Was Logistikunternehmen für KI-Kompetenz zahlen
Die Logistik setzt immer stärker auf KI, doch vielen Betrieben fehlen die Leute, die damit umgehen können. Wie teuer das inzwischen wird, zeigt ein Blick in die Stellenanzeigen. In keiner anderen Berufsgruppe sind die Gehälter zuletzt so stark gestiegen.
KI gehört in vielen Lagern längst zum Alltag. Wer heute einer Disponentin über die Schulter schaut, sieht KI an vielen Stellen. Das System schlägt Touren vor, schätzt Ankunftszeiten, liest Lieferscheine aus und meldet, wenn ein Artikel knapp wird.
Eingeführt ist so ein Tool oft in wenigen Wochen. Danach fängt die Arbeit erst richtig an. Jemand muss die Stammdaten sauber halten, die Vorschläge der Software prüfen und entscheiden, wann man ihr besser nicht folgt. Genau diese Leute fehlen vielerorts.
Einen Hinweis darauf, was diese Lücke kostet, liefert der WBS TRAINING Gehalts- und Jobreport. Dafür wurden gut 10,2 Millionen Stellenanzeigen aus dem Jahr 2025 ausgewertet. Hier wird deutlich, dass in der Berufsgruppe Transport, Verkehr und Logistik die angebotenen Gehälter um 15,9 % stiegen. Bei allen anderen Gruppen liegt das Plus zwischen 0,1 und 6,6 %.
So sieht der Vergleich mit anderen Berufsgruppen aus:
| Berufsgruppe | Ø Gehalt in Stellenanzeigen 2025 | Veränderung zu 2024 |
| Transport, Verkehr, Logistik | 35.137 € | +15,9 % |
| Technische Berufe | 46.189 € | +6,6 % |
| Vertrieb, Verkauf | 44.323 € | +5,5 % |
| Bauwesen, Handwerk | 39.554 € | +4,9 % |
| IT, Telekommunikation | 69.378 € | +2,1 % |
| Personalwesen | 49.883 € | +0,1 % |
Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Mit durchschnittlich 35.137 € gehört die Logistik weiterhin zu den schlechter bezahlten Branchen. Auch die Zahl der ausgeschriebenen Stellen ist leicht gesunken, auf rund 888.000. Trotzdem legen die Arbeitgeber beim Gehalt kräftig nach. Das spricht für einen Wettbewerb um bestimmte Qualifikationen.
Gesucht werden Leute, die beide Welten kennen
Gründe für den Anstieg nennt der Report selbst nicht. Eine Bitkom-Befragung unter Logistikunternehmen vom September liefert aber einen naheliegenden Grund: Mehr als die Hälfte der Betriebe gibt dort an, dass ihnen die Expertise fehlt, um KI in die eigenen Prozesse einzubinden.
Schwer zu finden sind dabei vor allem Menschen, die den Betrieb kennen und trotzdem sicher mit Daten umgehen. Das ist etwa die Disponentin, die einen Tourenvorschlag auf Plausibilität prüft. Oder der Lagerleiter, der Supply Chain Management und ERP-System zusammendenkt. Auch SAP gehört laut Report gerade in der Logistik zu den meistgefragten Kenntnissen.
Wer solche Leute einem Wettbewerber abwerben will, muss mehr bieten. Dazu passen die steigenden Gehaltsangebote.
Was Unternehmen stattdessen tun können
Mit einem höheren Gehalt lässt sich eine einzelne Stelle besetzen. Die Lücke in der Branche schließt das nicht, die Fachkraft fehlt dann eben woanders. Mehr bringt es, die eigenen Leute weiterzuqualifizieren, die Abläufe und Systeme schon kennen.
Der JobReport zeigt, dass beruflich qualifizierte Fachkräfte am Arbeitsmarkt an Wert gewinnen: Ihre ausgeschriebenen Gehälter stiegen über alle Berufsgruppen hinweg durchschnittlich um 7 %, bei Führungskräften waren es 2 %.
Qualifizierte Fachkräfte sind gefragter denn je. Während Führungspositionen in einigen Bereichen unter Druck geraten, wächst die Bedeutung von Fachexpertise spürbar und damit auch ihr Marktwert.
So bauen Betriebe KI-Kompetenz auf
Dafür braucht es kein großes Weiterbildungsprogramm. Für den Einstieg genügen meist schon drei Schritte.
1. Mit einem konkreten Anwendungsfall anfangen
Viele KI-Schulungen erklären vor allem, wie die Technik funktioniert. Wer Touren plant, muss aber nicht wissen, wie neuronale Netze funktionieren. Wichtiger ist, zu erkennen, wann ein Vorschlag des Systems nicht aufgeht, etwa weil eine Rampe gesperrt ist oder ein Kunde nur vormittags Ware annimmt.
Weiterbildung sollte deshalb an einem konkreten Anwendungsfall ansetzen. Daran zeigt sich schnell, welches Wissen im Team fehlt.
2. Schulungen nach Rolle staffeln
Viele Logistikunternehmen bieten bereits KI-Schulungen an. Laut Bitkom erreichen sie damit nur selten die ganze Belegschaft. Grundlagen brauchen aber alle, die mit KI-Systemen arbeiten. Wer täglich damit plant, disponiert oder Daten pflegt, sollte zusätzlich eine Vertiefung für die eigene Aufgabe erhalten.
Um das Thema kommt ohnehin kein Betrieb herum. Seit Februar 2025 verlangt die KI-Verordnung der EU, dass Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten fördern, sobald diese mit KI-Systemen arbeiten.¹
3. Das Wissen im Haus behalten
Für den Start holen sich viele Betriebe einen Dienstleister dazu. Das ist vernünftig, solange das Wissen nicht beim Dienstleister bleibt. Sonst steht man beim nächsten System wieder am Anfang.
Es hilft, früh feste Ansprechpersonen in den Abteilungen zu benennen, die neue Anwendungen testen und im Team weiterhelfen.
Was kostet die Lücke im eigenen Haus?
Zwei Entwicklungen treffen damit aufeinander: Die ausgeschriebenen Gehälter in Transport, Verkehr und Logistik steigen außergewöhnlich stark, während vielen Logistikunternehmen gleichzeitig Fachkräfte und KI-Know-how fehlen. Für Unternehmen stellt sich deshalb umso stärker die Frage, welche Kompetenzen sie extern rekrutieren müssen und welche sie gezielt im eigenen Team entwickeln können.
Gerade dort, wo Beschäftigte bereits über Prozess- und Branchenwissen verfügen, kann Weiterbildung eine sinnvolle Ergänzung zur externen Rekrutierung sein. Das kostet meist weniger als hohe Marktgehälter, und die Leute kennen die Abläufe schon. Für Mittelständler lohnt sich das.
Zum Job- und Gehaltsreport
Der Job- und Gehaltsreport 2026 von WBS TRAINING basiert auf gut 10,2 Millionen Stellenanzeigen. index Research hat sie von Januar bis Dezember 2025 ausgewertet und mit dme Vorjahr verglichen. Grundlage sind rund 967.000 Firmen-Webseiten, etwa 400 Online-Jobbörsen und Printmedien sowie die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit. Die Gehaltswerte beruhen ausschließlich auf Anzeigen mit konkreter Bruttogehaltsangabe.
Literatur&Weblinks
¹ KI-Kompetenz. Bundesnetzagentur.
Bildnachweis: Depositphotos.com/ake1150sb

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