Wie Sie in 3 Schritten erfolgreich ein Start-up gründen
Unternehmensgründung

Wie Sie in 3 Schritten erfolgreich ein Start-up gründen

Von Carolin Fischer
Am

Start-ups wecken immer größeres Interesse – dank zahlreicher medial ausgeschlachteter Erfolgsgeschichten oder TV-Sendungen wie „Die Höhle der Löwen“. Sie haben auch eine tolle Idee und möchten damit auf den Markt? Bevor sie voller Enthusiasmus mit dem Start-up an den Start gehen, muss einiges bedacht werden.

1. Schritt: Brainstorming und Ideen-Bewertung

1.1 Kann meine Idee erfolgreich sein?

Sie haben einen Geistesblitz wie Nathan Blecharczyk, Brian Chessky und Joe Gebbia? Drei Namen, die Sie noch nie gehört haben? Das Start-up, das die drei Amerikaner im Jahr 2008 ins Leben riefen, werden Sie aber sicher kennen: In San Francisco gründete das Trio damals airbnb. Was als Idee entstand, als in der kalifornischen Metropole wegen einer Konferenz alle Hotelzimmer vergeben waren, hat sich zu einem Multimillionen-Dollar-Unternehmen entwickelt. Natürlich sind längst nicht alle Start-ups so erfolgreich wie airbnb. Das ist auch kein Wunder. Denn nicht jede Idee entwickelt sich zum Renner. Zudem stürzen sich nur allzu viele Gründer unbedacht in ihr Start-up-Abenteuer.

Bevor Sie die Entscheidung zur Gründung eines Start-ups fällen, sollten Sie deshalb erstmal in allererster Linie darüber nachdenken ob – und falls ja, wie – Ihre Idee erfolgreich sein kann. Sprechen sie darüber mit Freunden oder Beratern – auch wenn dies unter Umständen ein paar Euro kostet. Per Definition unterscheidet ein Start-up ein wesentlicher Faktor von einem „normalen“ Unternehmen – und zwar eine innovative, bestenfalls neue Idee. Dies ist der Grund warum man einen neuen Fliesenleger-Betrieb – im Gegensatz zu airbnb – nicht als Start-up bezeichnet.

1.2 Marktprüfung

Sie denken, „Kein Problem, so eine innovative Idee habe ich“? Dann schauen Sie am besten einmal nach, ob nicht jemand anders schon diesen Einfall hatte. Wenn der Markt bereits gesättigt ist, sollten sie vielleicht besser die Finger davon lassen. Gibt es bereits ähnliche Unternehmen, ist das allerdings noch nicht zwingend das „Aus“ für Ihre Idee. Haben Sie ein Alleinstellungsmerkmal, das Sie von Konkurrenten abhebt? Können Sie einfacher, günstiger oder hochwertiger ihre Ware oder Dienstleistung anbieten? Falls ja, dann sollten Sie am Ball bleiben!

1.3. Persönliche Eignung

Als Start-up-Gründer gehen Sie ein finanzielles Risiko ein. Deshalb sollten sich Gründer genau bewusstmachen, welche monetären Belastungen auf sie (besonders im Falle eines Scheiterns) zukommen. Ferner brauchen Sie eine Menge Durchhaltevermögen. Über Nacht und ohne viel Arbeit ist auch mit einer noch so guten Start-up-Idee niemand von heute auf morgen reich geworden. Sind Sie bereit hin und wieder Nächte durchzuarbeiten oder die Ärmel hochzukrempeln, wenn es mal nicht so läuft? Lautet die Antwort auf diese Fragen nein, dann sollten sie die Finger von einem Start-up lassen.

Ein wichtiger Punkt ist ebenfalls, ob Gründer ein Start-up alleine oder im Team aufziehen wollen. Beides hat Vor- und Nachteile. In einem Team ergänzen sich unterschiedliche Kernkompetenzen, dafür kann es auch mal zu Reibereien und Uneinigkeiten kommen. Alleine haben Gründer die komplette Hoheit über ein Projekt, dafür benötigen sie mehr externe Unterstützung, die unter Umständen richtig viel Geld kosten kann. Hier lohnt ein Blick auf ihre Persönlichkeit: Sind Sie ein Team-Player oder eher ein Einzelkämpfer? Haben Sie das Zeug zur erfolgreichen Führungskraft?

1.4. Kapitalbedarf sowie Chancen und Risiko

Der nächste Schritt ist auszuarbeiten, wie sie ihre Idee in die Praxis umsetzen können. Checken Sie, wie viel Startkapital benötigt wird und wie viel für ihr Produkt/Dienstleistung von Kunden gezahlt werden könnte. Darüber hinaus gilt es, zu ermitteln, wie groß der Markt für das Produkt ist. Will ein Start-up Kletterseile für Extrem-Bergsteiger verkaufen, ist der Kreis potentieller Kunden kleiner als wenn es einen neuen praktischen Küchenhelfer entworfen hat, den jeder „Otto-Normalverbraucher“ haben möchte. Klingt simpel, ist aber unheimlich wichtig! Ferner müssen Sie noch das benötigte Kapital ermitteln und (falls nicht ohnehin vorhanden) sich um dessen Finanzierung kümmern. Bestenfalls haben Sie hierfür schon einen Business-Plan ausgearbeitet.

2. Schritt: Der Business-Plan

Sind Sie nach diesem Brainstorming immer noch voller Überzeugung, dass ihr Start-up ein Erfolg wird, ist der nächste Schritt einen Business-Plan zu erstellen. In ihm steht an erster Stelle eine kurze Beschreibung des Projekts. Diese können Kapitalgeber später nutzen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Die Projektbeschreibung sollte allerdings – obwohl mit ihr der Business-Plan beginnt – erst ganz am Schluss von ihnen verfasst werden.

Der zweite Teil befasst sich mit den Qualifikationen der am Start-up beteiligten Personen sowie der Unternehmensform. Diese sollte mit Bedacht gewählt werden. Wichtig sind dabei nicht nur die Unterschiede in der Haftung der einzelnen Rechtsformen, sondern auch, wie die Geschäftsführung konkret aussieht. Einige Modelle sind für Einzelgründungen geeignet, wie etwa ein Einzelunternehmen und auch eine GmbH oder eine AG kann allein angemeldet werden. Bei anderen Rechtsformen sind mindestens zwei Gründer gefordert – so bei einer GbR, einer OHG oder einer KG.

Bei zwei oder mehreren Gründern ist zu klären, wie die Geschäftsführung z.B. im Falle einer GmbH & Co.KG aufgeteilt ist und wer welche Verantwortungsbereiche übernimmt. Dies ist später bei verschiedenen vertraglichen Anliegen von Bedeutung. Weiter im Business-Plan enthalten sein sollten zudem unter anderem die genaue Geschäftsidee, Produkte und Dienstleistungen, eine Markt- und Branchenanalyse, sowie weitere wichtige Dinge wie ein Finanzplan.

3. Schritt: Gründen, wachsen, expandieren

Seed-Phase

Ist das Brainstorming abgeschlossen, der Business-Plan erstellt und die Frühfinanzierung geklärt, hat der Gründer die sogenannte Seed-Phase überstanden. Gemäß Definition werden Start-ups in vier Phasen unterteil. Die Seed-Phase ist die erste davon.

Start-up-Phase

Sie ist zunächst von Behördengängen geprägt – schließlich wird in ihr die Unternehmensgründung eingeleitet. Dabei gibt es für Unternehmer in der Europäischen Union seit einigen Jahren eine enorme Vereinfachung – den „einheitlichen Ansprechpartner“. In Deutschland stellt jedes Bundesland solche „einheitlichen Ansprechpartner“. Koordiniert wird dieses Angebot vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Allerdings steht der Ansprechpartner nur für bestimmte Unternehmen zur Verfügung. Fällt Ihr geplantes Start-up in einen dieser Bereiche können die den „einheitlichen Ansprechpartner“ kostenlos in Anspruch nehmen, unabhängig davon, ob sie nur Informationen einholen oder tatsächlich gründen möchten. Nach der Gründung umfasst die Start-up-Phase noch den Zeitraum bis das angebotene Produkt oder die Dienstleistung marktreif ist. Die Einführung, das sogenannte Roll-out zählt ebenfalls noch zu dieser Phase.

„Emerging growth“–Phase

In dieser Wachstumsphase steht eine Marktdurchdringung und der Vertriebsaufbau für Start-ups im Vordergrund. Das Unternehmen sollte jetzt die Gewinnschwelle erreichen. Durch das Akquirieren neuer Kunden sollte das Umsatzvolumen in dieser Phase deutlich gesteigert werden. Gelingt dies, bietet sich die Möglichkeit der Ansprache neuer Kapitalgeber – falls benötigt.

Expansionsphase

In ihr hat das Start-up das Ziel (möglicherweise auch mit „frischem Geld“ von Investoren) nach erfolgreicher Marktetablierung weitere Schritte der Expansion durchzuführen. Dies kann durch Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen, aber auch das Erschließen weiterer Vertriebswege oder Märkte geschehen. In der Expansion- oder bereits in der Wachstumsphase – kann zudem über eine personelle Aufstockung des Führungspersonals sowie über eine Änderung der Unternehmensform nachgedacht werden.

Tipp: Wo Sie Hilfe bekommen können:

Sie benötigen bei der Gründung ihres Start-ups finanzielle Unterstützung oder einen Expertenrat? Bei letzterem können ihnen Unternehmens- beziehungsweise Gründerberater helfen. Deren Leistungen sind kostenpflichtig. Verschiedene Bundesländer bezuschussen diese Kosten für Existenzgründer. Andere wiederum bieten sogar eine kostenfreie Beratung an.

Finanzielle Hilfe können Start-ups bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) erhalten. Sie vergibt drei verschiedene Formen von Förderkrediten. Kredite bis zu 100.000 Euro können sogar ohne Eigenkapital gewährt werden. Mit Eigenkapital können Gründer einen Kredit von bis zu einer halben Million Euro erhalten. Der Bund fördert Gründer zudem mit einem Gründerzuschuss in Höhe von bis zu 15.000 Euro für Alleinstehende und 18.000 Euro für Verheiratete mit Kindern. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass der Antragsteller zuletzt arbeitslos gemeldet war und Arbeitslosengeld bezogen hat.

Möglich ist es natürlich auch sich Kapital von Investoren zu beschaffen. Diese müssen Sie dann allerdings von ihrer Idee begeistern, sonst werden sie kaum investieren. Beliebt geworden ist in den vergangenen Jahren auch zunehmend das Crowdfunding. Auf verschiedenen Portalen wie z.B.  Startnext oder Kickstarter können Gründer  ihr Unternehmen vorstellen und versuchen Unterstützer für sich zu gewinnen.

Foto/Thumbnail: ©Rawpixel/Depositphotos.com

Über den Autor

Carolin Fischer

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal" und "Karriere". Außerdem schreibt sie für verschiedene Mitarbeiterzeitschriften. Zuvor hat sie u.a. mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet.
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