Was Bewerber und Personaler beachten sollten
Initiativbewerbung über das Internet

Was Bewerber und Personaler beachten sollten

Von Carolin Fischer
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Eine Bewerbung über das Internet – sei es nun per E-Mail oder über eine Online-Jobplattform – sind heutzuge fast Standard und bieten für beide Seiten eigentlich nur Vorteile. Doch was, wenn sich der Aspirant aus eigenem Antrieb heraus und ohne eine offizielle Stellenausschreibung bewirbt? Was kann und sollte der Personaler in diesem Fall erwarten?

Initiativbewerbung: Was ist das überhaupt?

Bei einer Initiativbewerbung handelt es sich um eine spezielle Form der Bewerbung, die auch als Blind- oder Spontanbewerbung bekannt ist. Bei dieser Variante richtet der Aspirant sein Gesuch an ein Unternehmen, ohne das tatsächlich auch eine Stellenausschreibung existiert oder er direkt dazu aufgefordert wurde. Das Ziel dieser Initiativbewerbung ist es, einen Job auf dem sogenannten verdeckten Stellenmarkt zu finden – das heißt dort, wo sonst nur Vitamin B, persönliche Kontakte und Empfehlungen weiterhelfen. Und bedenkt man, dass laut Bundesagentur für Arbeit mittlerweile rund 70 Prozent aller (potentiell) freien Stellen auf diese Art und Weise vergeben werden, sollte man als Personaler immer damit rechnen, eine solche Bewerbung zu erhalten.

Individualität zählt: Wie sollte eine spontane Bewerbung aussehen?

Auch wenn eine Initiativbewerbung zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zum Standard gehört, kann, wie bereits erwähnt, trotzdem der Fall eintreten, dass man als Recruiter oder Personalchef eine solche Bewerbung in seinem Posteingang findet. Wie sollte man darauf reagieren? Vorab sei gesagt, dass man sich definitiv die Zeit nehmen sollte, um sich ein Bild von dem Bewerber zu machen – auch wenn derzeit eigentlich gar keine freien Positionen zur Verfügung stehen. Der Grund dafür: Da eine solche Spontanbewerbung ein gewisses Maß an Mut erfordert, besteht die Möglichkeit, dass es sich um einen nicht alltäglichen Bewerber handelt. Allerdings gelten auch bei einer Initiativbewerbung gewisse Regeln, die der Aspirant einhalten sollte:

1. Wer sich Mühe gibt, kommt weiter

Die Bewerbung sollte individuell auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein. Wenn auf den ersten Blick erkennbar ist, dass diese Bewerbung in der vorliegenden Form gleich an mehrere Firmen verschickt wurde, kann man im Normalfall davon ausgehen, dass sich der Bewerber kaum Zeit dafür genommen hat, um sich mit dem Unternehmen und dessen Kultur auseinanderzusetzen.

2. Der richtige Ansprechpartner

Ein weiteres Indiz dafür, dass sich der Bewerber keine große Mühe gegeben hat, ist die Ansprache. Ein „Sehr geehrte Damen und Herren“ steht auch bei einer Initiativbewerbung meist für die Faulheit des Aspiranten, sich nicht darum zu bemühen, den korrekten Ansprechpartner ausfindig zu machen. Das gilt im Übrigen auch in Bezug auf die Betreffzeile, falls diese zu allgemein gehalten ist.

3. Seriosität gewinnt

Auch wenn es sich um eine spontane Bewerbung handelt, sollte der Bewerber ein gewisses Maß an Seriosität an den Tag legen. Das bedeutet zum einen, dass ein flapsiges Du absolut nichts in einer professionellen Bewerbung zu suchen hat. Zum anderen sollte der Bewerber eine seriöse E-Mail-Adresse verwenden – nicht zuletzt da die meisten Spamfilter eine E-Mail von SuperTyp24@xyz.de gar nicht erst zum Empfänger durchlassen.

4. Auf die Inhalte kommt es an

Jeder Personaler nutzt eine Bewerbung bekanntlich dazu, um sich ein erstes Bild von dem Aspiranten zu machen – und das gilt selbstverständlich auch bei einer spontanen Initiativbewerbung. Dementsprechend sollte nicht nur eine fehlerfreie Rechtschreibung vorausgesetzt werden, sondern ebenfalls alle relevanten Inhalte. Dazu gehören – neben einem Anschreiben, das ruhig etwas kürzer sein darf – ein ausführlicher Lebenslauf, das letzte Zeugnis und gegebenenfalls Zertifikate, die eventuelle Fort- oder Weiterbildungen belegen.

5. Als PDF verschicken

Da die meisten Recruiter in der Regel nur wenig Zeit für das Lesen einer Bewerbung erübrigen können, sollten sämtliche Anhänge in einem Dokument zusammengefasst werden. Schließlich möchte man sich schnell und direkt über den Bewerber informieren, ohne sich dafür erst durch verschiedene Anhänge kämpfen zu müssen. Im Optimalfall handelt es sich dabei um eine PDF-Datei, da dieses Format ohne Format- und Qualitätsverlust arbeitet und alle Anhänge der Reihe nach durchgesehen werden können.

Was tun, wenn der Bewerber vor seiner Initiativbewerbung anruft?

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass sich die potentiellen Bewerber nicht sicher sind, ob eine Spontanbewerbung auch tatsächlich erwünscht ist, und daher den Personalentscheider vorab telefonisch kontaktieren. Falls man einen solchen Bewerber am Telefon hat, sollte man diesen grundsätzlich dazu animieren, die Initiativbewerbung zu verschicken. So lässt sich verhindern, dass dem Unternehmen ein gut ausgebildeter und fachlich kompetenter Aspirant durch die Lappen geht und dieser sich stattdessen für einen Konkurrenten entscheidet. Da jedoch nicht alle Recruiter genug Zeit für solche Telefonate haben, kann man auch schlicht und einfach auf der Firmenwebseite erwähnen, dass man Spontanbewerbungen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen ist.

Gehören die altbekannten Stellenausschreibungen der Vergangenheit an?

Auch wenn die Initiativbewerbungen in der jüngsten Vergangenheit stetig zugenommen haben – und sogar die Karriere-Experten des Online-Magazins Welt den Bewerbern zu dieser Variante raten – sollte sich ein Unternehmen nicht darauf verlassen, sämtliche potentielle Angestellte ausschließlich über diesen Weg zu finden. Aus diesem Grund ist es auch weiterhin empfehlenswert, freie Stellen offiziell auszuschreiben. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht jede Spontanbewerbung von vornherein ablehnen, sondern sich die Zeit dazu nehmen, um sich ein Bild von dem Bewerber zu machen – auch wenn es derzeit gar keine freien Stellen innerhalb der Firma gibt. Denn falls sich der Aspirant tatsächlich Mühe gegeben hat und mit Blick auf seine Fähigkeiten und Qualifikationen eigentlich perfekt zu dem Unternehmen passen würde, wäre es wirtschaftlich gesehen schon fast unverantwortlich, diesem Bewerber nicht trotzdem eine Chance zu geben.

Foto/Thumbnail: ©scanrail/Depositphotos.com

Über den Autor

Carolin Fischer

Carolin Fischer Carolin Fischer ist Content-Managerin und Redakteurin bei onpulson.de. Sie ist spezialisiert auf die Themen "Personal" und "Karriere". Außerdem schreibt sie für verschiedene Mitarbeiterzeitschriften. Zuvor hat sie u.a. mehrere Jahre für die Süddeutsche Zeitung in München gearbeitet.
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