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Homeoffice und Büro: Wie Kaffeekultur die Produktivität beeinflusst
Arbeitskultur

Homeoffice und Büro: Wie Kaffeekultur die Produktivität beeinflusst

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Wer regelmäßig im Homeoffice arbeitet, kennt beide Seiten von Remote Work: Mehr Freiheit und Flexibilität – aber auch weniger spontane Begegnungen im Arbeitsalltag. Statt sich beim Kaffee mit Kollegen auszutauschen, bleibt oft nur die eigene Tasse am heimischen Schreibtisch. Klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Doch gerade diese informellen Kontakte erfüllen im Arbeitsalltag eine wichtigere Funktion, als viele denken.

„Ein lockeres Gespräch ist keine Arbeit – und produktiv bin ich nicht, wenn ich nur quatsche.“ Ganz so einfach ist es nicht. Gerade die spontanen Gespräche im Büro haben oft mehr Wert, als man denkt. Beim Kaffee, auf dem Flur oder in der Mittagspause entstehen Kontakte, Ideen und Lösungen, die in einem geplanten Meeting vielleicht nie zustande gekommen wären.

Die einen nennen das Kaffeekultur im Büro, die anderen sprechen vom Wasserspender-Effekt. Gemeint ist dasselbe: Zufällige Begegnungen können die Zusammenarbeit und damit auch die Produktivität fördern.

Wasserspender-Effekt: Warum Smalltalk im Büro mehr ist als Zeitvertreib

Wo wird im Büro gearbeitet? Die naheliegende Antwort lautet: Am Schreibtisch oder im Besprechungsraum. Kaffeemaschine, Wasserspender und Pausenraum gelten dagegen eher als Orte für kurze Auszeiten. Dabei passiert gerade dort oft etwas Wichtiges: Mitarbeitende kommen miteinander ins Gespräch, die sich sonst vielleicht kaum begegnen würden. Man unterhält sich beim Mittagessen mit einem Kollegen aus einer anderen Abteilung – und erinnert sich einige Tage später an ihn, weil er genau bei einem aktuellen Problem helfen könnte.

Das ist der Wasserspender-Effekt (engl. Watercooler-Effect): Ein beiläufiges Gespräch schafft Verbindungen, aus denen später ganz konkrete Zusammenarbeit entstehen kann.

Wie die Kaffeeküche zum Treffpunkt im Unternehmen wurde

Der Begriff geht auf die ersten Wasserspender zurück, die Ende der 1940-er Jahre in Großraumbüros in den USA aufgestellt wurden. Sie wurden schnell zu Treffpunkten. Beim Auffüllen des Bechers kamen die Beschäftigten ins Gespräch. Was zunächst wie unnötiger Büroklatsch wirkte, erwies sich mit der Zeit als durchaus nützlich.

Solche Begegnungen fördern den Austausch zwischen Abteilungen, stärken persönliche Beziehungen und schaffen Raum für neue Ideen. Der Wasserspender wurde damit zum Sinnbild für informelle Kommunikation im Unternehmen. Später übernahm in vielen Büros die Kaffeemaschine diese Rolle. „Kaffee ist im Büro weit mehr als ein Getränk. Er schafft kleine Unterbrechungen im Arbeitsalltag, bringt Kollegen informell zusammen und kann so den Austausch, die Zusammenarbeit und das Gemeinschaftsgefühl im Team stärken. Gerade in Zeiten hybrider Arbeit gewinnt eine bewusst gepflegte Kaffeekultur damit auch eine soziale Funktion“, sagt Djamila Brandt, Filialleiterin bei Coffee Friend. Das Unternehmen vertreibt auch Kaffeemaschinen für Büros.

Homeoffice verändert den informellen Austausch

Mit dem Aufstieg des Homeoffice hat sich diese Form der Kommunikation verändert. Wer zu Hause arbeitet, begegnet auf dem Weg zur Kaffeemaschine keinem Kollegen aus einer anderen Abteilung. Es gibt kein spontanes Gespräch über ein Projekt und keinen beiläufigen Tipp beim Mittagessen.

Natürlich bringt das Homeoffice viele Vorteile: Mehr Flexibilität, weniger Pendelzeit und häufig auch mehr Ruhe für konzentriertes Arbeiten. Doch gleichzeitig fehlt ein Teil jener zufälligen Begegnungen, die im Büro ganz selbstverständlich entstehen. Das betrifft nicht nur den Smalltalk. Auch Zusammenarbeit, Zusammenhalt und das Gefühl, Teil eines Teams zu sein, können darunter leiden.

Virtuelle Kaffeepausen sollen spontane Gespräche ersetzen

Viele Unternehmen versuchen deshalb, den Wasserspender-Effekt ins Digitale zu übertragen. Dazu gehören virtuelle Kaffeepausen über Microsoft Teams oder informelle Slack-Kanäle. Auch Anwendungen von Software-Tools wie Gather oder Donut sollen dabei helfen, Beschäftigte miteinander ins Gespräch zu bringen, die im normalen Arbeitsalltag wenig Kontakt hätten.

Die Idee ist nachvollziehbar. Doch echte Spontaneität lässt sich nur schwer planen. Sobald die „zufällige Kaffeepause“ als Termin im Kalender steht, ist sie eben nicht mehr ganz zufällig.

Homeoffice und Büro sinnvoll verbinden

Für Unternehmen geht es deshalb weniger darum, den Büroalltag vollständig digital nachzubauen. Entscheidend ist vielmehr, die Vorteile beider Arbeitswelten miteinander zu verbinden. Homeoffice kann konzentriertes und flexibles Arbeiten ermöglichen. Das Büro bietet dagegen etwas, das digital nur schwer zu ersetzen ist: Spontane, persönliche Begegnungen. Ob an der Kaffeemaschine, beim Mittagessen oder kurz auf dem Flur – solche Gespräche sind nicht automatisch verlorene Arbeitszeit. Manchmal entsteht gerade dort die Idee, der Kontakt oder die Lösung, die einen später bei der eigentlichen Arbeit weiterbringt.

1. „Water cooler“ effect may improve scientific research. Harvard Magazine, April 19, 2011.

Bildnachweis: istockphoto.com/Harbucks

Über den Autor

Porträtfoto vonPorträtfoto vonPorträtfoto von Carolin Fischer, Content-Managerin und Redakteurin für onpulson.de, einem Fachportal für Unternehmer und Führungskräfte aus dem Mittelstand

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal", "Mittelstand" und "Karriere". Zuvor hat sie mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet und ist heute noch u.a. im PR-Bereich tätig.
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