So leben Organisationen ihre Werte
Unternehmenskultur im Arbeitsalltag

So leben Organisationen ihre Werte

Nora Feist
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Um als Arbeitgeber wettbewerbsfähig zu sein, müssen Führungskräfte heutzutage neben dem wirtschaftlichen Erfolg auch stark auf die soziale Komponente innerhalb ihres Teams achten: immer mehr Bewerber suchen bewusst nach Unternehmen, deren Werte mit ihren persönlichen Prinzipien übereinstimmen. Anbei einige hilfreiche Tipps, mit denen Organisationen ihre Werte in den Geschäftsalltag integrieren können.

Organisationen sollten ihre Leitbilder jedoch nicht nur definieren – sie sollten angefangen bei der Geschäftsführung bis hin zu den Praktikanten von jedem Einzelnen mitgetragen und gelebt werden. Sind sie doch wichtiger Wegweiser und finden sich in allen Geschichten und Handlungen der Firma wieder. Doch wie können Betriebe ihre Werte in den Alltag einfließen lassen?

Wertekultur: Emotionale Verbindung zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden

Wenn die Werte eines Unternehmens mit den persönlichen Idealen der Angestellten übereinstimmen, entsteht eine emotionale Verbindung zwischen beiden Seiten. Die Führungskräfte spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie gehen als gutes Beispiel voran, denn sie sind es, die die Unternehmenskultur verinnerlicht und den Kurs in der Organisation vorgeben. Geschäftsführer sollten sich fragen, in welchen konkreten Situationen sich die eigenen Werte zeigen, oder auch welches Verhalten sie noch an ihre Prinzipien anpassen müssen. Von einer Organisation, die Nachhaltigkeit als Grundwert definiert, wird beispielsweise erwartet, dass sie grünen Strom verwendet oder dass sie ihren Mitarbeitenden regionale bzw. Bio-Produkte zur Verfügung stellt.

Was für Bewerber wichtig ist

Prinzipien, die bei Arbeitssuchenden ganz oben stehen, sind beispielsweise Respekt und eine offene Kommunikation. Um diese Grundsätze in den Alltag zu integrieren, ist eine offene Feedbackkultur wichtig, die regelmäßige Austauschgespräche auf Augenhöhe mit Arbeitnehmern ermöglicht. Wertschätzung und Teamwork sind ebenfalls weit verbreitete Werte, auf die Bewerber achten. Trotz zunehmender Remote-Arbeit möchten sich Kollegen austauschen und gemeinsam an ihren Zielen arbeiten. Das schweißt zusammen und stärkt das Wir-Gefühl. Selbst kleine Belohnungen wie eine Dankeskarte, ein Blumenstrauß oder die Möglichkeit zu einem Teamevent sind eine Form der Kenntnisnahme. Diese Form der Anerkennung der geleisteten Arbeit versprühen Stolz und Motivation im Team und wirken oft noch lange positiv nach.

Positive Vorbilder: Unternehmen, die ihre Wertekultur aktiv gestalten

Einige der zentralen Grundsätze von Siemens sind beispielsweise Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Zu diesem Zweck hat die deutsche Firma intern das „Serve the environment“ Programm initiiert. Hiermit kämpfen sie aktiv gegen Umwelt- und Wasserverschmutzung und bieten eine nachhaltige Alternative für die Energiegewinnung. Der Technik-Riese setzt dabei auf Recycling und Refurbishing und senkt damit den Abfall an manchen Standorten um bis zu 100 Prozent. So vermeidet man Deponieabfälle und schliesst Materialkreisläufe, indem man Rohstoffe so lange wie möglich erhält und kostspielige Ressourcen wiederverwendet.

Bei der PR-Agentur Mashup Communications sind zwei sehr wichtige Werte Flexibilität und Unabhängigkeit. Aus diesem Grund bieten sie seit letztem Jahr das Workation-Programm an, um diesen Leitgedanken weiter voranzutreiben. Das unternehmen bietet seinen Mitarbeitenden damit die Möglichkeit, bis zu acht Wochen im Jahr von einem anderen Ort auf der Welt zu arbeiten. Im Alltag achten sie daher darauf, dass man alle Prozesse digital optimiert und selbstverständlich die nötigen Video- und Online-Tools zur Verfügung stehen. Hinsichtlich möglicher Zeitverschiebungen ist die Agentur auch hier anpassungsfähig. Wenn sich Mitarbeitenden beispielsweise während ihres Fernoffice in Peru oder den USA befinden, kommen sie ihnen selbstverständlich hinsichtlich Meetingzeiten entgegen und zeigen auch hierbei Flexibilität.

Interne Werte außerhalb

Interne Werte kann man aber auch außerhalb des Büros leben. Die holländische Firma Tony´s Chocolonely zum Beispiel verkörpert den Wert Fairness und strebt sowohl intern als auch extern nach einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kakao-Lieferkette. Um diese zu erreichen, hat der Schoko-Hersteller eine Petition ins Leben gerufen, mit der ein Gesetzentwurf zum Schutz der Rechte von Mitarbeitenden in der Schokoladenindustrie vorgelegt werden soll. Ein Beispiel, das zeigt, dass sich neben der Kultur im eigenen Unternehmen, auch für Veränderungen in der Branche eingesetzt werden kann, in der die Firma tätig ist.

Die gleichen Grundsätze müssen schließlich auch für Kunden gelten. Betriebe sollten ihre Geschäftspartner bewusst auch nach den jeweiligen Unternehmenswerten auswählen. Im besten Fall prüft man schon vor einer Kooperation, ob die Grundsätze übereinstimmen, bzw. sich zumindest an die eigenen Prinzipien gehalten wird. In Ausnahmefälle sind Unternehmen sonst gezwungen, auch nach Anlauf einer Zusammenarbeit diese gegebenenfalls wieder zu beenden, wenn die Werte zu stark auseinanderklaffen.

Fazit: Das Team schreibt die Geschichten

Die Geschichten in einem Unternehmen und damit einhergehend auch eine aktiv gelebte Wertekultur schreibt das ganze Team. Ob Manager oder Arbeitnehmer und jeder Kollege muss verinnerlichen, in welcher Prinzipienwelt er oder sie arbeitet, welche Vision man verfolgt und was dieser eventuell noch im Weg steht. Gerade im Alltag sollte man das Verhalten daher stets an den Werten ausrichten. Transparent mit Kollegen und Kunden über Fortschritte und Rückschläge sprechen, flexible Arbeitszeiten ermöglichen und nutzen, oder Vertrauen in Form von Verantwortung schenken, sind hierfür nur einige Beispiele. Wenn sich alle Mitarbeitenden, Geschäftspartner und Manager daran halten und sich die Werte auch in kleinen Taten widerspiegeln, dann leben alle aktiv die Unternehmenskultur und profitieren davon.

Foto/Thumbnail: ©Depositphotos.com

Über den Autor

Nora Feist

Nora Feist Nora Feist ist eine der Geschäftsführerinnen von Mashup Communications, der Berliner Agentur für PR und Brand Storytelling. Als HR-Verantwortliche konzentriert sie sich auf Employer Branding und sorgt in der Agentur dafür, dass arbeitstechnisch zusammenkommt, was zusammenpasst. Daneben plant und koordiniert die erfahrene Kommunikationsexpertin Vorträge sowie unternehmensinterne Workshops. www.mashup-communications.de
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