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Mitarbeiter binden, Talente anziehen: 5 Wege zu echter Wertschätzung
Gegen Fluktuation

Mitarbeiter binden, Talente anziehen: 5 Wege zu echter Wertschätzung

Porträtfoto von Christian Bernhardt, Dozent
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Fachkräftemangel - neben der geopolitischen Großwetterlage prägten vor allem fehlende Mitarbeiter das Jahr 2022: Züge fielen aus, Restaurants blieben am Wochenende geschlossen, Päckchen kamen später. Diese Symptome bilden erst den Anfang, denn während aktuell ca. zwei Millionen Fachkräfte fehlen, werden es 2030 sechs Millionen sein. Die Situation spitzt sich zu: Neue Talente zu gewinnen und zu binden wird zum überlebenswichtigen Faktor. Wertschätzung ist hierbei das Zauberwort.

Der Teufelskreis der Fluktuation

Wenn Recruiting die Pflicht erfolgreichen Personalmanagements ist, bildet Mitarbeiterbindung die Kür. Wer es schafft, seine Mitarbeiter effektiv zu binden, spart Kosten für Recruiting und Onboarding, schafft die Grundlage, dass die Belegschaft zusammenwächst und öffnet Räume für Synergien. Dagegen schlägt ungewollte Fluktuation aufs Klima, überlastet die Mitarbeiter und stößt einen Teufelskreis an, an dessen Ende oft die nächste Kündigung steht.

Abb. 1: Teufelskreis der Fluktuation. Quelle: ©Christian Bernhardt

Die meisten Arbeitgeber segeln im Blindflug an den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter vorbei

Warum ziehen Talente die Reißleine? Was können Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter effektiver ans Unternehmen zu binden? Eine McKinsey-Studie zeigt, dass Arbeitgeber diese Fragen völlig unterschiedlich beantworten, als ihre Mitarbeiter. Von den vier wichtigsten Gründen, warum Mitarbeiter kündigen, haben Arbeitgeber lediglich den letzten auf dem Schirm, nämlich mangelnde Work Life Balance.

Die meisten Arbeitgeber segeln im Blindflug an den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter vorbei, die drei wichtigsten Kündigungsgründe ihrer Mitarbeiter sind ihnen nicht bewusst. [Abb.2] Worauf kommt es in Bezug auf erfolgreiche Mitarbeiterbindung an? Auf Wertschätzung

Die MyKinsey-Studie zeigt: Die Hauptgründe, warum Mitarbeiter gehen, sind mangelnde Wertschätzung durch die Organisation, und unterlassene Wertschätzung durch die Führungskraft.

Quelle: ©Christian Bernhardt

Blinde Flecken der Wertschätzung

An dieser Stelle zucken viele Führungskräfte unbeteiligt die Schultern: Auf sie trifft das nicht zu – sie führen wertschätzend. Doch die Sicherheit täuscht, denn Wertschätzung ist das, was ankommt. Eine Studie der Stiftung Kraftwerk Anerkennung zeigt, dass zwar 81 % der Führungskräfte der Meinung sind, ihren Mitarbeitern ausreichend Wertschätzung zu erweisen, von diesen beurteilten jedoch 60 % die erwiesene Wertschätzung ihrer Führungskraft als überaus mäßig.

Quelle: ©Christian Bernhardt

Jede zweite Führungskraft schätzte folglich ihre Wirkung falsch ein, von daher hilft ein Vergleich der eigenen Fluktuationszahlen mit dem Branchenschnitt, um zu sehen, wo man steht. Angesichts der sich zuspitzenden Lage an den Fachkräftemärkten, ist es absehbar, dass Unternehmen diese Zahlen in die Zielerreichung integrieren müssen.

5 Wege zu echter Wertschätzung

  1. Wertschätzendes Feedback – Schnell, konkret und fair
  2. Kritik und Wertschätzung: Die Dosis macht das Gift
  3. Füllen Sie den Wertschätzungstank Ihrer Mitarbeiter
  4. So kritisieren Sie respektvoll
  5. Achtsamkeit: der Weg zu echter Wertschätzung in kritischen Situationen

Wertschätzendes Feedback – schnell, konkret und fair

Der renommierte Psychologe Reinhard Haller beschreibt vier Qualitäten, die Wertschätzung vorausgehen: Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Respekt und Anerkennung. [Abb.3] Die meisten Mitarbeiter wollen einen guten Job machen, brauchen hierzu jedoch eine Rückmeldung über die Qualität ihrer Arbeit. Führungskräfte die 12 Monate lang Fehler und Versäumnisse sammeln, um ihren Mitarbeitern dann einmal pro Jahr die Messe zu lesen, treiben ihre besten Mitarbeiter zur Konkurrenz.

Quelle: ©Christian Bernhardt

Die typischen Feedback-Regeln kennen wir: Es sollte schnell erfolgen, konkret sein und natürlich nicht nur bei negativen Punkten erfolgen, dazu später mehr. Viele vergessen aber den wichtigsten Punkt, nämlich, dass Feedback fair zu sein hat. Hierfür braucht es Klarheit über die gegenseitigen Erwartungen. Das mag banal klingen, wird aber vielerorts nicht praktiziert. So gaben in einer Monster-Umfrage 42 % der Befragten an, dass nicht eindeutig geklärte Erwartungen ihrer Führungskraft den größten Demotivator ihrer Arbeit darstellt. [Abb.4]

Wenn sich Mitarbeiter durch den Erwartungsnebel ihrer Führungskräfte tasten müssen, wird die Arbeit zum Glücksspiel. Damit das nicht geschieht, sollten die gegenseitigen Erwartungen erhoben und festgehalten werden, sich dynamisch entwickelnde Rollenbeschreibungen ermöglichen, die Erwartungen kontinuierlich weiterzuentwickeln und stets transparent zu halten.

Kritik und Wertschätzung: Die Dosis macht das Gift

Positives Feedback ist schön, aber auch negative Punkte müssen auf den Tisch. Hier kommt das Verhältnis von positivem zu negativem Feedback zum Tragen. Der Losada Quotient besagt, dass, um eine gute Beziehung zu erhalten, je negativer Rückmeldung drei positive erfolgen sollten. In sehr guten Beziehungen liegt das Verhältnis sogar bei 4:1 und höher. Wertschätzende Führungskräfte unterscheiden zwischen kritischen und unkritischen Fehlern und kritisieren nur erstere.

Füllen Sie den Wertschätzungstank Ihrer Mitarbeiter

Einige Leser werden jetzt die Stirn runzeln und sich fragen, wie das alles gelingen soll? Es gibt nun mal einfach unmotivierte Mitarbeiter, die mehr Gründe zur Klage geben, als für positives Feedback. Es ist ein Dilemma: Es gibt wenig Anerkennenswertes, Banalitäten soll man nicht loben. Und je weniger man lobt, anerkennt und wertschätzt, desto schlimmer wird es. Wie kommt man aus diesem Teufelskreis wieder heraus? Mit den vier Sprachen der Wertschätzung.

Der amerikanische Bestsellerautor Gary Champman hat herausgefunden, dass Menschen im Beruf auf 4 unterschiedliche Arten von Wertschätzung reagieren. [Abb.5] Spricht die Führungskraft einen Mitarbeiter nicht in seiner Sprache an, fühlt sich dieser auf einer tieferen Ebene nicht wertgeschätzt: sein Wertschätzungstank leert sich und er verabschiedet sich innerlich.

Die Ergebnisse lassen nach und ein Teufelskreis entsteht. Diesen Prozess gilt es umzudrehen. Der erste Schritt dahin ist, die Sprache der Wertschätzung des Mitarbeiters zu registrieren, um dann bewusst in dieser mit ihm zu kommunizieren. Dadurch füllt sich der Tank wieder, die Motivation kehrt zurück und damit auch die Gründe für vermehrtes positives Feedback.

Die 4 Sprachen der Wertschätzung sind:

  1.  Explizites Lob und verbale Anerkennung
  2. Gemeinsam verbrachte Zeit
  3. Unterstützung und Hilfe
  4. Materielle Zuwendungen

Quelle: ©Christian Bernhardt

So kritisieren Sie respektvoll

Neben dem Inhaltlichen kommt vor allem der Form des Feedbacks tragende Bedeutung zu. Eine hervorragende Technik hierfür bildet die Ich-Botschaft, die sich in vier Schritte unterteilt:

  1.  Objektive Beschreibung der Wahrnehmung des Mitarbeiter-Verhaltens
  2. Beschreibung der Wirkung auf die Führungskraft
  3. Emotionale Auswirkung bei der Führungskraft
  4. Wunsch oder Erwartung an den Mitarbeiter

Ein Beispiel könnte lauten:

  1.  Lieber Mitarbeiter. Wir hatten im letzten Meeting vereinbart, dass wir wieder mindestens dreimal pro Woche ins Büro kommen. Ich habe dich letzte Woche jedoch nur am Donnerstag hier gesehen.
  2. Das wirkt auf mich, als ob es dir noch schwerfällt, zum alten Rhythmus zurückzukehren.
  3. Das verunsichert mich, weil ich nicht weiß, ob bei dir alles ok ist oder ob du unsere Abmachung nicht ernst nimmst.
  4. Von daher erwarte ich, dass du zukünftig dreimal pro Woche ins Büro kommst bzw. ich wünsche mir, dass du bei Problemen, die getroffenen Vereinbarungen entgegenstehen, offen auf mich zukommst.

Achtsamkeit: Der Weg zu echter Wertschätzung in kritischen Situationen

So wirkungsvoll Kommunikationstechniken wie die Ich-Botschaft sind, um kritische Themen respektvoll anzusprechen, so schwer ist es, sie in der Hitze des Gefechts zu aktivieren. Es gibt einfach Mitmenschen, die drücken bei uns alle Knöpfe. Ehe wir uns versehen, werden wir emotional und schießen mit destruktiver Kritik um uns. Wenn die Emotionen kommen, geht der Verstand. Das ruiniert regelmäßig die Beziehung: wir alle haben schon erlebt, wie schnell ein falsches Wort eine langgepflegte Beziehung beschädigen kann.

Die Lösung, um auch in kritischen Situationen respektvoll und wertschätzend zu bleiben, liegt in der Erhöhung der eigenen Achtsamkeit. Richten Sie Ihr Bewusstsein nach innen, sobald Sie eine Situation emotional triggert und beobachten Sie, was in Ihnen vorgeht. Wut, Entrüstung und Enttäuschung sind recht grobe und oberflächliche Emotionen, denen tieferliegende Ursachen zu Grunde liegen.

Wer es schafft sie vorbeiziehen zu lassen und innerlich beobachtet, was für Bilder und Empfindungen folgen, lernt mehr über sich selbst und entwickelt sich dadurch weiter. Wenn Führungskräfte es schaffen, auf diese Art und Weise zunächst bei sich zu bleiben, gelingt es im Anschluss leichter, das Verhalten des Mitarbeiters respektvoll zu thematisieren.

Echte Wertschätzung: Klar, achtsam, individuell, fair und regelmäßig

Wertschätzung ist nicht alles, aber ohne Wertschätzung ist alles nichts. In Zeiten enger Fachkräftemärkte können sich die besten Talente aussuchen, wo sie arbeiten. Sie wählen hierfür ein Umfeld, in dem sie sich wohl und anständig behandelt fühlen. Wertschätzende Führungskräfte bleiben in kritischen Situationen achtsam und begegnen ihren Mitarbeitern so, dass sich jeder einzelne anerkannt und gesehen fühlt. Sie schaffen Klarheit über die ihre Erwartungen und geben schnell, konkret und respektvoll Feedback. So binden sie ihre Mitarbeiter und schaffen ein Arbeitsklima, das Talente aus Unternehmen, in denen weniger wertgeschätzt wird, anzieht.

Bildnachweis: ©istockphoto.com/metamorworks

Über den Autor

Porträtfoto von Christian Bernhardt, Dozent

Christian Bernhardt Christian Bernhardt ist Dozent, Autor, Berater und Speaker für Lösungen gegen den Fachkräftemangel. Sein Fachbuch zur nonverbalen Kommunikation im Recruiting erreichte 2019 die Amazon Bestsellerliste und wurde 2022 ins Englische übersetzt. Sein Buch „Echte Wertschätzung“ erschien 2022 und erreichte ebenfalls die Amazon Bestsellerliste. Er berät Unternehmen zum Fachkräftemangel und hält Vorträge und Trainings in Deutschland und der Schweiz. www.bernhardt-trainings.com  
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