Mittelstand stellt Kostensenkung in den Mittelpunkt
Hohe Kosten, schwache Binnennachfrage und geopolitische Risiken belasten mittelständische Unternehmen. Viele Finanzverantwortliche bewerten die Aussichten schlechter und setzen auf Stabilisierung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 45 Prozent der Finanzverantwortlichen im Mittelstand beurteilen die Geschäftsaussichten negativer als vor drei Monaten
- Für 72 Prozent hat Kostenreduktion in den kommenden zwölf Monaten oberste Priorität
- Die Beschäftigung bleibt unter Druck, Mittelständler erwarten einen Rückgang der Beschäftigtenzahlen mit einem Indexwert von -17 Prozent
- KI ist in Finanzbereichen angekommen, wird aber häufig noch nicht funktionsübergreifend genutzt
Mittelstand blickt pessimistischer auf die kommenden Monate
Die wirtschaftliche Unsicherheit belastet den deutschen Mittelstand spürbar. Nach einer Mittelstandsauskopplung des CFO Survey von Deloitte bewerten 45 Prozent der Finanzverantwortlichen mittelständischer Unternehmen ihre Geschäftsaussichten schlechter als noch vor drei Monaten.
Als wichtigste Belastungsfaktoren nennen die CFOs vor allem die schwache Inlandsnachfrage. 63 Prozent der Befragten sehen darin eine zentrale Herausforderung. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, die 59 Prozent der Finanzverantwortlichen nennen, sowie steigende Rohstoff- und Energiekosten mit 45 Prozent beziehungsweise 44 Prozent.
Vor diesem Hintergrund rückt die finanzielle Stabilisierung in den Mittelpunkt. Für 72 Prozent der Finanzverantwortlichen hat die Reduktion von Kosten in den kommenden zwölf Monaten oberste Priorität. Zugleich wollen viele Unternehmen durch organisches Wachstum und eine Verbesserung des operativen Cashflows ihre Widerstandsfähigkeit stärken.
Für die Analyse wurden zwischen dem 16. April und dem 7. Mai 120 Finanzvorstände mittelständischer Unternehmen in Deutschland befragt. Der Fokus liegt damit auf den Einschätzungen jener Verantwortlichen, die Investitionen, Liquidität, Kostenstrukturen und finanzielle Risiken im Unternehmen besonders genau im Blick haben.
Beschäftigung, Margen und Investitionen bleiben unter Druck
Die Ergebnisse zeigen, dass der Mittelstand weiter vorsichtig plant. Besonders deutlich wird dies bei der Beschäftigung. Die Unternehmen rechnen weiterhin mit einem spürbaren Personalabbau; der entsprechende Index liegt bei -17 Prozent.
Auch bei Margen und Investitionen bleiben die Erwartungen leicht negativ. Für die Margen liegt der Index bei -1 Prozent, für Investitionen bei -3 Prozent. Der Indexwert zeigt jeweils die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen der befragten Finanzverantwortlichen.
Etwas positiver fällt der Blick auf die Umsatzentwicklung aus. Mit einem Indexwert von 25 Prozent ist sie die stärkste Kennzahl für die kommenden zwölf Monate. Das deutet darauf hin, dass viele Unternehmen zwar noch Wachstumsmöglichkeiten sehen, diese aber unter schwierigen Kosten- und Marktbedingungen absichern müssen.
Dr. Christine Wolter, Partnerin und Leiterin des Mittelstandsprogramms bei Deloitte, sagt: „Der Mittelstand hat derzeit wenig Spielraum für offensive Wachstumsstrategien. Im Fokus steht vielmehr die Stabilisierung des Geschäfts“.
Kostendisziplin wird zur zentralen Steuerungsgröße
Die hohe Priorität von Kostensenkungen ist Ausdruck einer defensiveren Unternehmenssteuerung. Mittelständische Unternehmen reagieren damit auf eine Lage, in der Nachfrage, Kosten, Finanzierung und geopolitische Unsicherheiten gleichzeitig Druck erzeugen.
Neben der Kostenreduktion setzen 59 Prozent der Unternehmen auf organisches Wachstum. 48 Prozent wollen den operativen Cashflow steigern. Damit verbinden viele Finanzverantwortliche kurzfristige Stabilisierung mit dem Ziel, finanziellen Handlungsspielraum zu sichern.
Für Unternehmer und Führungskräfte bedeutet das eine schwierige Balance. Einerseits müssen Kosten kontrolliert und Risiken reduziert werden. Andererseits dürfen Investitionen in Zukunftsfähigkeit, Digitalisierung und Produktivität nicht dauerhaft aufgeschoben werden, wenn die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben soll.
Unternehmensweite Integration von KI kommt nur langsam voran
Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage sind die Erwartungen an Künstliche Intelligenz hoch. In vielen Finanzbereichen gibt es bereits erste Anwendungen. Allerdings gelingt es zahlreichen CFOs bislang nicht, KI über einzelne Anwendungsfälle hinaus im Unternehmen zu verankern.
Weniger als die Hälfte der Befragten, 45 Prozent, plant derzeit die Skalierung von KI-Anwendungen im Finanzbereich. Nur rund 40 Prozent setzen bereits auf funktionsübergreifende KI-Initiativen. Damit bleibt der Einsatz häufig auf einzelne Prozesse oder Abteilungen begrenzt.
Gerade im Finanzbereich kann KI jedoch dazu beitragen, Planung, Reporting, Szenarioanalysen oder Produktivitätssteigerungen effizienter zu gestalten. Entscheidend ist dabei, ob Unternehmen die Technologie nur punktuell einsetzen oder sie systematisch in Prozesse, Datenstrukturen und Entscheidungsabläufe integrieren.
Dr. Christine Wolter ordnet die Potenziale so ein: „Künstliche Intelligenz bietet dem Mittelstand erhebliche Potenziale, insbesondere für eine effiziente Planung und zur Steigerung der Produktivität. Wer die Möglichkeiten von Digitalisierung und KI konsequent in Wertschöpfung übersetzt, wird seine Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren deutlich stärken können“.
Was die Ergebnisse für den Mittelstand bedeuten
Für mittelständische Unternehmen zeigt die Analyse, dass kurzfristige Stabilisierung und langfristige Transformation enger zusammenrücken. Kostenreduktion ist angesichts der wirtschaftlichen Lage nachvollziehbar, darf aber nicht isoliert betrachtet werden. Unternehmen müssen zugleich prüfen, wo Investitionen in Effizienz, Resilienz und digitale Fähigkeiten notwendig bleiben.
Besonders wichtig wird die Frage, wie Abhängigkeiten reduziert werden können. Das betrifft Lieferketten, Finanzierung, Energieversorgung und Technologie gleichermaßen. Gerade in unsicheren Märkten kann eine breitere Risikosteuerung helfen, operative Stabilität und strategische Handlungsfähigkeit zu verbinden.
Auch der KI-Einsatz wird für den Mittelstand zunehmend zu einer Managementaufgabe. Einzelne Anwendungen reichen auf Dauer nicht aus, wenn daraus kein messbarer Beitrag zur Wertschöpfung entsteht. Notwendig sind klare Verantwortlichkeiten, geeignete Datenstrukturen, realistische Anwendungsfälle und eine funktionsübergreifende Umsetzung.
Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen: hier.

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