Arbeitsplatzgestaltung

Die Vor- und Nachteile von Tieren am Arbeitsplatz

Grundsätzliches über Tiere am Arbeitsplatz

Oberster Grundsatz bei der Lösung  des Problems „ Tiere am Arbeitsplatz“ ist das Arbeitsrecht. In Deutschland besagt dieses, dass Mitarbeiter hier zunächst keine rechtliche Handhabe besitzen, um etwa vor Gericht eine Erlaubnis zum Mitbringen des Tiers an den Arbeitsplatz zu erzwingen. Daher hängt die Entscheidung Pro oder Contra Haustier im Büro letzten Endes vom zuständigen Vorgesetzten ab. Eine typische Vorgehensweise für Angestellte mit einem solchen Wunsch könnte daher folgendermaßen aussehen:

  • Zunächst wird im Kollegenkreis angefragt, was diese von der Idee halten.
  • Anschließend kann die Frage bei einer Vertrauensperson des Vorgesetzten (etwa der Büroassistenz) stehen, wie denn „der Chef“ über Haustiere denken könnte.
  • Erst wenn diese Schritte „grünes Licht“ vermittelten, steht die direkte Anfrage beim Entscheidungsträger an.

Dabei sollte auch von skeptischen Führungskräften eines beachtet werden: Keine Entscheidung, die aufgrund einer solchen Frage getätigt wird, hat Bestand für die Ewigkeit, sondern nur bis auf Widerruf. Das bedeutet, selbst wenn Sie nach Abwägung aller Vor- und Nachteile dem Mitarbeiter erlauben, seinen Beagle mit ins Büro zu bringen, kann diese Erlaubnis jederzeit wieder rückgängig gemacht werden, wenn sich das Tier nachteilig auf den Arbeitsalltag auswirken sollte. Zu empfehlen ist hierbei das schriftliche Fixieren den Erlaubnis.

Jedoch sollte eine solche Entscheidung nicht nur von Vorgesetzen alleine gefällt werden, sondern nach Rücksprache mit dem Kollegenkreis. Denn auch wenn Sie als Entscheidungsträger selbst keine Hürden sehen, so kann es immer auch Kollegen geben, die etwa auf besagtes Tier allergisch reagieren oder aus sonstigen Gründen große Bedenken gegen ein Tier im Büro hätten (etwa Panik vor Hunden).

Im Zweifelsfall sollte daher vor der endgültigen Erlaubnis nicht nur die Frage an die Kollegenschaft von Seite des Vorgesetzten aus stehen. Selbst wenn erstgenannte kein Problem mit dem Tier hätten, so sollte trotzdem eine Art „Probezeit“ für Bello oder Miez gelten. Erst wenn nach dem Ablauf dieser Zeit immer noch keine Bedenken gegen das Tier vorliegen, kann eine Erlaubnis erteilt werden.

Hunde am Arbeitsplatz

In den überwiegenden Fällen, in denen um die Erlaubnis gebeten wird, ein Haustier mit auf die Arbeit bringen zu dürfen, wird es sich um Besitzer von Hunden handeln. Das liegt vor allem daran, dass sehr viele Hunde äußerst menschgebunden sind. Daher verursachen sie schnell Probleme, wenn sie pro Tag zehn oder mehr Stunden, die Herrchen oder Frauchen wegen der Arbeit nicht im Haus sind, alleine bleiben müssen. Zwar sollte generell vor dem Gang zu einem Hundezüchter die Frage stehen, ob ein solches Tier mit der eigenen beruflichen Situation vereinbar ist, aber es gibt natürlich auch Fälle, bei denen der Mitarbeiter erst in die Firma eintritt, nachdem ein solches Tier schon lange in seinem Besitz ist. Vor allem dann kann das Tier stark darunter leiden, plötzlich täglich von seinem Bezugspartner Mensch für mehrere Stunden getrennt zu sein – ständiges Jaulen, sowie Schäden an der Einrichtung könnten die Folge sein. Daher wäre es – alleine aus der Sicht des Tierwohls – durchaus von Vorteil, es mit zur Arbeit zu bringen.

Vorteile von Hunden am Arbeitsplatz

Neben den genannten Vorteilen für das Tier selbst kann der Hund unter dem Bürotisch auch für den Besitzer Vorteile mit sich bringen: So etwa ist der die Sorge los, sich um sein Tier Gedanken machen zu müssen und hat „den Kopf frei“ für die Arbeit. Zudem kann auch ein Hund gut für die Moral nicht nur seines Besitzers sondern im Idealfall des ganzen Teams sein: Tiere am Arbeitsplatz können das Stresslevel senken – Fachleute sind sogar überzeugt davon, dass sich durch ein paar Minuten „Hundekraulen“ das Wohlbefinden spürbar steigern lässt.

Ein Hund unter dem Schreibtisch hat nur dann Vorteile, wenn er sich anpasst, und auch das Team keine Einwände hat.

Ein Hund unter dem Schreibtisch hat nur dann Vorteile, wenn er sich anpasst, und auch das Team keine Einwände hat. Bildquelle: JanDix (CC0-Lizenz) pixabay.com

Ein nicht zu unterschätzender Nachteil in Unternehmen mit hoher Kundenfrequenz im Haus: Je nach Größe kann ein Hund auch durchaus abschreckend auf potenzielle Diebe und andere Kriminelle wirken. Und nicht zuletzt schläft auch ein Großteil aller Hunde deutlich länger als 15 Stunden am Tag. So könnte selbst ein ausgewachsener Schäferhund, der friedlich unter dem Schreibtisch schläft, kaum für Störungen sorgen.

Dennoch bringt ein Hund im Büro unter Umständen aber nicht nur Vorteile mit sich. Neben den bereits genannten allergischen Reaktionen anderer Personen können auch noch weitere Contra-Punkte hinzukommen.

Nachteile von Hunden am Arbeitsplatz

Neben der schlichten Möglichkeit, dass sich der Hund als inkompatibel mit den Kollegen herausstellt, kann es natürlich auch vorkommen, dass er durch Verspieltheit den Arbeitsablauf behindert. Sofern es sich um einen großen Hund handelt, kann dieser trotz eines vielleicht harmlosen Charakters auch abschreckend auf Kunden wirken. Und nicht zuletzt stünde auch die Möglichkeit im Raum, dass sich durch seine Anwesenheit andere Mitarbeiter aus kulturellen Gründen gestört fühlen. Hunde gelten nicht in jedem Kulturkreis als freundliche Familientiere.

Außerdem muss auch immer die Schadensseite im Auge behalten werden: Was passiert, wenn der Hund einen Kunden beißen würde? Natürlich wäre in dem Fall die Versicherung des Halters zur Regulierung des Schadens verpflichtet. Aber wie groß wäre der Image-Schaden für Ihr Unternehmen? All diese Aspekte sollten sorgsam bedacht und auch im Rahmen einer „Hunde-Probezeit“ überwacht werden, bevor eine Erlaubnis erteilt wird.

Andere Tiere am Arbeitsplatz

Natürlich kann es auch vorkommen, dass einer Ihrer Mitarbeiter mit der Bitte an Sie herantritt, ein anderes Haustier für längere Zeit mit zur Arbeit mitbringen zu dürfen. Im Falle von Katzen, vielleicht Nagetieren oder Vögeln und Fischen reduzieren sich zwar manche Probleme, die ein Hund mit sich bringen könnte, jedoch können sich auch andere Faktoren verstärken. Aus Sicht der genannten Tierarten wäre es problemlos möglich, diese auch über mehrere Stunden hinweg alleine zu lassen.

Im Falle von Nagetieren wie Hamstern usw. handelt es sich darüber hinaus sogar um nachtaktive Tiere, sodass diese es in vielen Fällen nicht einmal bemerken würden, wenn der Besitzer nicht in der Nähe ist. All diesen Tieren ist gemeinsam, dass sie wesentlich weniger menschlichen Kontakt benötigen, als ein Hund. Allein von dieser Warte aus betrachtet, wäre die Erlaubnis, das Tier mitzubringen, nur eine humane Geste dem Halter gegenüber und nicht dem Tier.

Vorteile anderer Tiere am Arbeitsplatz

Die meisten anderen Tiere, die zur Arbeit mitgebracht werden könnten, sind in den überwiegenden Fällen ruhiger als ein Hund. Katzen und Meerschweine geben keine lauten Geräusche von sich. Und zwitschernde Wellensittiche sind auch weit weniger störend als ein bellender Hund, ihre Laute gehen schnell im „Hintergrundrauschen“ des täglichen Bürobetriebs unter. Nicht zuletzt haben solche Tiere auch ein sehr viel geringeres Drohpotenzial auf Kunden: Die wenigsten Menschen reagieren mit Angst auf einen Hamster, der sein Laufrad in Drehungen versetzt.

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Bürotiere können ein „Moral-Booster“ sein, bringen aber auch Nachteile mitsich. Bildquelle: 77394877 © mariesacha – Fotolia

Und sollte der entsprechende Mitarbeiter ein Freund von Fischen sein, kann ein Aquarium sogar ein durchaus dekoratives Element für den Büroalltag darstellen – wobei sich angesichts der komplexeren Transportierbarkeit von Fischen dann auch die Frage stellen könnte, ob es für die Tiere nicht sogar besser wäre, sie ganz im Büro zu belassen. Zudem bleiben hier die Vorteile des Streichelns weiterhin bestehen: Ein Mitarbeiter, der mitten im Stress steht, kann davon profitieren, ein paar Minuten lang „Maunzi“ auf seinem Schoß zu streicheln.
Jedoch gilt auch bei anderen, vermeintlich weniger problematischen Tieren der Grundsatz, dass Probleme immer entstehen können. Auch vielleicht dort, wie sie nicht vermutet werden.

Nachteile anderer Tiere am Arbeitsplatz

Vor allem bei Nagetieren kann der Geruch zum Problem werden: Sofern die Streu im Käfig nicht regelmäßig gewechselt wird, kann selbst ein Zwerghamster für „dicke Luft“ in einem Büro sorgen – was natürlich auch Kunden nicht verborgen bleiben würde. Abgesehen davon, dass Käfige und Volieren auch einiges an Platz wegnehmen: Vor allem in beengten Räumlichkeiten ein Problem. Von Katzen ist zudem bekannt, dass sie sehr empfindlich auf Störungen in ihrer täglichen Routine reagieren können:

In solchen Fällen kommt es zu äußerst geruchsintensivem Markieren mit Urin und Kratzen an Möbeln. Zudem benötigen Katzen auch zwingend eine Katzentoilette, für die wiederum Platz vorhanden sein muss – aufgrund des Geruchs ginge dies beispielsweise nur in Toiletten oder Abstellräumen.

Und nicht zuletzt lassen sich Katzen auch schlecht in einen (Büro-) Raum sperren und tendieren eher dazu, durch die Räumlichkeiten zu wandern – was wiederum andere Kollegen in ihrer Arbeit stören könnte. Dann stellt sich auch hier die Frage: Was passiert, wenn das Tier jemanden durch Kratzen oder Beißen verletzt? Nicht jede Katze lässt sich gerne kraulen und so kann ein unachtsamer Kollege oder Kunde schnell Schrammen in der Hand haben.

Zusammenfassung und Fazit

Ein Tier am Arbeitsplatz kann ein echter „Moral-Booster“ sein, sofern das ganze Team mit seiner Anwesenheit am Arbeitsplatz einverstanden ist. Wenn auch nur ein Mitarbeiter mit tatsächlich stichhaltigen Gründen gegen das Tier aufwarten kann, sollte von einer Erlaubnis abgesehen werden.

Von großem Vorteil für Führungskräfte kann es hier natürlich sein, dass das Arbeitsrecht ihnen in die Hände spielt. Ein Chef, der seinem Mitarbeiter erlaubt, den „armen“ Hund mit ins Büro zu bringen, hat definitiv eine Person mehr an seiner Seite. Umgekehrt kann sich dies aber zum Bumerang entwickeln, wenn trotz Einwänden dem Wunsch stattgegeben wird. Dadurch können andere Kollegen sich übergangen fühlen „Der Hund von Meier steht für den Chef höher als ich“ könnten die Gedanken sein.

Infolgedessen kann sich eine einmalige Geste für die hundehaltende Mitarbeiterin auch schnell zu einem Schneeballsystem entwickeln, wenn mehrere Mitarbeiter ähnliche Wünsche äußern. Wer also nicht möchte, dass seine Abteilung nach kurzer Zeit einem Zoo gleicht, sollte nach der Maxime vorgehen „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ und dies auch klar und deutlich den Mitarbeitern kommunizieren.


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