Interne Abstimmungen bremsen die Effizienz im B2B-Commerce
Obwohl die meisten B2B-Verkaufsprozesse heute digital starten, dominieren im Hintergrund weiterhin manuelle Abläufe. Besonders interne Abstimmungen, Datenpflege und Medienbrüche kosten Zeit, erschweren Skalierung und belasten Anbieter wie Einkäufer gleichermaßen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 85,9 Prozent der B2B-Verkaufsprozesse beginnen digital oder überwiegend digital.
- 59,6 Prozent der Anbieter haben weiterhin mehr als 25 Prozent manuelle Prozessanteile.
- 47,9 Prozent nennen interne Abstimmungen zwischen Vertrieb, IT und Operations als größten Zeitfresser.
Das zeigt die Studie „The Autonomous Commerce Shift 2026“ von Emporix. Für die Untersuchung wurden 332 B2B-Entscheider auf Anbieterseite sowie 168 Einkaufsverantwortliche auf Käuferseite befragt. Demnach starten 85,9 Prozent aller B2B-Verkaufsprozesse digital oder überwiegend digital. Gleichzeitig bleibt die eigentliche Prozessabwicklung häufig von manuellen Tätigkeiten geprägt.
So geben 59,6 Prozent der Anbieter an, dass mehr als ein Viertel ihrer Commerce-Prozesse weiterhin manuell ausgeführt wird. Eine nahezu vollständig automatisierte Prozesslandschaft bleibt die Ausnahme: Lediglich 2,4 Prozent der befragten Unternehmen kommen auf einen manuellen Anteil von weniger als 10 Prozent.
Besonders deutlich werden die Herausforderungen an den Schnittstellen zwischen Abteilungen und Systemen. Die größten Zeitverluste entstehen laut Studie durch interne Abstimmungen zwischen Vertrieb, IT und Operations (47,9 Prozent), gefolgt von Datenpflege (43,1 Prozent) sowie Kundenservice-Prozessen (42,8 Prozent).
Mark Holenstein, CEO von Emporix, ordnet die Ergebnisse ein: „Viele Unternehmen halten sich für digitalisiert, weil ihre Vertriebskanäle digital sind. Der eigentliche Aufwand entsteht jedoch erst hinter dem Einstiegspunkt. Zwischen Frontend, ERP, Vertrieb und Operations entstehen zahlreiche manuelle Übergaben, die Prozesse verlangsamen und Ressourcen binden.“
Einkaufsteams berichten von denselben Problemen
Bemerkenswert ist die hohe Übereinstimmung zwischen Anbieter- und Käuferseite. Beide Gruppen wurden mit identischen Fragestellungen konfrontiert und schildern vergleichbare Herausforderungen im Tagesgeschäft. Damit wird deutlich, dass Prozessbrüche nicht nur intern wahrgenommen werden, sondern sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette bemerkbar machen.
Mehr als die Hälfte der befragten Einkaufsteams sieht sich mit hohen manuellen Aufwänden konfrontiert. Zusätzliche Arbeitsschritte entstehen insbesondere in Angebotsprozessen (51,2 Prozent), bei internen Abstimmungen (47,6 Prozent) sowie in der Auftragserfassung (40,5 Prozent).
Darüber hinaus berichten 53,6 Prozent der Einkaufsverantwortlichen von regelmäßigen Unterbrechungen im Bestellprozess. Ursachen sind unter anderem Rückfragen, fehlende Informationen oder notwendige Korrekturen. Solche Unterbrechungen verlängern nicht nur die Bearbeitungszeiten, sondern können auch die Kundenzufriedenheit beeinträchtigen.
Automatisierte Prozessketten gewinnen an Bedeutung
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Digitalisierungsbemühungen bislang vor allem auf sichtbare Kontaktpunkte konzentriert haben. Während digitale Vertriebskanäle inzwischen weit verbreitet sind, bleiben zahlreiche nachgelagerte Abläufe fragmentiert. Gerade bei steigenden Transaktionsvolumina können manuelle Arbeitsschritte dadurch zum Wachstumshemmnis werden.
Für mittelständische Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Priorität: Entscheidend ist weniger die weitere Digitalisierung einzelner Touchpoints als vielmehr die nahtlose Verknüpfung von Prozessen über Abteilungs- und Systemgrenzen hinweg. Im Fokus stehen dabei integrierte ERP-, Vertriebs- und Operations-Systeme sowie KI-gestützte Prozesslogiken, die manuelle Übergaben reduzieren können.
Holenstein betont den notwendigen Perspektivwechsel: „Digitale Oberflächen allein schaffen noch keinen digitalen Commerce. Der nächste Reifegrad im B2B-Commerce ist nicht mehr die Digitalisierung einzelner Touchpoints, sondern die durchgängige Ausführung von Prozessen.“
Bildnachweis: Depositphotos.com/alphaspirit

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