Online-Shop Umzug: So planen Sie erfolgreich die Migration
E-Commerce

Online-Shop Umzug: So planen Sie erfolgreich die Migration

Porträtfoto von Bastian Hammer, Berater
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Hin und wieder macht es Sinn, über eine Migration des Online-Shops nachzudenken. E-Commerce verändert sich schnell und nur wenige Plattformen und Prozesse, die darauf aufbauen, können einfach und schnell an den Markt angepasst werden.

Warum überhaupt mit dem Online-Shop umziehen?

Es gibt mehrere Gründe, wieso Sie über einen Umzug Ihres Online-Shops nachdenken sollten. Teilweise sind diese Gründe aus einer Perspektive ganz offensichtlich. Teilweise ist die Entscheidung tatsächlich zu einer anderen Plattform zu migrieren mit vielen Implikationen verbunden. Nachfolgend sind einige Punkte angeführt, die für oder gegen einen Umzug sprechen könnten.

1. Finanzielle Gründe

  • Die monatlichen Kosten, die mit der aktuellen Shop-Plattform verbunden sind, machen den Shop deutlich weniger rentabel.
  • Änderungen in Ihrem Geschäftsmodell, die in Ihrem Shop nachgezogen werden müssen, treiben die Kosten stark in die Höhe.

2. Technische Gründe

  • Die alte Shop-Software läuft seit Jahren und erfüllt nicht mehr die aktuellen Anforderungen an moderne Online-Shopping Erfahrungen. (Mobile-first, schnell, mit Videos, …)
  • Die Shopplattform wird technisch nicht weiter unterstützt und/oder nicht weiter entwickelt.
  • Sie haben Ideen und wollen Ihren Shop verändern. Dabei stoßen Sie auf technische Limitierungen Ihres Shopsystems.
  • Integration in vorhandene oder neue Systeme ist nicht einfach möglich.

3. Marketing Gründe

  • Die Marketing-Abteilung sieht viele Probleme und Restriktionen mit dem aktuellen Shop-System. Diese Probleme erschweren die Optimierung der Conversion-Rate.
  • Es ist schwer bis umständlich im Bereich Marketing Ideen im Shop umzusetzen.
  • Sie haben nicht genug Besucher auf Ihrem Shop.
  • Die meisten Unternehmen, die über einen neuen Shop nachdenken, haben mehrere dieser Problematiken.

Gehen wir davon aus, dass das Marketing für Ihren Online-Shop das wichtigste ist. Die Aufgabe des Marketings ist es, mehr Besucher in Ihren Shop zu bekommen und die Konversionsrate zu steigern. Abhängig von diesen beiden KPIs:

  • Monatliche Besucher im Shop
  • Conversion-Rate

ist es bereits möglich, eine Entscheidung bezüglich der Migration hin zu einer anderen Shop-Plattform zu treffen.

Evaluation und Analyse

Bei der Evaluation des aktuellen Systems, der Probleme und des möglichen neuen Shopsystems sollten Sie diese Punkte auf jeden Fall auf Ihrer Liste haben:

  • Mobile first
  • Geschwindigkeit
  • Features
  • Content-Marketing Optionen
  • Integration
  • Popularität der E-Commerce Plattform (wichtig wenn es darum geht, ob und wie die Shop-Software weiterentwickelt wird und wie leicht es ist, technische Hilfe zu finden)

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Punkte, die abhängig von Ihrem Geschäftsmodell interessant sein könnten:

  • Mehrsprachigkeit
  • Zahlungsmethoden
  • Versandmethoden (wichtig, speziell beim Cross-Border Commerce)
    B2B / B2C

In dieser Phase sollten Sie sehr sorgfältig vorgehen und bereits einige Jahre vorausplanen. Stellen Sie sicher, dass Sie Ihr nächster Online-Shop mit Ihren Ideen gut unterstützt, um eine erneute Migration zu vermeiden.

Gehen Sie hier tatsächlich analytisch vor und listen Sie sämtliche wichtigen Kriterien in einer Tabelle auf. Sie können diese hier gewichten und auch mit Mitbewerbern auf dem Markt vergleichen. Diese Evaluation stellt die Grundlage für eine potenziell sehr kostspielige Entscheidung dar. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Selbst wenn Sie in Ihrem Team über E-Commerce-Erfahrung verfügen, ist es sinnvoll, eine zweite Meinung von außen einzuholen.

Falls Ihr Unternehmen bereits mehrere Millionen Umsatz über den Online-Shop generiert, gehen Sie in dieser Phase noch deutlich akribischer vor. Bevor Sie ein Projekt zum Online-Shop Umzug im Unternehmen planen, setzen Sie sich mit der Abteilung Finanzen zusammen und prüfen Sie mögliche Modelle für ROI (Return on Investment). Danach beginnen Sie den RFP (Request for Proposal) Prozesse zu planen.

Die Details, die Sie hier benötigen, sind unter anderem:

  • Besucher pro Monat
  • Besucherzahlen Trend pro Monat / Jahr
  • Umsatz über den Shop
  • Umsatz über alle Verkaufskanäle
  • Durchschnittlicher Warenkorbwert
  • Anzahl der Transaktionen pro Monat
  • Anzahl der Produkte pro Transaktion
  • Rücksendequote
  • Bruttomarge
  • Nettomarge

Für das RFP Dokument bereiten Sie dann Themen vor wie etwa:

  • Ziele für das Projekt
  • Technische Anforderungen an das neue Shopsystem
  • Zeitlicher Ablauf
  • Budgetplanung / Aufschlüsselung der zu erwartenden Kosten

Wie gehen Sie bei der Systemauswahl vor?

Sobald der finanzielle Rahmen abgesteckt ist, wird es Zeit mit Marketing und IT die technischen Ziele zu klären. Dazu können Sie eine Anforderungsanalyse erstellen.

Stellen Sie sicher, dass Sie sowohl Marketing als auch IT ins Boot holen. Es ist wichtig, vom Marketing Feedback zu bekommen, was aktuell gut funktioniert und was nicht. Die IT ist wichtig, da sicherlich eine oder mehrere Schnittstellen zu vorhandenen Systemen benötigt werden. Je nachdem, wie das nächste Shop-System integrierbar ist, kann es gerade hier zu ungeahnt hohen Kosten kommen.

Um hier auf der sicheren Seite zu sein, schauen Sie sich hier die Geschäftsprozesse an, die bereits existieren und die, die in Zukunft existieren sollen. Hier können Sie mit klassischen Use Cases und User Storys vorgehen.

Sie haben nun einen guten Überblick über das Projekt, über dessen Ziele und den definierten Rahmen. Setzen Sie sich jetzt an den Auswahlprozess.

10.000 und mehr Euro sind gut in eine Softwareevaluation investiert, wenn diese über die nächsten Jahre dazu beitragen, mehrere 100.000€ zu sparen. In diesem Teil des Projektes werden die Softwareoptionen gegen die definierten Ziele und Use Cases geprüft. Was hier lange dauert, ist die Recherche von sämtlichen Details und das „trockene“ Durchspielen von Optionen und Szenarien. Jeder Softwarehersteller bewirbt das eigene Produkt anders. Jedes Shopsystem wird dadurch weniger einfach vergleichbar.

Bringen Sie hier die großen Shop-Systeme ins Boot wie zum Beispiel Magento (gerne auch in der Open Source Version), Shopify und eventuell WooCommerce. Selbst wenn Sie die Systeme nicht einsetzen oder einsetzen wollen, dienen Sie als eine Art Messlatte. Diese Plattformen sind sehr weit verbreitet und werden von vielen E-Commerce Unternehmen eingesetzt. Es gibt jede Menge vorgefertigte Lösungen und gute Dienstleister um diese Plattformen herum. Eine Nischen-Plattform mit zusätzlichem Customizing vom Hersteller selbst kann zu ungeahnten Problemen in der Umsetzungsphase führen.

Was sollten Sie während einer Migration vermeiden?

In sämtlichen Phasen einer Migration, von der Planung bis hin zum Go Live, können Probleme entstehen. Viele dieser Probleme existieren in unterschiedlichen Unternehmen.

Evaluationsphase zu kurz und nicht ausführlich genug

Die Evaluation wurde ohne die IT in einigen Projekten durchgeführt – so die Erfahrung. Aus IT Sicht existierte dann auf einmal ein System, welches jetzt mit großem Aufwand und Komplexität in vorhandene Systeme und Prozesse integriert werden muss. Dieses Projekt in der IT war weder geplant, noch waren dessen Kosten in dem Projekt „Shop-Migration“ einkalkuliert.

Softwareentwicklung oder Frontendentwicklung ohne Erfahrung

Webentwicklung ist in den letzten 20 Jahren extrem komplex geworden. Verschieden Geräte, Displayauflösungen, Browser, strukturierte Daten, Seiten-Ladegeschwindigkeit etc. – Ihr Shop muss überall schnell und gut funktionieren – für Menschen und für Maschinen. Das ist schwierig und erfordert viel Erfahrung, sowohl in der Umsetzung als auch im Projektmanagement. Versuchen Sie auf vorhandenen Templates und Plug-ins aufzubauen. Versuchen Sie, Eigenentwicklung zu vermeiden, wenn entsprechende Erfahrung nicht vorhanden ist.

Spezialsysteme und Neuerfindung des Rades

Jedes Unternehmen will sich natürlich individuell positionieren und damit vom Markt abheben. Fragen Sie sich dennoch, ob Ihre Anforderungen so speziell sind, dass es eine Eigenentwicklung nötig ist. In vielen Projekten erlebt man, dass das Rad neu erfunden wurde. Leider kam es nie an das Original heran und war deutlich teurer. Holen Sie hier unbedingt eine zweite und gern eine dritte Meinung ein.

Fazit

Bei kleinen Unternehmen können fertige Systeme und Lösungen zu schnellen Ergebnissen führen. Viel Planung benötigt es hier nicht. Je größer ein Unternehmen, desto komplexer die Geschäftsprozesse und vorhandenen Softwaresysteme. Dementsprechend muss die E-Commerce-Plattform geplant und integriert werden. Die Planungs- und Evaluationsphase darf hier nicht zu kurz kommen, um gute Entscheidungen zu treffen.

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Über den Autor

Porträtfoto von Bastian Hammer, Berater

Bastian Hammer Bastian Hammer unterstützt Sie mit Beratung und Umsetzung rund um E-Commerce, Marketingautomation, CRM und Integration der Software Ihres Unternehmens. Seine über 20 Jahre an Erfahrungen in kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt er in seinem Blog, Kursen und in Beratungsprojekten weiter. www.bastianhammer.de
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