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Die Bedeutung des Standortes für stationäre Geschäfte
Marktstrategie

Die Bedeutung des Standortes für stationäre Geschäfte

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Um ausreichende Hintergründe zur Thematik zu erhalten, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Fragestellungen, welche Bedeutung ein guter Standort für stationäre Geschäfte grundsätzlich hat und welche Kriterien hierfür eine Rolle spielen. Daran zeigt sich gleichzeitig zumindest in Teilen, wo die grundsätzlichen potenziellen Probleme liegen können.

Wichtige Faktoren für die Auswahl

Um eine passende Location für ein stationäres Geschäft zu finden, sollten vor allem eine Reihe von Standortfaktoren, die für eine zielführende Auswahl zentral sind, berücksichtigt werden. Dazu gehört unter anderem der Zugang für die Zielgruppe, die Größe des Objektes und die Kosten, die für Letzteres entstehen. Zusätzlich sollten die Infrastruktur vor Ort sowie die Konkurrenzsituation berücksichtigt werden. So ist es zum Beispiel wenig sinnvoll, eine Bäckerei in einer Straße zu eröffnen, in der es bereits mehrere solcher Geschäfte gibt.

Quelle: Küche & Co –  Zielführende Auswahl der Standortfaktoren

Mögliche Probleme bei Fehlern

Wenn die entsprechenden Kriterien bei der Wahl des Standortes nicht berücksichtigt werden, resultieren daraus oftmals eine ganze Reihe von Problemstellungen. Bei einer schlechten Lage für den Direktverkauf können zum Beispiel die Kunden ausbleiben.

Zu hohe Kosten für ein Objekt, die sich durch die Einnahmen nicht refinanzieren lassen, bringen ein Geschäft relativ schnell an den Rand der Insolvenz. Insgesamt haben falsche Entscheidungen bei der Standortwahl oftmals negative wirtschaftliche Auswirkungen zur Folge.

Zusätzlich können sich selbst bei der passenden Standortwahl mit der Zeit Probleme ergeben. Das gilt vor allem dann, wenn die Umgebung sich aus verschiedenen Gründern verändert oder Herausforderungen auftreten, die den gesamten stationären Handel betreffen und bremsen.

Herausforderungen für den stationären Handel

Mit vielen solcher Herausforderungen hat der stationäre Handel bereits seit einiger Zeit zu kämpfen. Einige sind kürzlich aufgetreten, andere wiederum schon länger bekannt. Zu den Problemstellungen zählen unter anderem:

  • die Corona-Pandemie,
  • die Zunahme des Online-Handels
  • sowie steigende Mieten in den Städten.

Die Corona-Pandemie als Herausforderung

Die Corona-Pandemie hat viele Branchen vor große Herausforderungen gestellt. Im Besonderen galt und gilt das für den stationären Handel. In den Phasen der Lockdowns mussten die Geschäfte schließen, was für viele Läden drastische Auswirkungen hatte.

Zum einen blieben die Einnahmen aus, zum anderen mussten die Betreiber weiterhin Kosten tragen, unter anderem für die Miete und das Personal. Abgefedert wurden diese Effekte durch staatliche Hilfen, allerdings reichten diese in einigen Fällen nicht aus, um über einen längeren Zeitraum bestehen zu können. Gerade kleinere Geschäfte haben die Folgen dieser Zeit teilweise gar nicht überstanden und mussten schließen. Aber auch bekannte und größere Ketten aus den Bereichen Mode und Gastronomie hatten Probleme, mussten Filialen schließen oder sogar Insolvenz anmelden.

Abseits der Zeiten des Lockdowns hat die Pandemie ebenfalls zumindest bis zu einem gewissen Grad negative Konsequenzen gehabt. So gibt es Personengruppen, für die das Virus eine große gesundheitliche Gefahr darstellt und die daher sicherlich seltener einkaufen gehen als vor Corona. Zusätzlich gab es lange Zeit Einschränkungen für Personen, die nicht geimpft, getestet oder genesen waren. Durch die Schließungen von Geschäften in urbanen Räumen aufgrund der Pandemie leidet außerdem das Stadtbild, was einen Einkaufsbummel weniger attraktiv macht.

Zunahme des Online-Handels

Parallel dazu hat der Online-Handel stark zugenommen. Dieses Phänomen war bereits vor der Pandemie zu beobachten. Jedoch hat der Aufschwung des E-Commerce durch die Schließungen der Geschäfte in den Lockdown-Phasen einen weiteren Schub erhalten. Durch die Optionen im Netz konnten die Menschen weiter die von ihnen gewünschten Produkte erhalten. Gerade der Komfort, von zu Hause aus schnell und einfach einkaufen zu können, macht den Online-Handel insgesamt sehr attraktiv.

Zusätzlich gibt es in einigen Sparten günstigere Preise, mit denen die stationären Händler kaum konkurrieren können. Auch nach den Lockdowns hat der Aufwärtstrend im E-Commerce angehalten, die prozentuale Steigerung im Vergleich zum Vorjahr wird allerdings nach bisherigen Prognosen im Jahr 2022 sinken.

Wie rasant der Online-Handel bereits seit der Jahrtausendwende wächst, zeigt sich sehr deutlich anhand der Netto-Umsatzzahlen in dieser Sparte in der Bundesrepublik. Während die Umsätze im E-Commerce im Jahr 2001 noch 1,6 Milliarden Euro betrugen, lag der Wert im Jahr 2019 bei 59,2 Milliarden. 2021 konnten Online-Händler bereits Umsätze von 86,7 Milliarden Euro verbuchen, was einmal mehr den drastischen Anstieg durch die Corona-Pandemie veranschaulicht.

Steigende Mieten in den Städten

Ein zusätzliches Problem sind die steigenden Mieten. Vor allem in den Großstädten ist dieses Phänomen zu beobachten. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch den stationären Geschäften bereitet es Probleme.

Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Höhere Mieten bedeuten, dass umfangreichere Umsätze nötig sind, um Gewinne zu erzielen. Ist das nicht der Fall, muss der Unternehmer ab einem gewissen Zeitpunkt die Wirtschaftlichkeit seines Geschäftes infrage stellen.

Wie drastisch die Mieten gestiegen sind, zeigt sich bei einem Blick auf die Erhöhung der Kosten für Wohnungen in großen deutschen Städten zwischen den Jahren 2010 und 2020. So sind die Mietpreise für den Wohnraum in diesem Zeitrahmen in Berlin um 112 Prozent gewachsen, in München um 68 Prozent. In Wolfsburg gab es eine Veränderung um 64 Prozent, in Augsburg um 62 Prozent.

Mögliche Lösungen

Vor diesen Hintergründen muss von verschiedenen Seiten überlegt werden, welche möglichen Lösungsansätze es geben kann, um den stationären Handel zu unterstützen und für Unternehmer in Zukunft attraktiv zu gestalten. Unter anderem spielen dabei eine Rolle:

  • das Ausweichen auf Omnichannel-Lösungen,
  • politische Anreize
  • sowie gemeinsame Initiativen und Aktionen von Händlern.

Ausweichen auf Omnichannel-Lösungen

Omnichannel-Lösungen bezeichnen das geschickte Kombinieren der Vorteile von E-Commerce und dem stationären Handel. Ein gängiges Konzept hierfür, das immer mehr Zuspruch gewinnt, ist das sogenannte Click & Collect-Modell.

Hierbei kauft der Kunde ein Produkt im Netz und geht es dann in einem stationären Geschäft in seiner Nähe abholen. Die Idee bringt für alle Seiten Vorteile mit sich. So muss der Kunde nach der Bestellung nicht, wie beim E-Commerce üblich, einen oder mehrere Tage auf seine Lieferung warten.

Für das jeweilige Geschäft besteht der Vorteil, dass die auf diesem Weg generierten Umsätze dazu beitragen, dass die lokale Filiale auf Basis der Mischung aus Online- und Offline-Konsumenten wirtschaftlich bleibt. Gleichzeitig kann das Modell Vorteile für die Nachhaltigkeit haben, wenn lange Transportwege für ein bereits in der Region verfügbares Produkt gespart werden.

Politische Anreize

Neben den Händlern gibt es wichtige Akteure in der Politik, die einen Anteil zum Erhalt der Attraktivität des stationären Handels beitragen können. Das gilt gleich auf mehreren Ebenen. So kann zum Beispiel versucht werden, durch gesetzliche Regelungen den Mietanstieg in den Großstädten einzudämmen.

Das hätte für stationäre Geschäfte wie für Privatpersonen Vorteile. Zusätzlich können die Verantwortlichen überlegen, wie der jeweilige urbane Lebensraum im Rahmen des Stadtmarketings für Touristen möglichst attraktiv präsentiert werden kann.

Dabei spielen die Kultur und Geschichte sowie Events eine Rolle. Der Grund für die Bedeutung des Stadtmarketings für die stationären Läden liegt auf der Hand: Wenn eine Stadt viele Urlauber anzieht, ist davon auszugehen, dass die lokalen Geschäfte hiervon profitieren werden.

Initiativen und Events durch Zusammenschlüsse der Händler

Händler können abseits der Omnichannel-Lösungen auf weiteren Wegen aktiv werden. So gibt es die Möglichkeit, durch Zusammenschlüsse der Geschäfte in einem bestimmten Stadtteil spannende Marketingaktionen zu organisieren. Dazu gehören zum Beispiel:

  • ein kleines Straßenfest,
  • ein Tag der offenen Tür
  • oder das Einladen eines prominenten Gastes.

Durch die gemeinsame Initiative können Summen für solche Events gesammelt werden, die für ein einzelnes Geschäft kaum zu stemmen wären. Zum einen können solche Aktionen die Menschen im Stadtteil selbst noch einmal auf die Geschäfte in ihrer Umgebung aufmerksam machen. Darüber hinaus zieht die Aktion, sofern sie ein gewisses Echo hervorruft, sicherlich potenzielle Kunden aus anderen Stadtteilen und der Region an.

Fazit

Der stationäre Handel hat mit verschiedenen Herausforderungen wie der Corona-Pandemie, steigenden Mietpreisen in Großstädten sowie dem E-Commerce zu kämpfen. Mögliche Lösungen bestehen im Umsatteln auf Omnichannel-Optionen sowie der Suche nach Zusammenschlüssen mit anderen Händlern in der direkten Nähe. Zusätzlich kann die Politik die stationären Geschäfte in den Städten durch gewisse Entscheidungen unterstützen.

Bildnachweis: ©istockphoto.com/Ekkasit919

Über den Autor

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal", "Mittelstand" und "Karriere". Zuvor hat sie mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet und ist heute noch u.a. im PR-Bereich tätig.
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