Gesellschafter der FUCHS PETROLUB SE

Stefan Fuchs: „Gründer sollten an sich und die Geschäftsidee glauben”

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Im Gespräch mit Stefan Fuchs, Vorsitzender des Vorstands der FUCHS PETROLUB SE. Das Unternehmen reduziert mit seinen Schmierstoffen Reibung und Verschleiß in Fuhrparks und Maschinen. Stefan Fuchs Großvater gründete die Firma im Jahr 1931. Der Unternehmer wünscht sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland weniger Regulierung und eine industriefreundliche Wirtschaftspolitik, auch eine tiefergehende Planung und Kommunikation bei weitreichenden Entscheidungen, wie zum Beispiel der Weg zu alternativen Antriebskonzepten wäre erstrebenswert.

Name: Stefan Fuchs

Geburtsjahr: 1968

Position: Vorsitzender des Vorstands der FUCHS PETROLUB SE

Vita:

  • Geboren: 1968| Wohnort: Hirschberg | Nationalität: Deutsch
  • Erstbestellung: 1999 (Vorsitz seit 2004) | Bestellt bis: Juni 2026
  • Geschäftsfelder: Konzernentwicklung, Human Resources, PR & Marketing, Strategie, Automotive Aftermarket Division
  • Mitgliedschaften in gesetzlich zu bildenden Aufsichtsräten und anderen Kontrollgremien: Mitglied des Aufsichtsrats der TRUMPF GmbH + Co. KG (nicht börsennotiert)
  • Akademische Ausbildung: 1987 – 1994 Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim; Abschluss: Diplom-Kaufmann
  • Berufstätigkeit: 1994 – 1996 Prüfungsassistent bei der Wollert-Elmendorff Deutsche Industrie-Treuhand GmbH, Mannheim, 08/1996 Eintritt in die FUCHS PETROLUB AG Oel + Chemie, 1997 – 1999 Entsendung zur Fuchs Lubricants Co., Harvey, Illinois/USA; verantwortlich für Argentinien, Brasilien und Mexiko, 08/1999 Ernennung zum Vorstandsmitglied der FUCHS PETROLUB AG, Mannheim; verantwortlich für FUCHS EUROPE (CEO), seit 1/2004 Vorsitzender des Vorstands der FUCHS PETROLUB SE

Lebensmotto: „In der Ruhe liegt die Kraft“

Über das Unternehmen

FUCHS PETROLUB SE
Friesenheimer Straße 17
68169 Mannheim
Gründungsjahr: 1931
Mitarbeiter: 5.728
Telefon: 0621/3802-0

Wie ist das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens?

FUCHS reduziert mit seinen Schmierstoffspezialitäten Reibung und Verschleiß in den Fuhrparks und Maschinen der Kunden. Mit 58 Tochtergesellschaften und 35 Produktionsstandorten weltweit unterstützt FUCHS mit über 10.000 verschiedenen Produkten seine Kunden global. Im Jahr 2020 erwirtschafteten über 5.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Umsatz von 2,4 Mrd. €.

Die Gesellschaft wurde vor 90 Jahren von meinem Großvater Rudolf Fuchs gegründet. Mein Vater Manfred Fuchs baute das Geschäft in vier Jahrzehnten global aus. Heute hält die Familie Fuchs 55% der stimmberechtigten Stammaktien.

Wie differenzieren Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Wir sind ein sogenannter Vollsortimenter und das global, d.h. wir decken alle Schmierstoffbedarfe unserer Kunden ab und sind sehr breit aufgestellt, was unsere Abnehmerbranchen angeht. Wir haben z.B. Kunden in der Automobilindustrie, in der Landwirtschaft, im Bergbau, in der Lebensmittelindustrie, im automotiven Aftermarket, in der Bauindustrie, im Bereich Windenergie und im Schienenverkehr – um nur einige zu nennen.
Wir sind sehr kundenfokussiert und bestrebt, die Prozesse und Abläufe unserer Kunden mit unseren Produkten effizienter zu gestalten. Wir scheuen nicht die Komplexität eines umfassenden Produktangebots.

Was war Ihre Motivation Unternehmer zu werden?

Zum einen war mir das in die Wiege gelegt. Zum anderen ist die Schmierstoffindustrie faszinierend, da sie unendlich viele Möglichkeiten haben ein breites Kundespektrum zu bedienen und mit motivierten Teams zusammen zu arbeiten.

Letztendlich war für mich persönlich ein dreimonatiges Praktikum – zwischen Studium und Arbeitsbeginn außerhalb der Schmierstoffbranche – im Jahr 1994 bei unserer US-Gesellschaft ausschlaggebend. Ich war drei Monate mit dem Vertrieb bei Kunden aller möglichen Branchen und Regionen. Da habe ich das Schmierstoffgeschäft lieben gelernt und den Schritt ins Unternehmen im Jahr 1996 bis heute nicht bereut.

Welche unternehmerischen Ziele haben Sie für die nächsten 3 Jahre?

Mit FUCHS2025 haben wir im Jahr 2018 ein Programm aufgesetzt, innerhalb dessen wir gemeinsam mit unserem weltweiten Team an den Themen Strategie, Struktur und Kultur arbeiten. In den nächsten drei Jahre müssen wir die erarbeitete Strategie konsequent in die Tat umsetzen und die damit verbundenen Wachstumsziele erreichen.

Im engen Kontakt mit seinen Kunden entwickelt FUCHS ganzheitliche, innovative und maßgeschneiderte Schmierstofflösungen für die vielfältigsten Anwendungen. Foto: FUCHS PETROLUB

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Unternehmen aus und wie wollen Sie diese meistern?

Wir haben zunächst die Ruhe bewahrt und keine kurzfristigen Abbauprogramme oder ähnliches durchgeführt. Uns ging es um die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und um die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs.

Im Jahr 2020 hatten wir dann im 2. Quartal einen Ergebniseinbruch von 50% und im 4. Quartal das beste Quartalsergebnis in der Unternehmenshistorie. Derzeit kämpfen wir mit erheblichen Lieferproblemen von Rohstoffen und massiven Preiserhöhungen.

Wir waren IT-seitig hervorragend vorbereitet und konnten von Tag 1 an über Videokonferenzen sehr gut kommunizieren. Wir haben dann im Jahr 2020 zwei virtuelle FUCHS2025 Roadshows mit dem gesamten globalen Team abgehalten, wobei wir Inhalte geteilt und diskutiert haben, aber auch einfach Spaß miteinander hatten.

Mit welchen weiteren Herausforderungen hat Ihre Branche in den nächsten Jahren zu kämpfen?

Da gibt es viele Herausforderungen, die wir immer sportlich als Opportunitäten sehen. Dazu gehören z.B. die immer größer werdende Regulatorik in Europa, die zunehmende Digitalisierung und der Wandel in der Automobilindustrie im Sinne von Carsharing und alternativen Antriebssträngen. In unserer langen Firmenhistorie haben wir uns immer erfolgreich mit solchen Veränderungen auseinandergesetzt und unser Geschäftsmodell kontinuierlich an den Marktgegebenheiten angepasst.

Was war Ihr größter unternehmerischer Erfolg?

Wir haben schon viele Erfolge gefeiert in unserer 90-jährigen Firmengeschichte. Zu nennen sind da der Mut der Gründung im Jahr 1931 – unter schwierigsten wirtschaftlichen Bedingungen, die Übernahme der Verantwortung durch meinen Vater im Jahr 1959 als dessen Vater mit nur 50 Jahren verstarb, der Börsengang im Jahr 1985, der frühe Markteintritt in China, viele erfolgreich integrierte Akquisitionen, die Konzernbildung, die erfolgreiche Staffelübergabe im Vorstandsvorsitz Anfang 2004, das große Investitionsprogramm der letzten Jahre und insbesondere das motivierte & loyale Team, das am Erfolg mitarbeitet. Sicherlich ist derzeit FUCHS2025 unser aktuell großes Thema, welches sehr gut vom globalen Team angenommen wird.

Was war Ihr größter unternehmerischer Misserfolg?

Wir haben einige Dinge gemacht, bei denen man im Nachhinein sagen kann: „war nicht so prickelnd“. Dies sind aber auch wertvolle Erfahrungen, die man machen muss. Wichtig ist, dass man daraus für die Zukunft lernt und denselben Fehler nicht zweimal macht.

Warum sollten Fach- und Führungskräfte sich bei Ihrem Unternehmen bewerben?

FUCHS ist ein wachsendes Unternehmen mit erheblichem Potential, das wir weiter heben werden. Wir haben eine intakte Firmenkultur, in der das „Wir“ im Vordergrund steht und nicht das „Ich“. Wir bieten Freiräume, die man nutzen und innerhalb derer man sich entwickeln kann. Abgerundet wird das alles durch eine grundsolide Bilanz und eine Eigentümerfamilie, die der Firma ihre unternehmerische Unabhängigkeit sichert.

Was ist Ihr Rezept zur Mitarbeitermotivation?

Da gibt es viele Zutaten in diesem Rezept. Im Rahmen von FUCHS2025 arbeiten wir ganz transparent und offen an unserer Strategie und verbessern die Strukturen. Im Kulturbereich fördern wir eine hierarchiefreie Kommunikation und leben eine offene Feedback-Kultur. Wir haben vor zehn Jahren unsere fünf zentralen Werte definiert und leben diese konsequent. Da ist sich der Vorstand auch seiner Vorbildfunktion bewusst. Es gibt viele Karrieremöglichkeiten, lokal und international. Anerkennung und leistungsgerechte Bezahlung sind weitere Bausteine. Das Ganze wird hervorragend unterstützt durch unsere zentrale HR-Abteilung sowie das weltweite HR-Netzwerk.

Welchen Tipp möchten Sie anderen Gründern gerne weiter geben?

An sich und die Geschäftsidee zu glauben. Gründer sollten von Anfang ehrlich zu sich sein und auf die Finanzen  achten.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister. Was würden Sie sich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei ihm wünschen?

Weniger Regulierung und eine industriefreundliche Wirtschaftspolitik. Ich würde mir eine tiefergehende Planung und Kommunikation wünschen, bevor weitreichende Entscheidungen, wie z.B. die Energiewende vor zehn Jahren oder jetzt der Weg zu alternativen Antriebskonzepten, eingeschlagen werden.

Bei welcher Person möchten Sie sich für Ihren unternehmerischen Erfolg besonders bedanken?

Bei meinem Vater, der mir ein sehr gut bestelltes Haus übergeben hat, bei meiner Frau, die mich immer super unterstützt und mir zuhause einen tollen Rückhalt gibt, bei meinem Mentor Frank Kleinman, der mir eine gute Grundausbildung gegeben hat, sowie bei meinem Vorstandsteam und unserer motivierten Belegschaft.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zum Dinner gehen und warum?

Ich bin nicht so persönlichkeitsbezogen. Durch unser Netzwerk und im Unternehmen habe ich sehr oft die Gelegenheit mit interessanten und sympathischen Menschen zum Dinner zu gehen.

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