Weibliche Rollenvorbilder: Frauen in Führungspositionen
Erfolg im Beruf

Weibliche Rollenvorbilder: Frauen in Führungspositionen

Britta Balogh-Coach
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Frauen führen anders als Männer, aber führen sie deshalb schlechter? Wir unterliegen noch immer vielen Rollenklischees in Hinblick auf weibliche Führungspersönlichkeiten, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten. Was können Frauen tun, um diese Rollenklischees zu verlassen und ihren Gestaltungsspielraum gewinnbringend zu nutzen?

Erschütternde Statistik zum Thema Frauen

Der Frauenanteil im Vorstand beziehungsweise in der Geschäftsführung im deutschen Mittelstand beträgt im Durchschnitt 16 Prozent mit leicht steigender Tendenz, so das Ergebnis des Mittelstandsbarometers des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Bei börsennotierten Unternehmen sind sogar nur neun Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt.

Das zeigt: Frauen schaffen es nicht gleichermaßen in die Top-Positionen. Darum sind weibliche Vorbilder so wichtig – sie inspirieren, motivieren und eröffnen neue Möglichkeiten für die eigene Entwicklung.

Etliche Studien zeigen, dass Unternehmen innovativer und erfolgreicher sind, wenn sie auch Frauen entscheidenden Positionen bekleiden lassen.

Folgende Charakterzüge sind für ein gutes Management wichtig:

  • Emotionale Stabilität
  • Extrovertiertheit
  • Offenheit für Ideen
  • Geselligkeit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Stressresistenz

2017 haben Wissenschaftler von der Norwegian Business School 2.900 Führungskräfte hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsmerkmale mit den o.g. Charakterzügen untersucht. Das Ergebnis besagt, dass Frauen im Durchschnitt auf bessere Ergebnisse kamen als Männer. Nur in Sachen Stressresistenz schnitten die Frauen schlechter ab, da sie sich häufiger und mehr Sorgen machen.

Rollenklischees von Mann und Frau

Wie klar ist unsere Vorstellung eines weiblichen Rollenvorbildes in Führungsposition? Unscharf. Und genau dies bietet Frauen einen enormen Gestaltungsspielraum. Frauen können das Bild von weiblichen Führungskräften frei gestalten, ohne sich anpassen zu müssen oder bessere Männer werden zu wollen. Männer gelten als durchsetzungsstark, risikobereit und konsequent. Sie konzentrieren sich eher auf das System, auf Prozesse und Strukturen. Frauen hingegen geht es darum, dass sich Menschen im System wohlfühlen und sich darin entfalten können. Sie gelten daher als kommunikativ, empathisch und kollaborativ. Und natürlich: Familie ist Frauensache. Zudem sagt man Männer dreistes Auftreten nach, während Frauen nicht hartnäckig genug sind, Ihre Position durchzusetzen.

Gestaltungsspielraum nutzen

Soweit die Rollenklischees. Wie sieht es in der Praxis aus? Wie können Frauen den Gestaltungsspielraum nutzen, anders führen und ein Vorbild sein? Da er nicht klar definiert ist, haben sie die Freiheit, ihn individuell zu füllen, denn jede Persönlichkeit hat andere Facetten und oft werden Menschen mit prägnanten Eigenschaften und Fähigkeiten, die wir selbst gerne hätten, zu Vorbildern.

Wir bewundern eine Person dafür, dass sie ein bestimmtes Ziel erreicht hat. Das kann das eigene anvisierte Ziel sein, oder eines, was wir nie erreichen werden, wie z.B. Hochleistungssportlerin oder Astronautin zu sein. Soft Skills und Charaktereigenschaften, die diese Personen zu ihrem Ziel gebracht haben, wie Durchhaltevermögen, Kampfgeist, mit Niederlagen und Stress umgehen zu können, Stehauffrauchen zu sein, hingegen spornen uns an. Wichtig ist, dass die verkörperten Werte und Eigenschaften für uns selbst erstrebenswert sind und uns auf unserem Weg weiterhelfen.

Wie können wir den Gestaltungsspielraum füllen und ein Vorbild sein?

  • Für eigene Werte stehen: Stehen Sie für die eigenen Werte ein und verkörpern Sie diese.
    Allerdings üben Sie Toleranz, erkennen Sie die zu Ihnen widersprüchlich stehenden Werte anderer an und gehen Sie respektvoll mit ihnen um.
  • Kommunikation und Handeln müssen korrelieren: Stellen Sie sicher, dass Ihre Kommunikation und Ihr Handeln korrelieren. Gewaltfreie Kommunikation interessiert eher Frauen und wird von ihnen meist besser beherrscht als von Männern. Sie ist ein guter Aspekt im Gestaltungsspielraum. Allerdings Achtung: Es geht in der Führungsrolle darum, angemessen und deutlich zu kommunizieren, auch um Missverständnisse zu vermeiden. Zu berücksichtigen ist, dass das Verständnis von Sprache bei Frauen und Männer divergiert.
  • Respekt zeigen: Zeigen Sie Respekt und Wertschätzung, Leidenschaft und Humor.
  • Leistung und Erfolge klar und deutlich kommunizieren: Frauen neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen und ihre Leistungen eben nicht zu erkennen zu geben.
  • Als Experte und Marke präsentieren: Zeigen Sie sich als Expertin in ihrem Fachgebiet, oder in ihrer Branche. Machen Sie aus sich die eigene Marke.
  • Durchhaltevermögen zeigen: Teilen Sie Ihre Erfahrungen, Ideen und zeigen Sie Ihr Durchhaltevermögen, das Sie benötigen, um ihre Ziele zu verfolgen, denn sie sind der Beweis dafür, dass es möglich ist, sie zu erreichen.
  • Gekonnt kommunizieren: Verschaffen Sie sich Gehör mit Expertenwissen und gekonnter Kommunikation, einer festen Stimme und sicherem Auftreten. Treffen Sie den richtigen Ton und bleiben Sie bestimmt in der Sache.

Die Kehrseite: Kein Vorbild ist perfekt und genau in dieser Einsicht liegt auch eine Chance. Die Chance nämlich, sich der eigenen Unvollkommenheit zu stellen und auch diese transparent zu machen. So können Sie zeigen, wie Sie Tiefen und Hindernisse überwunden haben.

  • Nutzen Sie Ihre motivierende Wirkung auf Ihre Geschlechtsgenossinnen und seien Sie Mentorin.
  • Zeigen Sie Resilienz und wie Stress zu bewältigen ist.
  • Bleiben Sie sich selbst stets treu und authentisch.

Hindernisse und Fallen für Frauen in Führungsposition

Welche Hindernisse und Fallen begegnen Frauen auf dem Weg in die und auf der Führungsposition?

Um auf eine/die nächste Führungsposition zu gelangen übernehmen nicht wenige Frauen männliche Verhaltensweisen, andere geben sich extrem weiblich. Von beidem ist abzuraten. Besser ist es, die eigene Persönlichkeit ins Spiel zu bringen, selbstbewusst aufzutreten, was sich auch in der Körpersprache und Stimme wiederspiegelt und einen freundlichen Ton anzuschlagen. Ein Kuschelkurs ist ebenso wenig angesagt, wie übertriebene Härte oder Kälte.

Frauen neigen dazu, einen klaren Blick auf ihre Defizite zu haben und diese womöglich zu benennen, anstatt ihre Stärken in den Fokus zu nehmen und diese rauszustellen. Hier unterscheiden sich Frauen deutlich von Männern. Frauen hinterfragen sich eher, suchen nach Fehlern und Schwächen, anstatt ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren.

Frauen planen ihre Karriere oft zu zögerlich, agieren nicht strategisch, suchen sich keine Verbündeten und Mentoren und wollen nicht allein über das Frauenthema definiert werden. Es ist ihnen wichtig klarzustellen, dass sie ihr Ziel allein aus ihrer eigenen Leistung heraus erreicht haben, ohne jede Hilfe. Das ist ein ungeeignetes Rollenvorbild und verunsichert insbesondere junge Frauen. Zudem macht es den eigenen Weg unnötig steinig.

Auch das Thema Macht erscheint als ein Hindernis. Macht hat für viele Frauen schnell einen negativen Beigeschmack und klingt nach autoritärem Führungsstil und selbstsüchtigem Agieren und Auftreten. Darüber wird schnell vergessen, dass nur über Macht die Chance besteht, Dinge zu bewegen, Teams zu formen und zu fördern, Ziele zu verteidigen und voranzubringen.

Werden Frauen in Krisenzeiten und Abschwungsituationen mit der Führung betraut, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, riskieren sie leicht Ihre Vorbildrolle. Passieren jetzt Fehler oder wird aus anderen Gründen das Ziele verfehlt, ist das Image angekratzt und die Vorbildfunktion gerät ins Wanken.

Fazit

Frauen führen anders als Männer – das ist nichts neues. Klischees sind nicht hilfreich, Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen Mann und Frau hingegen schon. Frauen haben alle Möglichkeiten, den Gestaltungsspielraum gewinnbringend zu nutzen. Dabei gilt es, sich sowohl der Vorbildrolle bewusst zu sein als auch die Hürden und Hindernisse nicht aus dem Auge zu verlieren und sie gekonnt zu umschiffen, bzw. abzuwenden. Hilfreich auf dem Weg sind Unterstützer und Mentoren.

Das Geschlecht allein reicht jedoch nicht aus, um sich als Vorbild zu qualifizieren. Am ehesten kommt eine Frau in Betracht, die scheinbar ähnlich zu uns selbst ist. Zudem sollte sie eine inspirierende Kraft verkörpern. Wir können an dieser Frau sehen, was alles zu schaffen ist – mit und ohne Familie, mit und ohne Unterstützung, mit den Hürden, die diese Person erfolgreich genommen hat. Sie gibt uns Kraft, Zuversicht, Hoffnung und stärkt den Willen, es ihr gleich zu tun.

Foto/Thumbnail: ©istock.com/nortonrsx

Über den Autor

Britta Balogh-Coach

Britta Balogh Britta Balogh ist seit über 20 Jahren selbstständig und seit 2013 auch als Coach tätig. Als systemischer Coach, Karrierecoach, Speakerin und Autorin unterstützt sie Führungskräfte und Mitarbeiter, die auf ihrem beruflichen Weg vorankommen wollen. Britta Balogh lebt in Berlin und arbeitet im gesamten deutschsprachigen Raum. In ihren Blogbeiträgen untersucht sie die Kommunikation in Unternehmen und gibt Hinweise für Führungskräfte und Personalentwickler. www.balogh-coaching.de
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