Erfolgreiche Moderation in der „Clubhouse-App“
Neue Audio-App

Erfolgreiche Moderation in der „Clubhouse-App“

Porträtfoto von Tatjana Lackner, Sprachexpertin
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Seit einigen Tagen erobert die neue Audio-App aus den USA auch den deutschsprachigen Raum. „Clubhouse“ lässt die Grenze zwischen Sender und Empfänger verschwimmen. Jeder kann sich aktiv einbringen, der etwas zum Thema beizutragen hat. Anbei neun Tipps, wie die nächste Moderation auf „Clubhouse“ zum Erfolg wird.

Besonders wichtig ist bei der App „Clubhouse“ – die nach dem Candy-Crash Lapsus von Ministerpräsident Bodo Ramelow ihren Bekanntheitsgrad in Deutschland signifikant erhöhte – die Zuhörer mit einer gelungenen Moderation und spannenden Talks im Raum zu halten. Anbei einige hilfreiche Tipps, mit denen die nächste virtuelle Podiumsdiskussion zum Erfolg wird.

„Clubhouse“ stellt die Sprache in den Mittelpunkt und ist damit am Puls der Zeit. Im Gegensatz zum professionell aufgezeichneten Podcast lebt das Medium von Interaktion und Live-Charakter. Täglich kommen mehr User dazu. Moderatoren müssen auch sprachlich aus der Masse hervorstechen, um zu begeistern.

Es wird allen Usern der App empfohlen, einige Regeln für den gelungenen Auftritt zu beachten. In „Clubhouse“ kann jeder in die Diskussion einsteigen und zum Co-Moderator oder Experten werden. Der aktuelle Hype bietet den Usern die Möglichkeit, an hochkarätigen Expertenrunden teilzunehmen und sich selbst samt ihrem Wissen zu präsentieren. Damit das gelingt, braucht es rhetorisches Rüstzeug.

1. Die eigene Sprache

Es ist immer schwieriger, sich Reden schreiben zu lassen. Fremde Formulierungen klingen selten authentisch. Deswegen ist es sinnvoll, sich ein Brainskript anzufertigen und Stichworte in der eigenen Erzählsprache zu machen. Vor allem bei den kurzen Vorstellungsrunden muss die Einführung sitzen. Auch in der reinen Audio-App gibt es keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

Konzipieren Sie Ihre Rede selbst und verwenden Sie Ihre Erzählsprache. So bleiben Sie authentisch und vermeiden Versprecher oder Blackouts.

2. Mut zur Vereinfachung

Oft passiert der Fehler, dass Moderationen zu detailverliebt, verschachtelt und zu wenig knackig sind. Dem Publikum fällt es dann schwer, aktiv zuzuhören und es verlässt im schlechtesten Fall vorzeitig die Diskussion. Wird das Wichtige an den Satzanfang gestellt, erweckt man die Aufmerksamkeit der Zuhörer und entgeht der Gefahr, sie zu verlieren.

3. Lesen, sprechen, hören!

Übung macht den Meister! Eine gute Übung ist, sich im Internet ein Medienportal zu suchen und kleine Anmoderationen von Inhalten zu proben. Zur Abwechslung die Zusammenfassung eines Artikels in nur sieben Sätzen trainieren. Das Gehirn lernt schnell, inhaltlich zu vergrößern und geistig zu positionieren. Pointierte Zusammenfassungen vermitteln Kompetenz und stärken die Expertenrolle in der Diskussion.

4. Kurze Anfangsmoderation

Die Begrüßung (Intro) und die Verabschiedung (Outro) sind das A und O und müssen in sämtlichen Situationen sitzen. Ob im Gehen, Stehen oder beim „Talk unterwegs“. Gerade bei „Clubhouse“ kommt es darauf an, auch während des Lockdown-Spaziergangs schnell in eine Diskussion einzusteigen und die richtigen Worte zu finden.

5. Zahlen, Daten und Fakten in Bilder umwandeln

Wer durch Statistiken oder harte Fakten moderiert, sollte sich vorher alle Inhalte genau angesehen haben. „Clubhouse“ bietet keine visuelle Unterstützung durch Charts oder Multimedia-Content. Sperrige Inhalte müssen sprachlich prägnant und bildhaft rübergebracht werden. Eine vorbereitete Statistik wird besser in anregende Storytelling-Elemente umgewandelt und damit leichter verständlich. Es empfiehlt sich, mehr zu wissen als gesagt wird, um noch Munition für die Beantwortung auftretender Fragen im rhetorischen Köcher zu haben.

6. Mit Teleprompter üben, üben, üben!

Authentische Erlebniskommunikation ist für die Sichtbarkeit von Unternehmen wichtig. Ein Teleprompter ist nur dann nützlich, wenn man die richtige Autocue-App für sich gefunden hat. Viele schwören auf „Parrot Teleprompter“. Bei kurzen Texten kann man gut mit „BigVu“ oder „PromptSmart“ arbeiten. Die genannten Apps funktionieren sowohl mit iOS als auch mit Android. Wichtig ist hier, den Text vorher durchzulesen und zu kontrollieren, ob Schriftgröße und Tempo des Teleprompters richtig eingestellt sind. Bei „Clubhouse“ können sie optimal am zweiten Bildschirm genutzt werden, weil die App ausschließlich auf iOS läuft.

7. Mache Dir den Text untertan!

Unterteilt man den Text in übersichtliche Absätze und ergänzt Zitate mit Stichworten, dann kann man lesen und dazu frei formulieren. Schwierige Sätze, zusammengesetzte Hauptwörter und komplizierte Passagen sollten stets zerteilt werden. Das Pausenmanagement und die Sinnbetonungen sind schon bei der Vorbereitung mitzudenken. Eine Hilfe für sprachlich herausfordernde Redesituationen ist die „3L-Methode“: laut, logisch und langsam sprechen! Bei „Clubhouse“ kann es immer wieder zu kleinen Aussetzern durch Übertragungsprobleme kommen. „Speed kills“ gilt hier umso mehr, weil man davon ausgehen muss, dass die Tonqualität nicht so gut wie im Studio ist.

8. Inhalte improvisiert ergänzen

Beides ist wichtig: Die Dramaturgie und das Zeitmanagement im Überblick zu behalten und dazwischen frei formulieren! Es ist gut, wenn das Thema durch Beispiele ergänzt wird, die nicht durchwegs ausformuliert sind. Das zwingt zum freien Reden, denn eine Moderation ist keine Lesung. Die fehlende visuelle Komponente macht es besonders wichtig, trockene Inhalte durch Vergleiche zu
ergänzen und mit Emotionen aufzuwerten.

9. Die Zuhörer anlächeln

Beim neuen Hype „Clubhouse“ gibt es zwar keine Zuseher, doch auch hier kann geübt werden. Sprechen Sie Ihre Zuschauer direkt an! Es geht nicht nur darum, fehlerlos durch die Moderation zu kommen: Zwischen den Zeilen gilt es Emotionen zu vermitteln. Gute Hosts werden daran gemessen, ob sie andere Menschen erreichen, berühren, informieren oder begeistern. Es wird nicht zum Selbstzweck moderiert, das Publikum sollte stets ins Zentrum der Moderation gestellt werden. Ein Lächeln ist immer hörbar! Die Talks auf „Clubhouse“ haben neben der reinen Informationen vor allem informellen Fun-Charakter.

Über den Autor

Porträtfoto von Tatjana Lackner, Sprachexpertin

Dr.Tatjana Lackner Dr.Tatjana Lackner ist Sprachexpertin und gehört zu den führenden Kommunikations- & Verhaltens-Profilern. Sie gründete 1994 "Die Schule des Sprechens" in Wien. Dr.Tatjana Lackner ist Autorin zahlreicher Bücher, sowie Vortragende und Gastdozentin u.a. an der Universität Wien, Donau Universität Krems und FH-Campus für Führung und Politik. www.sprechen.com
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