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Resiliente Lieferketten: Wie sich Onlinehändler intern gegen externe Störungen absichern
Supply Chain Management

Resiliente Lieferketten: Wie sich Onlinehändler intern gegen externe Störungen absichern

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Die Bilder des im Suezkanal festsitzenden Containerschiffs "Ever Given" gingen vor einem Jahr um die Welt und gaben bereits einen ersten Vorgeschmack darauf, welche Auswirkungen Unterbrechungen der Supply Chain anrichten können. Neben der allgegenwärtigen Pandemie sind es noch zahlreiche weitere Probleme, die Alarmglocken schrillen lassen und auch schwierig für die Supply Chain im E-Commerce sind.

Zu den Schwierigkeiten der Supply Chain beim Onlinehandel gehören auch der Brexit, Rohstoffknappheiten, erhöhte Versandvolumina aus Asien, der Mitarbeitermangel in der Transportbranche und natürlich jüngst der Ukraine-Krieg.

Daher hieß es auch vor wenigen Monaten in den großen deutschen Tageszeitungen: Müssen wir dieses Jahr ohne Weihnachtsgeschenke auskommen? Die Antwort war und ist glücklicherweise: Natürlich nicht. Dennoch können wirtschaftliche Schäden entstehen. Angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass Lieferkettenstörungen über das Jahr 2022 hinaus andauern werden und des anhaltenden E-Commerce-Booms, sind Unternehmer gefragt und müssen sich zwingend Gedanken darüber machen, wie sie ihre eigenen Lieferketten robuster gestalten können.

Mit Transparenz und KI zur resilienten Lieferkette

Der erste Schritt in die richtige Richtung: Lieferketten sollten im gesamten Unternehmen transparent sein. So lassen sich Schwachstellen und zukünftige Herausforderungen schnell erkennen und beheben. Zudem sollten Unternehmen in die entsprechende Technologie investieren, mithilfe derer sie ihren Kunden eine optimierte Customer Experience bieten können. Vor allem Künstliche Intelligenz wird in dieser Hinsicht in den nächsten Monaten und Jahren eine immer wichtigere Rolle spielen, da mithilfe von KI die Nachfrage vorhergesagt und der Produktbestand entsprechend geplant werden kann. Durch die Kenntnis des Kaufverhaltens der Konsumenten können Unternehmen zudem darauf hinwirken, dass die richtigen Produkte an den richtigen Orten zur richtigen Zeit angeboten werden und somit die Kundennachfrage optimal bedienen.

Zusätzlich sollten sich Unternehmen ihr Partnernetzwerk genauer anschauen: Ein einziger Lieferant reicht zukünftig möglicherweise nicht mehr aus. Um sich effektiv gegen externe Störungen abzusichern, sollten Unternehmen auf ein Netzwerk aus verschiedenen Partnern setzen. So sind sie beim Ausfall eines Partners abgesichert und können die Nachfrage leichter bedienen.

Warehouses als zentraler Partner

Während fast die ganze Welt im Lockdown war, boomte das E-Commerce-Geschäft wie noch nie. Plötzlich wurden Lagerhäuser zu heiß begehrten Objekten, da viele Unternehmen ihre Kapazitäten ausweiten mussten. Gleichzeitig waren sie auf der Suche nach Partnern, um sicherzustellen, dass die entsprechende Anzahl von Produkten dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Ein Lager ist mehr als nur ein Ort zur Aufbewahrung von Waren – es ist ein integraler Bestandteil einer jeden E-Commerce-Strategie. Daher ist es für Unternehmen von entscheidender Bedeutung, eine umfassende Prüfung potenzieller neuer Partner vorzunehmen. Bestehende Partner sollten kontinuierlich evaluiert werden. So lässt sich sicherstellen, dass die erforderlichen Leistungen auch erbracht werden.

Auch Daten werden weiterhin an Bedeutung für Onlinehändler gewinnen, um Einkäufe von Kunden vorherzusagen. So können die Händler die erforderlichen Produkte an die richtigen Lager schicken, um Bestellungen schneller auszuliefern. Unternehmen, die sich von der Masse abheben wollen, sollten auf Mikrolager in städtischen Gebieten setzen. So kann man Produkte noch am selben Tag oder sogar innerhalb von Stunden nach dem Kauf versenden.

Entsprechende Tracking-Optionen für Verbraucher helfen, den Weg des Pakets in Echtzeit auf den letzten paar Kilometern mitzuverfolgen. Sie optimieren die Customer Journey noch weiter und werden den Erwartungen der Kunden gerecht.

Nachhaltige Praktiken rücken auch immer mehr in den Mittelpunkt der Kundenerwartungen, und Lagerhäuser bieten Onlinehändlern, die ihr Nachhaltigkeitsrating verbessern wollen, große Chancen. Die Zusammenarbeit mit Lagerpartnern und die Verbesserung von Ineffizienzen sind der Schlüssel zum Aufbau nachhaltiger Praktiken in der Lieferkette. Das ist nicht nur eine Wohlfühl-Aussage. Immer häufiger werden Unternehmen wegen verschwenderischer Praktiken von den Kunden angeprangert.

Nachhaltigkeit bei Onlinehändlern

Einige der eben genannten Innovationen werden sich auch positiv auf die Nachhaltigkeitsbestrebungen im Onlinehandel auswirken. Um diese jedoch noch weiter zu forcieren, sollten sich Unternehmen untereinander zusammenschließen. Eine Möglichkeit wäre die Zusammenarbeit beim Transport von Waren, um Leerfahrten von LKWs zu verringern, indem durch effektive Planung dafür gesorgt wird, dass die LKW sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt voll beladen sind. So lassen sich nicht nur eigene Prozesse effizienter gestalten, auch der Weitertransport wird beschleunigt und der CO2-Fußabdruck leerer LKWs reduziert. Ein aktueller Trend ist auch die steigende Zahl von Elektrofahrzeugen auf den Straßen: Unternehmen modernisieren ihre Flotten, um ihre eigenen Emissionsziele zu erreichen.

Weiterhin werden Unternehmen ihren Fokus auf die Minimierung von Retouren im Onlinehandel legen, denn der Rückversand ist nicht nur verschwenderisch, sondern auch teuer. Technologien, die hierbei zum Einsatz kommen könnten, wären beispielsweise 360-Grad-Videos in der Kaufphase, KI-Kleiderschrankanpassung und andere Innovationen. Damit können Kunden mit größerer Wahrscheinlichkeit gleich beim ersten Versuch den richtigen Artikel bestellen, was die Notwendigkeit von Rücksendungen minimiert. Vor allem für Bekleidungsmarken liegt darin eine echte Chance nachhaltiger zu werden.

Fazit: Prozesse regelmäßig optimieren

Onlinehändler haben somit viele verschiedene Möglichkeiten ihre Supply Chain zu optimieren – die wichtigste Regel lautet jedoch: Niemals mit dem Status Quo zufrieden geben, sondern regelmäßig die eigenen Prozesse und Strukturen hinterfragen, um die Customer Experience immer weiter zu verbessern und an neue Technologien und sich ständig verändernde Kundenerwartungen anzupassen.

Bildnachweis: ©istockphoto/gorodenkoff

Über den Autor

Martin Wiersch Martin Wiersch ist seit über 25 Jahre im E-Commerce tätig und hat dabei an unterschiedlichen Stationen Erfahrungen in den Bereichen Marketing, E-Business und Customer-Relationship-Management gesammelt. Aktuell ist Martin Wiersch Senior Sales Engineering Director bei Digital River in Köln, einem Anbieter von Payment- und E-Commerce-Lösungen, und hilft dort Kunden ihre internationalen D2C-Vertriebskanäle auszubauen. www.digitalriver.com
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