Die besten Kreativitätstechniken für frische Ideen und erfolgreiches Storytelling
Kreativität braucht machtfreie Räume, Spielwiesen für Experimente und eine inhomogene Gruppe kluger Köpfe. So kann eine Vielzahl unkonventioneller, frischer, neuer Ideen entstehen. Passende Kreativitätstechniken sind auch im Storytelling gefragt. Denn jede Idee, die zu einer Innovation werden soll, braucht eine Geschichte, damit man sich diese in seinem Leben vorstellen kann.
Kreativität ist der maßgebliche Treibstoff für Ideen der Zukunft. Sie ist anarchisch, flatterhaft, regellos, wild und kommt, wann sie will und nicht, wenn sie muss. Sie ist wie eine launische Diva, die die richtigen Umstände braucht. Heiterkeit, Muße und ein inspirierendes Umfeld gehören dazu. Narzissmus, Macht- und Kontrollsucht hingegen behindern die Kreativität einer Gruppe.
Durch penible Kontrolle von oben erstirbt jegliche Fantasie. „Dienst nach Vorschrift“ und das Abarbeiten vorgedachter Verfahrensweisen lässt zudem die Eigeninitiative versanden. Die heute so dringend benötigten innovativen Ideen sind dann unerreichbar. Deshalb haben althergebrachte Führungskräfte in Innovationskreisen, damit es rasch vorangeht, nichts zu suchen.
Psychologische Sicherheit fördern
Nur wenn die Leute unter sich sind, können selbst die abwegigsten Ideen furchtlos durchdiskutiert werden. Und nur in einer autoritätsfreien Umgebung werden sogar „heilige Kühe“ bei den Hörnern gepackt, um dem Neuen eine Chance zu geben. Wenn Wissen frei seine Bahnen zieht, durch Künstliche Intelligenz unterstützt wird und sich weitläufig vernetzt, kann dies zu den erstaunlichsten Vorstößen führen.
Zudem kann sich Kreativität nur in inhomogenen Gruppen entfalten. Denn homogene Gruppen, das heißt solche mit gleichartigen Mitgliedern, neigen zur Konformität, zum Konsens und zum Griff nach dem immer Gleichen – doch nur selten zum wagemutigen Erkunden von Neuem.
Der Zugewinn einer inhomogenen Gruppe ergibt sich aus den unterschiedlichen Denkweisen ihrer Mitglieder und einer damit verbundenen Experimentierfreudigkeit. Zudem gewinnt man Zugang zu einem Erfahrungsschatz, der verdeutlicht, was anderswo ganz anders gemacht wird – und funktioniert.
Jeder Mensch ist kreativ
„Aber ich bin doch gar nicht kreativ“, heißt es bisweilen. Das ist ein Irrtum. Jeder ist auf seine ganz eigene Weise einfallsreich. Wer meint, dass er keine Fantasie hat, blockiert sich nur selbst, auf neue Ideen zu kommen und auch verrückte Einfälle haben zu dürfen.
Grundvoraussetzung sind Offenheit für noch ungenutzte Vorgehensweisen, Neugier auf andere Blickwinkel, Interesse daran, was außerhalb der eigenen Komfortzone möglich ist und die Zuversicht, auch auf neuen Weg zum Ziel zu kommen. Besonders hilfreich dabei: Viele Fragen stellen und angeregt zuhören können.
Kluge Entscheidungen kann eine Gruppe auch immer nur dann treffen, wenn sie in ihrer Meinungsbildung unabhängig ist, wenn jeder Teilnehmende Zugang zu allem entscheidungsrelevanten Wissen hat und wenn er seine Meinung frei äußern kann. Wenn es psychologische Sicherheit gibt, können sich auch „leise“ Menschen entfalten.
Nutzen von Kreativitätstechniken
Um auf grandiose Ideen für Innovationen zu kommen, brauchen wir am Anfang viele Ideen. Nur, wer viel würfelt, der würfelt auch Sechser. Kreativitätstechniken können bei der Initialzündung helfen und unsere Gedanken in eine brauchbare Richtung lenken.
Dennoch haben Kreativitätstechniken auch Nachteile. Einerseits können sie unserem Oberstübchen zwar auf die Sprünge helfen, andererseits aber auch einengend wirken, weil sie uns in eine vorgegebene Methodik pressen. Bisweilen sind sie einfach zu formalisiert – oder zu kompliziert.
Kreativitätstechniken sollten Spaß machen – und nicht mühsam sein. Keinesfalls dürfen sie wie ein Pflichtprogramm abgespult werden. Je beschwingter wir Geistesblitze frei in alle möglichen Richtungen schicken und je unbeschwerter wir neue Ideenfunken miteinander verknüpfen, desto spannender wird der Output. Kreativität braucht Wahlfreiheit – und bitte kein Vorgabenkorsett.
Brainwriting statt Brainstorming
Eine der wohl bekanntesten Kreativitätstechniken ist das Brainstorming, und genau davon ist abzuraten. Beim Brainstorming rufen die Teilnehmenden einem Moderator ihre Ideen zu – und der schreibt sie auf. Bereits die erste Person, die eine Idee laut äußert, beeinflusst damit alle anderen und gibt quasi eine Denkrichtung vor.
Das grenzt die Kreativität der gesamten Gruppe ein. Schlimmer noch: Manche halten gerade die so wichtigen außergewöhnlichen Ideen lieber zurück. Weshalb? Sie wollen nicht belächelt werden, machen sich Sorgen, dass diese in eine falsche Richtung gehen könnten oder befürchten, jemanden, der in der Runde Statur hat und wichtig ist, vor allen anderen zu übertrumpfen. Wesentlich besser ist das Brainwriting geeignet.
So funktioniert Brainwriting
Beim Brainwriting arbeiten die Teilnehmenden zunächst allein an ihren Ideen und schreiben diese auf Kärtchen, ohne miteinander zu reden. Der Ablauf beim Brainwriting sieht folgendermaßen aus:
- Alle Teilnehmenden entwickeln zunächst eigenständig Ideen und notieren diese auf Kärtchen. Während dieser Phase wird nicht gesprochen.
- Nach einer zuvor festgelegten Zeit (je nach Thema beispielsweise drei oder fünf Minuten) werden die Kärtchen eingesammelt.
- Der Moderator liest alle Ideen laut vor.
- Anschließend werden die Kärtchen an einer Pinnwand befestigt.
Danach folgt eine zweite Runde, die in der Praxis leider oft ausgelassen wird. Die zweite Runde sieht so aus:
- Die Teilnehmenden lassen sich von den bereits gesammelten Ideen inspirieren.
- Erneut entwickeln sie still und schriftlich weitere Ideen.
- Bestehende Vorschläge werden ergänzt, weitergedacht oder miteinander kombiniert.
- Neue Verbindungen und Lösungsansätze entstehen.
Die zweite Ausbeute wird ebenfalls vorgelesen und angepinnt. Danach werden die Ideen in zusammenhängende Gruppen geordnet. Bei gleichen Ideen werden die Kärtchen übereinander gepinnt, das heißt nicht weggeworfen. So können sich bereits erste Prioritäten herauskristallisieren und danach vorrangig bearbeitet werden, um zu einem praxisreifen Vorschlag zu kommen.
Erzählwerkstatt als Kreativitätsbooster
Die besten Ideen entstehen nicht im stillen Kämmerlein, sie werden co-kreativ – von etlichen Personen gemeinsam. Vielen klugen Köpfen fällt immer mehr ein als einem allein. Um eine größere Zahl an Ideen zu finden, ihre Qualität zu verbessern, das interdisziplinäre Zusammenwirken zu unterstützen und den Gemeinschaftsgeist im Unternehmen zu stärken, richtet man am besten eine Erzählwerkstatt ein. Für die Gestaltung einer Erzählwerkstatt empfiehlt sich:
- ein Ort im Unternehmen, der kreatives Arbeiten unterstützt,
- unterschiedliche Sitzgelegenheiten,
- ausreichend Visualisierungsflächen,
- inspirierende Arbeitsmaterialien sowie
- ein oder zwei gemütliche Sofas, auf denen man sich Geschichten erzählen kann.
Hier werden Ideen in Form von Geschichten erzählt. Denn Geschichten werden gebraucht, um sich vorzustellen, wie sich eine Idee ins Leben und Arbeiten integriert.
Literatur & Weblinks
1. Anne M. Schüller: Narrative für eine bessere Zukunft. Wie kraftvoll erzählte Geschichten unser Leben und die Arbeitswelt positiv wandeln
Vahlen 2026.

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