Unternehmen in der DACH-Region treiben digitale Souveränität voran
Digitale Souveränität entwickelt sich für Unternehmen in der DACH-Region zu einem strategischen Schwerpunkt. Laut einer aktuellen Befragung planen oder realisieren bereits neun von zehn Unternehmen konkrete Maßnahmen, um ihre technologische Unabhängigkeit zu stärken.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 90 Prozent der befragten Unternehmen setzen Maßnahmen zur digitalen Souveränität um oder planen diese.
- Fast zwei Drittel bewerten digitale Abhängigkeiten als kritisch für ihre Wettbewerbsfähigkeit.
- 69 Prozent fokussieren sich auf EU-Datenresidenz und europäische Speicherstandorte.
- 66,2 Prozent nutzen bereits europäische Cloud-Alternativen oder führen diese ein.
Digitale Souveränität steht weit oben auf der Agenda von Unternehmen der DACH-Region: Laut einer aktuellen Studie von valantic und dem Handelsblatt Research Institute (HRI) haben 90 Prozent der 1.000 befragten Entscheider:innen bereits gehandelt oder planen Maßnahmen zur Stärkung ihrer digitalen Unabhängigkeit. Ein weiteres Ergebnis der C-Level-Befragung Digital Excellence Outlook 2026: Organisationen mit einem hohen Reifegrad beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz gehen das Thema Digitale Souveränität besonders entschlossen an.
Aktuelle geopolitische Konflikte und das angespannte Verhältnis zwischen Europa und der US-Administration haben vielen Verantwortlichen zuletzt vor Augen geführt, welche Risiken entstehen können, wenn kritische Daten, Plattformen und Technologien überwiegend in der Hand weniger außereuropäischer Akteure liegen. Deswegen gewinnt Digitale Souveränität rasant an strategischer Bedeutung.
Die Studienergebnisse zeigen: Der Großteil der Unternehmen im DACH-Raum hat nicht nur die Dringlichkeit erkannt, sondern ist bereits aktiv geworden. Die deutliche Mehrheit der befragten Entscheider:innen berichtet, dass in ihren Organisationen konkrete Schritte zur Erhöhung der digitalen Unabhängigkeit entweder bereits realisiert wurden oder derzeit in Umsetzung oder Planung sind. Lediglich einer von zehn Teilnehmenden gibt an, weder Maßnahmen ergriffen zu haben noch entsprechende Initiativen zu sondieren. Ein klares Signal dafür, dass Nichtstun in Fragen der digitalen Souveränität zur Ausnahme geworden ist.
Unternehmen setzen auf europäische Daten- und Cloud-Infrastrukturen
DACH-Unternehmen verfolgen digitale Souveränität darüber hinaus in vielen Fällen nicht mit Einzelmaßnahmen, sondern mit einem ganzen Bündel strategischer und operativer Initiativen. Der Handlungsdruck wird offenbar als groß empfunden: Fast zwei Drittel der Befragten erachten ihre digitale Abhängigkeit als kritisch für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, setzen die Unternehmen vor allem an zentralen Daten- und Infrastrukturhebeln an: Rund zwei von drei Unternehmen verfolgen bereits aktiv Konzepte der unternehmensweiten Datenklassifizierung und Residency-Policies. Dabei hat knapp ein Drittel diese Vorgaben schon vollständig etabliert (29,0 Prozent), während gut ein weiteres Drittel (38,3 Prozent) aktuell an der Umsetzung arbeitet.
EU-Datenresidenz gewinnt an Bedeutung
Hinsichtlich der Infrastruktur haben 69 Prozent einen klaren Fokus auf EU-Datenresidenz und -lokation für Primärspeicher und Backups gelegt, das heißt, entsprechende Konzepte hat man bereits eingeführt oder befinden sich in der Umsetzung. Ein ähnlich hoher Anteil nutzt EU-basierte Alternativen und Sovereign-Cloud-Angebote oder führt diese derzeit ein (66,2 Prozent).
Parallel dazu setzen immer mehr Unternehmen auf eigene Key-Management-Systeme und BYOK-Konzepte (Bring Your Own Key). 28,3 Prozent haben entsprechende Modelle längst umgesetzt, weitere 36,5 Prozent befinden sich in der Einführung. Es zeigt sich: Wo Daten liegen, unter welcher Jurisdiktion sie verarbeitet werden und wie technologische Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern reduziert werden können, ist für die Befragten insgesamt von wachsender Bedeutung.
KI-Vorreiter handeln besonders konsequent
Unternehmen mit einem hohen KI-Reifegrad* blicken der Studie zufolge besonders kritisch auf ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Cloud-, Daten- und KI-Anbietern – und ziehen daraus auch deutlichere Konsequenzen als der Rest. Während bei Unternehmen mit niedrigem KI-Reifegrad nur rund ein Drittel die eigene Abhängigkeit als hoch einschätzt (35 Prozent), sind es bei den KI-Vorreitern fast zwei Drittel (65 Prozent).
Dieses Bewusstsein übersetzt sich in entschlossenes Handeln: Der Umsetzungsgrad bei Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität ist bei den KI-Vorreitern deutlich höher ausgeprägt als bei den übrigen Befragten. Im Mittelpunkt stehen vor allem aktive Investitionen in eigene Daten- und KI-Infrastrukturen in Europa sowie Kooperationen mit europäischen Technologie- und Cloud-Anbietern; Beteiligungen an nationalen oder europäischen Initiativen ergänzen diesen Ansatz.
*Um die KI-Reife der Unternehmen zu ermitteln, wurden die Befragten um eine Selbsteinschätzung gebeten: Eine hohe KI-Reife wurde dadurch gekennzeichnet, dass Unternehmen die KI-Transformation bereits ausdrücklich in ihrer Geschäftsstrategie verankert und in der eigenen Organisation umfassende Kompetenzen zum Einsatz von KI aufgebaut haben.
Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen.
Bildnachweis: Depositphotos.com/maxkabakov

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