-Architektur schaffen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch Investitionen in Zukunftstechnologien wie KI. Gerade in wirtschaftlich angespannten und volatilen Krisenzeiten können sie Unternehmen helfen, verlässliche Markt- und Nachfrageprognosen zu erhalten. Damit bleiben Betriebe nicht nur handlungsfähig, sondern behalten auch in unübersichtlichen Zeiten den Überblick über ihre
Abläufe.

Foto/Thumbnail: ©Depositphotos.com

Über den Autor

Porträtfoto von Oliver Henrich, Vice President Product Engineering Central Europe von Sage

Oliver Henrich Oliver Henrich ist Vice President Product Engineering Central Europe bei Sage. Sage ist globaler Marktführer für IT-Systeme, die in kleinen und mittelständischen Unternehmen für mehr Transparenz sowie flexiblere und effizientere Abläufe in den Bereichen Buchhaltung, Unternehmens- und Personalmanagement sorgen. www.sage.com
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